Infografik-Interview (6): Autos für alle

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In Deutschland gibt es rund 42 Millionen Autos – und viele von ihnen stehen die meiste Zeit an Straßenrändern, auf Firmenparkplätzen und in Parkhäusern herum. Umgekehrt gibt es viele Menschen, die kein Auto haben und auf teure Mietwagen angewiesen sind. Wie wäre es, wenn die Menschen mit Auto ihr Fahrzeug an jene Menschen ohne Auto vermieten könnten, anstatt es ungenutzt herum stehen zu lassen?

Das fragten sich im Sommer 2010 sechs Studenten und Uni-Absolventen und gründeten etwas später in Hamburg das Startup tamyca (“take my car”), nach eigenen Angaben Deutschlands erster Carsharing-Anbieter für Privatpersonen. Ähnlich wie das Sachen-Netzwerk frents setzen die Gründer damit auf einen Trend, den Forscher als “collaborative consumption” bezeichnