Gründerraum http://blog.wiwo.de/gruenderraum Spannende Startups und interessante Unternehmen Tue, 08 May 2012 11:37:32 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.2.1 Auf ins Valley, Teil 2: Die Größe zählt http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/05/08/fabianneuen-2/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/05/08/fabianneuen-2/#comments Tue, 08 May 2012 11:25:10 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2156 Der German Silicon Valley Accelerator hat Fabian Neuen nach Sunnyvale in Kalifornien katapultiert. Im Gründerraum berichtet der Jungunternehmer von den Erfahrungen, die er dort beim Aufbau des Startups Fair Observer sammelt. Im zweiten Teil der Serie erklärt Neuen, was er und sein Mitgründer Atul Singh bei einem Treffen mit Facebook-Investor Peter Thiel gelernt haben und was die deutsche Gründerszene vom Silicon Valley unterscheidet

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Zugegeben, für deutsche Verhältnisse sind wir nicht unambitioniert. Es gab gerade in der Startphase viele Leute, die alleine unsere Idee schon unerhört fanden – eine neuartige Medienplattform, die umfassende Analysen bieten will. Als ob man damit heute Geld verdienen könnte! Aber davon sind wir überzeugt. Gepaart mit unseren Wachstumsambitionen überstieg unser Geschäftsmodell allerdings das Vorstellungsvermögen vieler. Eine ähnliche Reaktion beobachteten wir übrigens auch an der Ostküste der USA.

Kaum im Silicon Valley angekommen, wurden wir überrascht. Die Größe des Marktes wurde nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil – im allerersten Meeting wurden wir zurechtgewiesen, dass wir nicht groß genug denken. Faktor fünf bis zehn wäre doch sicher drin!

Man solle nicht den Fehler machen und die hiesigen Investoren unterschätzen oder als naiv abzutun. Das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn wir uns als Erstunternehmer nicht anmaßen können, das System durchschaut zu haben, ist die geballte Erfahrung der hier ansässigen Kapitalgeber offensichtlich. Der große Unterschied: sie trauen sich zu, „ihren“ Startups zu Weltmarktgröße zu verhelfen und sich nicht auf Kleinstnischen zu verlassen.

Groß denken: Facebook-Investor Peter Thiel hat es geschafft. Die Fair-Observer-Gründer Fabian Neuen und Atul Singh trafen ihn beim Launch-Event des German Silicon Valley Accelerator

Giganten schaffen statt Kleinstnischen besetzen

Peter Thiel, der legendäre Facebookinvestor, war bei unserem Launchevent dabei und betonte diesen Unterschied zwischen Deutschland und dem Silicon Valley: „Wer immer den Exit sucht in einem Bewertungsrahmen zwischen 10 und 80 Millionen Dollar, wird nie das richtige Ökosystem für globale Startups schaffen können“. Im Valley ist die Branche inzwischen soweit und widersteht der kurzfristigen monetären Versuchung, um stattdessen Giganten schaffen zu können. Nicht alle werden es, aber somit gibt es zumindest immer wieder neue Googles, Facebooks oder Groupons.

Natürlich: Peter Thiel hat leicht reden, er hat es bereits geschafft – kein Zweifel. Aber auch in unserem direkten Umfeld sehen wir den Hang zur Größe. Ein MIT-Freund von uns, Ted Blackman, wurde von einem namhaften Venture Capitalisten abgelehnt. Der hatte zwar keinen Zweifel daran, dass Ted’s Firma in Kürze von Google für 100 Millionen Dollar übernommen werden würde, aber dies war ihm offenbar schlicht zu wenig.

Als Deutsche mussten wir ob dieser Argumentation erst einmal schlucken…

Eine logische Folgefrage habe ich noch nicht beantwortet: Wie kommt es, dass sich die Valley-Investoren zutrauen, neue Weltmarktführer zu identifizieren und zu formen? Sie haben alles gesehen und kennen die Marktmechanismen genau. Die besten Talente der Welt kommen zu ihnen und kämpfen um ihre Gunst, Geschäftsmodelle in allen Formen und Farben werden ihnen unterbreitet. Mit diesem Wissen können sie hervorragende Prognosen treffen.

Im Silicon Valley gehen die Uhren anders: Blick ins Fair-Observer-Cubicle im Plug and Play Tech Center in Sunnyvale

Bei aller Schwärmerei möchte ich jedoch nicht behaupten, dass Valley-Investoren unfehlbar sind. Im Gegenteil: viele agieren wie Lemminge, nämlich in dem Bemühen, den nächsten großen Trend nicht zu verpassen. Das führt dazu, dass eine der größten amerikanischen Interneterfolgsgeschichten, der Musikdienst Pandora, beinahe nie durchfinanziert worden wäre. Der Legende nach hat erst der 81. Investor grünes Licht gegeben. Das Gesetz der großen Zahlen spielt ihnen jedoch letztlich in die Hände…

Wir sind gerade in den Endzügen, unsere Investorenunterlagen vorzubereiten. Über unsere eigenen Erfahrungen mit Valley-Investoren berichten wir an dieser Stelle in Kürze.

Übrigens: Neben den Erfahrungsberichten in der Wirtschaftswoche, führen wir ein englischsprachiges Tagebuch.

Fortsetzung folgt.

Bisherige Beiträge:

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“Was nicht geschützt ist, darf nachgeahmt werden” http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/27/pachl/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/27/pachl/#comments Fri, 27 Apr 2012 06:20:43 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2140 Der Markenrechtsexperte und Anwalt Martin Pachl erläutert, wie Gründer sich vor Copycats schützen können und weshalb es riskant es ist, sich in den Sog von bekannten Marken zu begeben

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Herr Pachl, viele Gründer fragen sich, wie sie Geschäftsideen schützen können. Was antworten Sie denen?
Martin Pachl: Im Grundsatz gilt das Prinzip der Nachahmungsfreiheit. Das heißt: Was nicht durch Schutzrechte geschützt ist, darf nachgeahmt werden. Abstrakte Geschäftsideen und Geschäftsmodelle können deswegen meist problemlos imitiert werden. Wer etwa ein soziales Netzwerk im Internet gründet, kann diese Idee nicht schützen, weil es in der Natur des Netzes liegt, dass sich Menschen zusammenschließen. Auch die Idee, ein Medikament gegen eine bestimmte Krankheit zu entwickeln ist nicht schützbar – wohl aber das konkrete Medikament, sofern es neu ist.

Was können Gründer überhaupt rechtlich schützen lassen?
Pachl: Der Gesetzgeber steckt in einem Dilemma: Er will auf der einen Seite Innovationen belohnen, auf der anderen Seite Wettbewerb ermöglichen. Dennoch sind bestimmte Arbeitsergebnisse schutzfähig. Wer eine technologische Neuheit entwickelt, kann deswegen beim Deutschen Patent- und Markenamt technische Schutzrechte beantragen. Designs und grafische Gestaltungen können als Geschmacksmuster eingetragen werden, Firmen- und Produktnamen lassen sich als Marken schützen.

Was müssen Gründer beachten, wenn sie ein Patent oder Muster anmelden?
Pachl: Es ist sehr wichtig, möglichst wenig Menschen von der Innovation zu erzählen, bis Maßnahmen zum Schutz der Innovation eingeleitet sind – sonst gefährdet man unter Umständen die Erteilung des Schutzrechtes. Natürlich darf man sich von Anwälten beraten lassen und sollte das auch tun, wenn man sichergehen will, dass die Anmeldung gelingt. All das ist zugegebenermaßen nicht ganz billig, was gerade für junge Unternehmen ein Problem sein kann.

Martin Pachl ist Anwalt bei Osborne Clarke in Köln, einem der Partner des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs. Der Jurist hat sich auf Fragen des geistigen Eigentums und Wettbewerbsrecht spezialisiert und berät regelmäßig junge Unternehmer.

Heißt das, dass man potenziellen Partnern und Investoren stets eine Geheimhaltungserklärung abringen sollte, bevor man sie einweiht?
Pachl: Grundsätzlich ist eine Geheimhaltungsvereinbarung sinnvoll, insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine Verbreitung der Innovation in der Öffentlichkeit dem Schutzrecht schaden kann.

Aber?
Pachl: Wir müssen Gründern oft die Illusion nehmen, dass ein solches Non-Disclosure-Agreement wirklich effektiv schützt – denn als Gründer müssen Sie im Verletzungsfall immer beweisen, dass der Vertragspartner die Informationen weitergegeben hat. Erst dann können sie Schadensersatz verlangen. Außerdem werden viele Investoren kaum eine fünfseitige Geheimhaltungserklärung mit einer Vertragsstrafe von mehreren Tausend Euro unterschreiben. Als Gründer sollte man deswegen sehr genau überlegen, wen man wie weit in seine Idee einweiht – wo Vertrauen besteht ist eine Geheimhaltungserklärung zweitrangig.

Ist die Eintragung einer Marke einfacher und günstiger als die eines Patents?
Pachl: Ja, in den meisten Fällen kostet das nur ein paar Hundert Euro – und da ist meist kein Euro zu viel investiert. Wir empfehlen vielen Gründern, die ihre Idee nicht patentieren lassen können, zumindest die Namen ihres Unternehmens, ihrer Produkte und Verpackungen als Marken ins Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamts einzutragen. Vorher sollte man allerdings klären, ob die Marken in der gewünschten oder in ähnlicher Form schon in Gebrauch sind. Sonst kann es passieren, dass man nach fünf Jahren einen Brief vom Anwalt bekommt, der untersagt, den Namen weiter zu verwenden.

Wie oft kommt es zu solchen Rechtsstreitigkeiten?
Pachl: Bei uns vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht einem Startup helfen müssen, dass eine Abmahnung von einem Konzern oder Wettbewerber erhalten hat. Vor allem Markenrechte werden sehr häufig geltend gemacht. Bekanntestes Beispiel ist Apple, das gegen das Bonner Café Apfelkind vorgegangen ist, weil dessen Logo angeblich zu viel Ähnlichkeit mit dem Apple-Logo hat. Immer wieder kommt es vor, dass Gründerunternehmen sich durch die Verwendung berühmter Marken versuchen, sich in die “Sogwirkung” der Marke zu begeben.

Und das ist riskant?
Pachl: Ja, die Verwendung von Bildmarken berühmter Hersteller birgt immer die Gefahr, dass man eine Geschäftsbeziehung suggeriert. So zum Beispiel, wenn bei einem Produkt das Apple-Logo plakativ verwendet wird, um zu zeigen, dass das Produkt mit Applegeräten kompatibel ist. Ein weiteres “Hauptschlachtfeld” ist auch der Wiederverkauf von Markenware über Internetverkaufsportale. Grundsätzlich ist es erlaubt, von dem Markeninhaber in Europa in Verkehr gebrachte Ware wieder zu verkaufen, dies gilt jedoch nicht für im asiatischen oder amerikanischen Markt erstmals verkaufte Ware. In diesem Zusammenhang treten sehr häufig Rechtsstreitigkeiten auf. Hier besteht ein hohes Abmahnrisiko.

Wie geht es weiter, wenn man eine solche Abmahnung erhält?
Pachl: In der Regel verlangt das Unternehmen von den Gründern, dass sie eine Unterlassungserklärung abgeben. Diese ist strafbewehrt, so dass im Falle eines Verstoßes eine meist höhere vierstellige Vertragsstrafe gezahlt werden muss. Mit der Abmahnung werden auch die Kosten eingefordert. Diese Erklärungen sollte man erst nach Rücksprache mit einem Anwalt unterschreiben, damit man nicht eine zu hohe Vertragsstrafe oder überzogene Rechtsanwaltskosten zahlen muss.

Wie gut lässt sich darüber verhandeln?
Pachl: Wenn man sich entschuldigt und klar macht, dass man als junges Unternehmen unwissentlich die Markenrechte verletzt hat, reagieren seriöse Unternehmen zum Glück meistens vernünftig und lassen sich auf Kompromisse bei der Vertragsstrafe und dem Kostenersatz ein. Anders kann die Sache bei der Abmahnung von Marken- oder Wettbewerbsverstößen durch Wettbewerber aussehen. Hier wird der Kostenersatz oft als “Kampfmittel” eingesetzt.

Wie ist es, wenn ich als Jungunternehmer überzeugt bin, dass ein anderer Anbieter meine Rechte verletzt?
Pachl: Leider fällt es vielen Gründern schwer, dagegen vorzugehen – zunächst einmal müssen sie es bemerken, dann verursacht ein solcher Rechtsstreit Arbeit und im schlimmsten Fall auch Kosten. Wir raten Gründern, das sorgfältig gegeneinander abzuwägen und wenn es ernst wird einen Anwalt hinzuziehen – wenn sie im Recht sind, muss die Gegenseite am Ende dessen Kosten tragen.


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Auf ins Valley, Teil 1: Ich bin dann mal weg http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/24/fabianneuen-1/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/24/fabianneuen-1/#comments Tue, 24 Apr 2012 09:34:17 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2112 Fabian Neuen und Atul Singh bauen ein englischsprachiges Online-Magazin auf, zu dem Experten aus allen Kontinenten beitragen. Kürzlich haben die Gründer ihr Geschäftsmodell im Infografik-Interview im Gründerraum vorgestellt. Etwas später bekamen sie die Zusage vom German Silicon Valley Accelerator, der ihnen den Sprung ins kalifornische Silicon Valley ermöglicht hat. Im Gründerraum berichtet Fabian Neuen von nun an in einer Serie von Gastbeiträgen, wie es ist, im Startup-Mekka ein Unternehmen aufzubauen.

Der German Silicon Valley Accelerator hat Fabian Neuen (links) und Atul Singh (Mitte) und ihr Unternehmen FairObserver ins Mekka der Internetstartups katapultiert. Foto: FairObserver

Auf einmal ging alles ganz schnell. Das Programm German Silicon Valley Accelerator, initiiert vom Bundeswirtschaftsministerium zur Förderung der Gründerkultur, bat die zehn vielversprechendsten Startups zum Pitchen. Und nun gehören wir offiziell zu der ersten Kohorte deutscher Gründer, die im Silicon Valley Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen kann.

Aber der Reihe nach. Wer sind wir denn überhaupt? Zusammen mit einem indischen Freund, Atul, habe ich Fair Observer aus der Taufe gehoben. Dahinter verbirgt sich eine Medienplattform, die für Analyse und Meinungsvielfalt stehen soll.

Wir sehen, dass die Welt globaler wird, aber zugleich beobachten wir auch eine zunehmende fachliche, nationale und ideologische Fragmentierung. Diese Einseitigkeit wird gegenwärtig in der Medienlandschaft nicht aufgehoben. Damit haben aufmerksame Leser keine Chance die verschiedenen Stimmen der Welt wahrzunehmen und sich fundiert ihre eigene Meinung zu bilden.

So weit, so gut. Der aufmerksame Leser versteht unmittelbar: Das Unterfangen könnte kaum größer sein – eine Herkulesaufgabe!

Nicht notwendig zu sagen, dass wir einiges anders machen müssen als bestehende Verlagshäuser (übrigens bewegen wir uns laut The Atlantic in der „fastest shrinking industry“ schlechthin). Nur dann können wir uns in diesem  hartumkämpften Markt positionieren und behaupten… Unter anderem übertragen wir konsequent das Crowdsourcing auf den hochqualitativen Journalismus und setzen auf Analyse, Kontext und Hintergrundsberichte statt News.

Nachdem wir aus München und Washington DC heraus gestartet sind, um von Anfang an den globalen Charakter der Unternehmung widerzuspiegeln, sind wir im Februar mit dem Kernteam nach Sunnyvale, Kalifornien gezogen.

Servus München, hi California: Von nun an sind Fabian Neuen und Athul Singh im "Plug and Play Tech Center" in Sunnyvale im Silicon Valley untegebracht - umgeben von Hunderten anderen Gründern und Investoren. Foto: FairObserver

Platziert im ruhmreichen Plug and Play-Inkubator und eingebettet in ein ambitioniertes deutsch-amerikanisches Mentorenprogramm haben wir nun in den folgenden Monaten die einmalige Chance, Gründerluft im legendären Silicon Valley zu schnuppern. Dass einiges anders sein wird, war klar. Was für Konsequenzen das für uns hat werden wir fortan regelmäßig an dieser Stelle teilen.Seien Sie gespannt! (und melden Sie sich bei Interesse gerne bei unserem Newsletter an :)

Fortsetzung folgt.

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„Nachahmen ist kein schmutziges Geschäft“ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/23/shenkar/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/23/shenkar/#comments Mon, 23 Apr 2012 06:52:46 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2076 Copycat-Debatte: Der US-amerikanische Management-Professor Oded Shenkar erklärt, warum Gründer sich nicht schämen müssen, wenn sie gute Ideen imitieren, adaptieren und importieren

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Herr Shenkar, Warum haben Copycats einen schlechten Ruf?
Shenkar: Sowohl für Unternehmer als auch für viele Wirtschaftswissenschaftler ist Innovation zur Religion geworden. Sie glauben, dass ohne Innovation kein wirtschaftliches Wachstum möglich ist. Wenn du dagegen argumentierst, ist das Blasphemie. Dabei zeigen uns andere Wissenschaften wie die Biologie, wie wichtig Imitation für den Menschen war und ist.

Oded Shenkar ist Professor für Management am Fisher College of Business an der Ohio State University und berät Konzerne und Startups.

Warum sollten Wirtschaftswissenschaftler diese Perspektive übernehmen?
Shenkar: Weil Imitationen ebenso für Wachstum und Wohlstand sorgen wie Innovationen. Die chinesische Wirtschaft etwa wächst auch deshalb so schnell, weil China der größte Imitator der Welt ist.

Häufig werden aber auch Schutzrechte verletzt, wenn Produkte und Ideen kopiert werden. Kein Problem?
Shenkar: Piraterie ist einer der Gründe, warum Copycats so einen schlechten Ruf haben. Natürlich muss es Gesetze geben, die das verhindern, damit innovative Unternehmen nicht um ihren Lohn betrogen werden. Aber viele Geschäftsmodelle und Ideen lassen sich nicht oder nur eine begrenzte Zeit lang schützen und das ist durchaus sinnvoll.

Sollten Gründer dann lieber Ideen imitieren statt selbst neue Produkte oder Geschäftsmodelle zu erfinden?
Shenkar: Nein. Aber es ist genauso falsch, Unternehmertum ausschließlich mit Innovation gleichzusetzen. Die Mehrzahl der Startups imitiert, adaptiert oder importiert funktionierende Geschäftsideen. Solange sie damit nicht gegen Gesetze verstoßen ist daran auch nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Sie schaffen Arbeitsplätze und haben es oft leichter, an Geld von Risikokapitalgebern zu kommen, weil sich ihr Vorhaben anderswo schon bewährt hat.

Mach’s nach!


Copycats, die Geschäftsideen erfolgreich nachahmen, spalten die deutsche Gründerszene – dabei ist es sinnvoll, gute Ideen zu imitieren, sofern man damit keine Rechte verletzt. Auch den Vorbildern selbst kann es helfen, wenn sie kopiert werden. Mehr dazu in der WirtschaftsWoche vom 16. April 2012 (Heft 16) oder hier online.

Entsteht nicht ein Teufelskreis, wenn Geldgeber lieber Nachahmer finanzieren, die später selbst zu Geldgebern für andere Nachahmer werden?
Shenkar: Nein. Auch wenn Statistiken zeigen, dass die Rendite von Innovationen schrumpft, wird es weiterhin Innovation geben – wer neue Ideen entwickelt, hat einen Vorsprung, den er dann allerdings auch nutzen muss. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Innovation und Imitation zusammen gehören. Erfolgreiche Unternehmen tun beides, ich nennen sie Imovatoren.

Diese These vertreten Sie auch in Ihrem Buch. Wie hat sie die Rache der Innovationsjünger getroffen?
Shenkar: Sie haben mich zum Glück nicht gesteinigt, sondern schlimmstenfalls ignoriert. Aber das Buch wurde prompt in mehrere Sprachen übersetzt und hat zum Beispiel in China heftige Diskussionen ausgelöst.

In Ihrem Buch sprechen Sie sich für einen Preis aus, mit dem der Nachahmer des Jahres geehrt werden sollte. Wen würden Sie damit auszeichnen?
Shenkar: Apple. Das Unternehmen gilt zwar als sehr innovativ, aber es imitiert auch ständig. Apple hat weder den PC, noch den iPod erfunden, sondern existierende Produkte gut imitiert. Wenn Apple versucht hätte, das alles selbst zu erfinden, wäre das so teuer gewesen, dass das Unternehmen nie so erfolgreich geworden wäre. Ich finde, Apple sollte dafür geehrt werden – denn nachahmen ist kein schmutziges Geschäft.

Buchtipp:
Oded Shenkar: Copycats. Gut kopiert ist besser als teuer erfunden, Redline Verlag, 200 Seiten, 24.99 Euro




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„Die meisten Gründer imitieren fremde Ideen“ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/18/nicolai/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/04/18/nicolai/#comments Wed, 18 Apr 2012 06:05:21 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2062 Neue Erkenntnisse zur Copycat-Debatte: Der Oldenburger Entrepreneurship-Professor Professor Alexander Nicolai untersucht mit seinem Team, wie sich Geschäftsmodelle rund um den Globus verbreiten. Dabei hat er festgestellt, dass viele der vermeintlichen Vorreiter gar nicht die Pioniere auf ihrem Gebiet waren

Alexander Nicolai ist Professor für Entrepreneurship an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Mit der Doktorandin Jantje Halberstadt hat er in einer Studie untersucht, wie sich Geschäftsmodelle rund um den Globus verbreiten.

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Gründerraum: Herr Nicolai, warum interessieren Sie sich so sehr für Unternehmen, die die Gründerszene abfällig als Copycats und Klone bezeichnet?
Nicolai: Die meisten Gründer imitieren fremde Ideen. Selbst die am stärksten wachsenden und erfolgreichsten Startups adaptieren oder kopieren Geschäftsideen. Dennoch hat sich die wirtschaftswissenschaftliche Forschung bisher kaum für das Thema Imitation interessiert, sondern vor allem für Innovationen.

Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?
Nicolai: Innovation hat einen guten Ruf. Das geht soweit, dass viele Menschen wie selbstverständlich annehmen, dass der erfolgreichste Anbieter einer Technologie auch derjenige war, der sie erfunden hat. Die Öffentlichkeit setzt Erfolg mit Innovation gleich. Dabei gehen Imitation und Innovation stets Hand in Hand und bedingen einander gegenseitig. Nachahmer werden gewaltig unterschätzt.


Mach’s nach!


Copycats, die Geschäftsideen erfolgreich nachahmen, spalten die deutsche Gründerszene – dabei ist es sinnvoll, gute Ideen zu imitieren, sofern man damit keine Rechte verletzt. Auch den Vorbildern selbst kann es helfen, wenn sie kopiert werden. Mehr dazu in der aktuellen WirtschaftsWoche vom 16. April 2012 (Heft 16).

Zurzeit erforschen Sie, wie Geschäftsmodelle sich über den Globus verbreiten. Wie können Sie das nachvollziehen?
Nicolai: Wir machen uns zunutze, dass sich im Internet sehr leicht überprüfen lässt, welche Unternehmen wann und wo erstmals aktiv geworden sind und welche heute die meisten Nutzer haben. Gemeinsam mit meiner Doktorandin Jantje Halberstadt und einem Team von Muttersprachlern können wir so rekonstruieren, wie sich Geschäftsmodelle über 28 Länder ausgebreitet haben, die zusammen 70 Prozent aller Internetnutzer vereinigen.

Welches Ergebnis hat Sie besonders überrascht?
Nicolai: Dass die USA entgegen des gängigen Klischees nicht das Mutterland der Pioniere sind. Das erste Soziale Studentennetzwerk etwa hieß nicht Facebook, lange davor entstand das Netzwerk 5460 in China. Die erste Video-Plattform hieß nicht Youtube, zuvor erblickte Metacafe in Israel das Licht der Welt. Und der Vorreiter der Businessnetzwerke LinkedIn und XING war Ecademy aus Großbritannien, das vier Jahre früher gegründet wurde.

Aber keiner dieser First Mover spielt heute noch eine große Rolle…
Nicolai: In der Tat sind frühe Nachahmer oft erfolgreicher als ihre Vorbilder. Das gilt vor allem dann, wenn sie ein im Ausland bestehendes Geschäftsmodell nachahmen, aber auf ihrem Heimatmarkt der Pionier sind – so wie die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer es regelmäßig tun. Das zeigt: Es ist nicht unbedingt Erfolg versprechend der erste Anbieter überhaupt zu sein, wohl aber der erste Nachahmer auf einem neuen Markt.

Wie erklären Sie sich das?
Nicolai: Die ersten nationalen Pioniere sparen sich das Geld für die teure Suche nach einer Geschäftsidee und vermeiden so Sackgassen, zudem können sie leichter Investoren überzeugen. Dennoch betreten sie einen jungfräulichen Markt, auf dem sie für einen Augenblick der einzige Anbieter sein können. Diese kurze Zeit reicht dann oft, um sich einen entscheidenden Vorsprung vor weiteren Nachahmern zu erarbeiten. Anders gesagt: Nationalen First Movern wie den Samwers gelingt es, die Vorteile des Pioniers mit den Vorteilen des Nachahmers zu kombinieren.

Gilt all das nur für Geschäftsmodelle im Internet?
Nicolai: Nein, dort ist es nur besonders auffällig. Für eine andere Studie haben wie beispielsweise untersucht, wie sich die Geschäftsidee der Stadtstrände verbreitet hat – künstliche Strände, die Unternehmer in Städten anlegen und bewirtschaften. Der erste dieser Strände entstand 1996 in einer Kleinstadt bei Paris. Vier Jahre später imitierte ein Unternehmen die Idee in Paris, kurz darauf explodierte die Zahl der Stadtstrände in Europa, dann eroberte die Idee auch die deutschen Großstädte. Das Ganze funktionierte ähnlich wie die Verbreitung von Videoportalen oder sozialen Netzwerken rund um den Globus – nur hat sich über die Stadtstrandklone noch nie irgendjemand aufgeregt.

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“Moderner als vermutet” http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/03/26/studien/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/03/26/studien/#comments Mon, 26 Mar 2012 07:43:24 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2047 Zwei neue Studien zeigen, mit welchen Gründungsvorhaben sich Migranten selbstständig machen und vor welchen Schwierigkeiten sie dabei stehen.

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Kürzlich habe ich in der WirtschaftsWoche darüber geschrieben, warum Migranten eine wichtige Rolle für die Gründerszene in Deutschland spielen. Hintergrund ist, dass Migranten eine deutlich höhere Gründungsneigung haben als Nicht-Migranten, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes und eine Reihe anderer Untersuchungen belegen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt außerdem, dass Gründer mit Migrationshintergrund nicht weniger innovativ sind als Gründer ohne. Das passt nicht zu dem gängigen Klischee, wonach Migranten vor allem Obstläden oder Imbissbuden eröffnen. Dennoch – oder vielleicht deswegen – löste der Artikel mit dem Titel „Innovation statt Imbissbude“ online heftige Diskussionen aus.

Auch für Forscher ist das Thema interessant. Jetzt sind zwei neue Studien erschienen, die sich ebenfalls mit Gründungen von Migranten beschäftigen. Sie stammen von zwei Instituten, die zwar ähnlich heißen, aber voneinander unabhängig sind.

Finanzierungsprobleme als Eintrittshürde

Die eine Studie hat dieser Tage das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) veröffentlicht. Sie beschäftigt sich der Frage, vor welchen Schwierigkeiten Migranten stehen, wenn sie gründen wollen. Dazu haben die Forscher die Angaben von rund 1000 gründungsinteressierten Besuchern von Gründermessen ausgewertet, die mehrfach für das Gründerpanel des IfM befragt wurden. Hier einige Aussagen der Studie (PDF):

Laut der Studie wollen sich Gründer mit Migrationshintergrund und solche ohne im Großen und Ganzen mit relativ ähnlichen Vorhaben selbstständig machen: „Die geplanten Gründungsvorhaben von Migranten und nicht Zugewanderten unterscheiden sich ebenso wie die gegründeten Unternehmen nur geringfügig.“ Der Studie zufolge haben Gründer mit Migrationshintergrund zum Beispiel einen etwas höheren Mittelbedarf.

Gründer mit Migrationshintergrund haben laut der Studie „häufiger als nicht Zugewanderte Probleme im Finanzierungsbereich“. Zum einen fehlen ihnen oft die finanziellen Reserven, um ein Unternehmen aufzubauen. Zum anderen nehmen sie in der Vorgründungsphase seltener Fördermittel in Anspruch und erhalten seltener einen Kredit von ihrer Geschäftsbank als Gründer ohne Migrationshintergrund. „Finanzierungsprobleme verhindern oder verzögern die Gründungsumsetzung von Migranten und stellen damit eine wesentliche Eintrittshürde dar“, schreiben die Autoren. Warum das so ist, bleibt allerdings unklar. Interessant: „Ist die Gründung einmal vollzogen, sind Migranten jedoch kaum stärker mit Finanzierungsproblemen konfrontiert als nicht Zugewanderte.“

Im Handwerk und in den Freien Berufen fällt es Migranten oft schwerer, ein Unternehmen zu gründen, wenn sie die nötigen Abschlüsse nicht in Deutschland erworben haben, sondern sie hier erst in einem aufwändigen Verfahren anerkennen lassen müssen. Das kostet Zeit und Nerven – und kann laut der Studie dazu führen, dass „Migranten häufiger als nicht Zugewanderte niedrigschwellige Unternehmensgründungen im Bereich Handel und Gastgewerbe (anstreben), obwohl sie im Durchschnitt eine bessere Humankapitalausstattung mitbringen als die nicht Zugewanderten.“ Abhilfe könnte hier das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ schaffen, das Anfang April in Kraft tritt.

“Integration und Erfolg gehen parallel”

Fast zeitgleich hat das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim eine Studie veröffentlicht, für die ein siebenköpfiges Forscherteam das Gründergeschehen in Baden-Württemberg detailliert ausgewertet hat.

Die Studie attestiert den gründenden Migranten ein „großes wirtschaftliches Potenzial“. Sie zeigt auch, dass die sektorale Struktur ihrer Startups heute „wesentlich breiter und auch moderner (ist) als vielfach vermutet: Insgesamt finden sich nur 29 Prozent aller Migrantenunternehmen im Gastgewerbe und Handel, und dies mit abnehmender Tendenz. Rund 17 Prozent sind dem Produzierenden Gewerbe und weitere 18 Prozent den wirtschaftsnahen Dienstleistungen zuzuordnen.“ Eine weitere wichtige Aussage der Studie: „Gesellschaftliche Integration und unternehmerischer Erfolg gehen parallel.“

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Gutes von nebenan http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/02/01/gutes-von-nebenan/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/02/01/gutes-von-nebenan/#comments Wed, 01 Feb 2012 09:04:53 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=2019 Liebe Leser der Gründerraums,

es gibt ein Wort, das zurzeit ziemlich beliebt ist und das ich eigentlich gar nicht mag, aus Gründen. Aber hier würde es, ausnahmsweise, passen: Lesebefehl.

Nebenan hat Sebastian Matthes vor kurzem ein neues Blog eröffnet. Sebastian Matthes hat vor einigen Jahren den Gründerraum erfunden, bevor er 2008 Leiter des Ressorts Technik und Wissen bei der WirtschaftsWoche wurde. In seinem neuen Blog geht es darum, wie das Internet die Medienwelt, die Politik und das Leben verändert; es heißt „Ungedruckt“.

YAY! Quelle: Mike Licht auf Flickr, CC-Lizenz (flickr.com/notionscapital)

Der Name passt nicht nur zum Thema, sondern er erinnert mich ans Wort „unerhört“ – und was Sebastian Matthes dort schreibt, mag dem ein oder anderen auch ziemlich unerhört erscheinen. Wenn er zum Beispiel den Hate-Cycle beschreibt, in dem die deutsche Öffentlichkeit gerne über Innovationen herfällt. Wenn er den renommierten Journalismus-Professor Jeff Jarvis aus den USA in einem Video erklären lässt, dass die Deutschen ein ziemlich merkwürdiges Verhältnis zu Datenschutz haben. Oder wenn er die Internetfeindlichkeit eines Verfassungsrichters kritisiert.

Unerhört, oder? Nun, ich finde das gut. Erstens.

Zweitens: Wer den Gründerraum gelegentlich verfolgt, der hat es womöglich gemerkt, ich mag Infografiken. Wenn sie gut gemacht sind, verraten sie mehr als schlichter Text und bloße Zahlen. In seinem Blog stellt Sebastian Matthes Woche für Woche eine aktuelle Infografik vor. Sehenswerte Infografiken, die ziemlich gut zeigen, wie sich die Medienwelt wandelt:

Wie Online Print überholt,
wie das Ipad unser Verhalten verändert,
wie das Iphone, einst als Nerd-Produkt verschrien, zum Kassenschlager wurde,
wann wir welche Informationen via Social Media teilen.

All das finde ich ziemlich interessant und gelungen. Insofern ein Mal, ein einziges Mal: Lesebefehl!

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Rocket Internet: Ende oder Neuanfang? http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/01/18/rocketinternet/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/01/18/rocketinternet/#comments Wed, 18 Jan 2012 15:15:19 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=1997 Der Inkubator Rocket Internet der drei Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Startup-Brütern Europas. Ausgerechnet eine Gruppe von wichtigen Mitarbeitern macht dem Trio nun mit einer eigenen Startup-Fabrik Konkurrenz. Das dürfte die Samwers zwar ärgern, nicht aber ihren Erfolg gefährden.

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Oliver Samwer weiß ganz genau, wie wichtig ein gutes Team ist. Ende vergangenen Jahres veröffentlichte das US-Magazin TechCrunch eine E-Mail des Internet-Investors und Web-Millionärs, in der er einige seiner Manager aufforderte, mithilfe einer „Blitzkrieg-Strategie“ neue Märkte zu erobern und ihre Pläne „mit Blut zu unterschreiben.“ Eine Wortwahl, für die er sich später entschuldigte – zumindest bei der Öffentlichkeit. „Was ihr braucht, aber nicht habt“, schrieb er seinen Managern darin auch, „sind mehr Top-Leute“. Und: „Findet junge, aggressive, clevere Talente.“

Ausgerechnet die besten Talente gingen Oliver Samwer und seinen Brüdern Alexander und Marc kurz darauf von der Fahne: Ende vergangenen Jahres verließen etwa 20 Top-Mitarbeiter Samwers Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet, die dafür bekannt geworden ist, erfolgreiche Geschäftsmodelle aus den USA blitzschnell zu klonen, groß zu machen und zu verkaufen. Unter den Abtrünnigen ist zum Beispiel Christian Weiss, Mitgründer von Rocket Internet.

Damit nicht genug. Nun machen die ehemaligen Samwerkrieger dem Trio auch noch Konkurrenz und gründen ein eigenes Schlachtschiff: Den Inkubator „The Oryx Project“; das Startkapital in Millionenhöhe kommt vom Versandriesen Otto. Von einem „großen Drama“ ist in den Medien die Rede, von einem kritischen Umbruch bei Rocket Internet. Also der Anfang vom Ende des Samwer-Imperiums?

Nein. Denn Oliver Samwer wäre nicht Oliver Samwer, wenn ihn das wirklich aus der Bahn werfen würde.

Erstens haben immer mal wieder wichtige Partner und Mitarbeiter den Brüdern die Zusammenarbeit aufgekündigt; schon als die drei zur Jahrtausendwende noch den Klingeltonanbieter Jamba aufbauten verließ einer der Mitgründer „aus persönlichen Gründen“ das Unternehmen und baute lieber eigene Firmen auf. Nur ein Beispiel.

Zweitens hat sich Samwer – nach eigenen Worten der “aggressivste Typ im Internet auf dem Planeten” – bisher offenbar kaum für seinen Ruf bei ehemaligen Partnern und den eigenen Mitarbeitern interessiert; jedenfalls weniger als für erfolgreiche Exits sowie Umsatz- und Verkaufszahlen. Das wissen auch andere Wagnisfinanzierer, die gerne mit viel Geld einsteigen, wenn die Samwers ein neues Schiff zu Wasser lassen. Auch ihnen geht es nicht in erster Linie um Harmonie, sondern um den Ertrag ihrer Investments.

Damit der Ertrag stimmt braucht Rocket natürlich Talente. Aber die wird die Startupfabrik auch weiterhin kriegen. Denn drittens haben die Samwer-Brüder dazu beigetragen, dass sich heute immer mehr junge Hochschul-Absolventen dafür interessieren, ihr eigenes Internet-Unternehmen aufzubauen. Auch wenn Oliver Samwer sich in den vergangenen Jahren Interviews zumeist verweigert hat: Auf Veranstaltungen wie dem IdeaLab an seiner früheren Uni, der WHU, war er immer wieder zu Gast. Kürzlich wählte ihn eine 31-köpfige Jury sogar zum “Gründer des Jahrzehnts“. Vielen Nachwuchs-Entrepreneuren dürften die Brüder also trotz aller Kritik auch weiterhin als Vorbilder und Rollenmodelle gelten.

Bei Rocket anzuheuern bleibt also erstrebenswert, auch wenn es offensichtlich wehtun kann, dort auf Dauer zu arbeiten. Aber es lohnt sich. Auch das zeigt der Abgang der Top-Manager: Wer mit den Samwers zusammengearbeitet und sich bei Rocket einen Namen gemacht hat, kann danach durchaus ein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen. Oder eben einen Inkubator wie Oryx, der die boomende Gründermetropole Berlin eher bereichern als den Erfolg der Samwers gefährden dürfte.

Wer jetzt also den Anfang vom Ende der Samwers heraufbeschwört, irrt. Dass es angesichts von Kündigungswelle und Kritik zu einem Neuanfang im Umgang mit Managern und Mitarbeitern im Hause Rocket kommt ist aber genauso unwahrscheinlich.

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Groupon nach dem Urknall http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/01/12/leybold/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2012/01/12/leybold/#comments Thu, 12 Jan 2012 09:53:12 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=1952 Im November ging das Rabattgutschein-Portal Groupon mit viel Lärm an die Börse, nur die ersten Investoren mussten lange schweigen. Der Risikokapitalgeber eVenture ist einer von ihnen – im Interview erklärt eVenture-Partner Christian Leybold, wie Groupon sein Geschäftsmodell ausweiten sollte, welchen Anteil die Samwer-Brüder am Erfolg haben, und ob eine neue Spekulationsblase rund um Internet-Aktien zu befürchten ist.

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Es war der größte Börsengang seit Googles IPO: Als das US-amerikanische Gutscheinportal Groupon am 4. November an die Börse ging spülte das rund 700 Millionen Dollar in die Kassen des jungen Unternehmens. Auch vor einem Fernseher in Hamburg knallten beim Handelstart die Korken: Mit einem Glas Schampus feierten die Partner von eVenture Capital Partners Groupons Gang aufs Parkett.

Mit gutem Grund: Der Risikokapitalgeber hatte 2010 einen einstelligen Millionenbetrag in den deutschen Groupon-Klon Citydeal investiert, bevor der im Mai von seinem Vorbild aufgekauft wurde. Einige Anteile verkaufte es später und strich damit einen satten Gewinn ein. Heute hält eVenture noch etwa ein Prozent an Groupon. Bei einem aktuellen Firmenwert von rund zwölf Milliarden Dollar entspricht das 120 Millionen Dollar – einem Vielfachen des ursprünglichen Investments.

Bis vor wenigen Wochen galt für Investoren wie eVenture eine Schweigepflicht, die sogenannte “Quiet Period“. Diese Schutzregelung soll bewirken, dass Insider die Kurse unmittelbar nach dem Börsengang nicht künstlich hochtreiben. Erst seit Kurzem dürfen die Investoren über den Groupon-Börsengang sprechen. Im Interview erklärt Christian Leybold von eVenture, warum er Groupon noch viel zutraut, weshalb er nicht an eine neue Dotcom-Blase glaubt und was er von der Copycat-Debatte hält.

Christian Leybold

ist seit 2003 Partner beim Risikokapitalgeber BV Capital / eVenture Capital Partners, der als einer erfolgreichsten europäischen Wagnisfinanzierer gilt. Leybold kümmert sich besonders um Investments in Internet-, Medien- und Software-Startups. Bevor er bei eVenture einstieg studierte Leybold Electrical Engineering in den USA und arbeitete als Technologieexperte für Konzerne wie Daimler Chrysler.

“Groupon wird sein Geschäft differenzieren”

Der Aktienkurs von Groupon ist nach dem IPO deutlich angestiegen, dann aber ziemlich eingebrochen. Jetzt pendelt er knapp unterhalb des Emissionspreises von 20 Dollar. Haben Sie bei eVenture schon erwogen, sich von Ihren Groupon-Anteilen zu trennen?
Christian Leybold: Nein. Erstens dürfen wir das nicht, da wir Insider eine Sperrfrist beachten müssen. Zweitens sind an den Kursschwankungen sicher auch makroökonomische Faktoren schuld: Die Eurokrise und die amerikanische Schuldenkrise wirken sich auch auf Groupon aus. Drittens: Groupon hat eine Menge Potenzial, auch wenn das Unternehmen zuletzt viel Häme einstecken musste.

Was meinen Sie damit?
Groupon wurde extrem hoch geschrieben, hat also auch eine große Fallhöhe…

…zumal es sein Wachstum bisher nur erzielen konnte, indem es viel Geld ausgab und hohe Verluste erwirtschaftete.
Solche Analysen bewerten nur das bestehende Geschäftsmodell, aber nicht das Potenzial, das in Groupon steckt. Das vermisse ich in der aktuellen Diskussion. Denn natürlich entwickelt sich die Plattform weiter.

Also trägt das aktuelle Geschäftsmodell alleine langfristig nicht?
Im Gegenteil. Das aktuelle Geschäftsmodell ist nicht überbewertet, aber die Möglichkeiten, die in Groupon stecken, haben viele noch nicht erkannt. Das Geschäft mit den Gutscheinen war sozusagen der Urknall, jetzt muss sich das Geschäft differenzieren, um sich weiter ausbreiten zu können.

Kritiker sehen die Möglichkeiten eher schwinden. Worin liegen aus Ihrer Sicht die Chancen?
Groupon profitiert davon, dass es auf beiden Seiten eine kritische Masse hat: Sowohl eine große Zahl von Händlern, als auch eine große Zahl von Konsumenten. Das hat Groupon vielen anderen großen Internetfirmen voraus. Außerdem hat es das Unternehmen wie kein anderes geschafft, den lokalen Handel, der sonst außerhalb des Netzes stattfindet, ins Netz zu ziehen. Auf diesem Fundament kann noch unheimlich viel entstehen.

Was erwarten Sie konkret?
Ich gehe davon aus, dass neue Produkte wie zuletzt „Groupon Rewards“ ausgerollt werden. Damit kann jeder Händler, egal welcher Größe, sofort ein Kundenbindungsprogramm anbieten. Es wird einen ganze Reihe solcher Angebote geben, die lokalen Händlern innovative Vermarktungsmaßnahmen erlauben oder den Konsumenten neue Wege eröffnen, günstige Angebote zu finden wie neuerdings zum Beispiel im Reisebereich. Und zuletzt wird es spannende Partnerschaften geben, die Groupon noch bekannter machen, man denke nur an die aktuelle Ankündigung, mit der Telekom und T-Mobile zusammenzuarbeiten.

Ist es also ein guter Zeitpunkt, jetzt Groupon-Aktien zu kaufen?
Wie gesagt: Wie die Aktie sich entwickelt hängt aktuell auch von makroökonomischen Faktoren ab. Wer langfristig orientiert ist, sollte sich nicht zu stark von der Kritik lenken lassen.

“Nur in Deutschland zu investieren ist wenig spannend”

Mit eVenture sind Sie vor nicht einmal zwei Jahren mit einem einstelligen Millionenbetrag bei Citydeal eingestiegen – inzwischen hat sich der Wert Ihrer Anteile mehr als verfünfzigfacht. Ist Ihnen solch ein Coup schon einmal vorher gelungen?
Es ist beeindruckend zu sehen, wie ein Unternehmen, in das man so früh investiert, so schnell wächst und an die Börse geht. Aber solche Investments sind sehr selten. Wir steigen immer unter der Annahme ein, dass wir die Hälfte unserer Investments abschreiben müssen. Eine ähnliche Vervielfachung wie bei Citydeal haben wir mit anderen Beteiligungen zwar auch schon erzielt, aber normalerweise erfordert eine solche Entwicklung deutlich mehr Zeit. Groupon war da ein außergewöhnlich schneller Erfolg.

Zumal Sie vom Gutscheinboom rund um Groupon gleich mehrfach profitieren konnten…
Stimmt, in Japan haben wir mit einem unserem Partner-Fonds in eine Firma investiert, die auch an Groupon ging. Und wir waren an Darberry beteiligt, einem russischem Couponing-Anbieter, den Groupon im Jahr 2010 ebenfalls gekauft hat. Wir sind überzeugt, dass in dieser globalen Investitionsmethode die Zukunft liegt – nur in Deutschland zu investieren ist weit weniger spannend.

“Man muss den Samwers Respekt zollen”

Von den Samwer-Brüdern heißt es, sie regierten bei Groupon mit „eiserner Faust“. Konnten Sie als einstige Citydeal-Investoren das auch beobachten?
Zugegeben, Citydeal ist rasant gewachsen bevor es an Groupon verkauft wurde und auf der menschlichen Ebene ist manches vielleicht nicht so gut gelaufen. Aber wenn man sich das Ergebnis anschaut und sieht, dass Groupon schon heute beim Börsengang über 50 Prozent seines Umsatzes außerhalb der USA erzielte, dann muss man den Samwers Respekt zollen.

Kurz nach Groupon wagte auch Onlinespiele-Hersteller Zynga den Börsengang – sein Kurs ist seitdem um rund 20 Prozent eingebrochen. Gibt es möglicherweise eine Spekulationsblase wie im Jahr 2000?
Der Vergleich hinkt: Im Jahr 2000 sind reihenweise Unternehmen an die Börse gegangen, die weder Geschäftsmodell noch Umsätze vorweisen konnten. Als die Dotcom-Bubble platzte, verloren ihre Aktien zu Recht rasant an Wert, viele gingen Pleite. Das ist jetzt anders. Die Bewertungen, die Groupon und Co. an der Börse erzielen, sind zwar hoch, aber dahinter stecken weder wahnsinnige Manager noch leichtsinnige Anleger, sondern solide Geschäftsmodelle und realistische Erwartungen.

“Facebook-Aktien könnten ein guter Fang sein”

Auch Facebook plant den Schritt an die Börse. Hat es den besten Zeitpunkt dafür schon verpasst?
Das ist schwer zu sagen, weil keiner weiß, wie die nächsten sechs Monate laufen werden. Insgesamt ist die Stimmung an den Börsen aber doch deutlich eingetrübt, das erzeugt eine psychologische Unterbewertung. Das heißt aber auch: Wer langfristig denkt, kann womöglich einen guten Fang machen, wenn es soweit ist.

In der deutschen Gründerszene wurde kürzlich heftig über einen Aufruf debattiert, in dem sich mehrere Gründer gegen Copycats ausgesprochen haben, also jene Startups, die innovative Geschäftsmodelle nachahmen, anstatt sich selbst welche auszudenken. Sie haben erst in den Groupon-Klon Citydeal investiert, danach auch in die Online-Zimmerbörse 9flats.com, das sehr dem US-Vorbild AirBnB ähnelt. Stört Sie die Copycat-Debatte?
Nein. Zunächst einmal investieren wir auch in Unternehmen, die mit völlig neuen Produkten an den Start gehen – zum Beispiel das russische Startup NGINX, das eine innovative Serversoftware entwickelt. Aber wir haben auch kein Problem damit, in Unternehmen zu investieren, die ein gutes Geschäftsmodell adaptieren und an neue Märkte bringen. Dabei geht es uns nicht darum, ein Unternehmen schnell groß zu machen und wie Citydeal an das US-Vorbild zu verkaufen. Beispiel 9flats: Es wird sicher einige Jahre dauern, bis sich die Gewohnheiten der Menschen geändert haben und die breite Masse solche Online-Zimmervermittlungen als gute Alternative zu teuren Hotels erkennt. Diesen Weg gehen wir natürlich mit.

Im Facebook-Fieber

2012 stehen die Aktienmärkte im Bann eines der größten Börsengänge aller Zeiten: Facebook wagt sich aufs Parkett. Das soziale Netzwerk hat schon jetzt einen neuen Internet-Aktienwahn ausgelöst. Welche Papiere wirklich etwas taugen, was Facebook tatsächlich wert sein könnte, warum Google und Amazon lukrativ sind, erfahren Sie in der aktuellen WirtschaftsWoche.


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Die Welterklärer http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2011/11/07/fairobserver/ http://blog.wiwo.de/gruenderraum/2011/11/07/fairobserver/#comments Mon, 07 Nov 2011 09:27:06 +0000 Jens Tönnesmann http://blog.wiwo.de/gruenderraum/?p=1892 twittern

Von München und Washington D.C. aus bauen Fabian Neuen und Atul Singh ein Unternehmen auf, das mit umfassenden „360-Grad-Analysen“ die Welt erklären und eine Lücke im Mediensystem schließen will. Experten aus allen Kontinenten tragen zu dem Online-Magazin bei. Im Infografik-Interview erklärt Gründer Neuen das Geschäftsmodell.

Immer nachmittags, wenn viele Menschen an den Feierabend denken, setzt sich Fabian Neuen in München Kopfhörer auf und startet das Internettelefonieprogramm Skype. Er trifft sich im Netz mit seinem Mitgründer Atul Singh, der einen Kontinent entfernt in Washington ebenfalls vor einem Bildschirm sitzt. Die Gespräche der beiden sind Redaktionskonferenz, Strategiebesprechung und Finanzplanung zugleich; oft skypen die beiden mehrmals und bis in den Abend.

Neuen und Singh bauen „Fair Observer“ auf, ein globales Startup und zugleich ein neues Medium für politisch interessierte Menschen in aller Welt. Auf der gleichnamigen Internetplattform machen die Gründer Ereignisse und Probleme wie den Arabischen Frühling, die Staatsfrage in Palästina und die Europäische Außen- und Sicherheitspolitik zum Thema.

Fabian Neuen (Foto: Fair Observer)

Das Besondere an Fair Observer: Die Gründer wollen mit „360-Grad-Analysen“ ein umfassendes Bild der Probleme zeichnen und die Themen aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchten. Bestehende Medien seien „ethnozentrisch“, haben Neuen und Singh festgestellt. „Wir wollen den Lesern alle relevanten Meinungen auf dem Silbertablett präsentieren“, sagt Neuen, „damit sie die Welt verstehen.“

Deswegen gibt es keine feste Redaktion, die sich jeden Tag um halb zehn am Redaktionstisch versammeln würde. Die Autoren von „Fair Observer“ sind rund 200 Experten verschiedener Disziplinen aus unterschiedlichen Ländern der Erde, die – zumindest für den Anfang – ohne Honorar für Fair Observer schreiben. Daneben beschäftigen die beiden Gründer bereits drei Vollzeitangestellte und einige Praktikanten, die sie beim Aufbau der Plattform unterstützen.

Auf Investorensuche

Auf die Idee zu Fair Observer kamen Neuen und Singh, nachdem sie sich vor zwei Jahren in einem Entrepreneurship-Kurs an der Wharton Business School der University of Pennsylvania in Philadelphia kennen gelernt hatten. Im März 2010 besuchten sie den „Global Media Summit“ in New York, auf dem sie feststellten, wie gefragt gute Analysen heutzutage sind. Daraufhin entwickelten sie das Konzept von Fair Observer.

Der Start kostete Kraft: Die Gründer nahmen die Bürokratie in Kauf, die zwei parallele Firmengründungen in Deutschland und den USA mit sich bringen, steckten ihre Ersparnisse in das Unternehmen und überzeugten den Bruder von Atul Singh, ebenfalls als Investor einzusteigen. Sie fanden namhafte Beiräte wie den früheren Außenminister Indiens, den ehemaligen Vize-Chef des CIA und den Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Jetzt suchen sie einen Investor, um „Fair Observer“ nach dem Ende der Betaphase auszubauen und bekannter zu machen.

Welche Zukunft das Unternehmen hat, dürfte langfristig nicht nur vom Interesse der Leser, sondern auch davon abhängen, ob es gelingt, die Plattform zu monetarisieren – eine Herausforderung, an der sich viele Medien im Internetzeitalter die Zähne ausbeißen. Neuen und Singh setzen auf drei Geldquellen, wie das Infografik-Interview zeigt: Werbeeinnahmen, Abo-Erlöse aus Kooperationen mit anderen Medien und Projekterlöse.

Fabian Neuen glaubt fest daran, dass das gelingt – er „lebt, atmet und träumt“ nur noch „Fair Observer“. Wer sich mit ihm eine Weile unterhält, merkt wie viel Energie und Enthusiasmus, Internationalität und Idealismus hinter dem Unternehmen stecken. Neuen ist auf mehreren Kontinenten aufgewachsen, hat die halbe Welt bereist, spricht fünf Sprachen, studierte an der renommierten INSEAD und arbeitete als einer der jüngsten Manager bei Siemens, das ihn in die Liste der „Global Top Talents“ aufnahm. Bei seinen Aufenthalten im Ausland hat er gemerkt, wie viele verschiedene Perspektiven es in der Welt gibt und wie wichtig es ist, diese Blickwinkel zu kennen, um die Welt zu verstehen.

Fabian Neuen im Infografik-Interview


Weitere Infografik-Interviews:

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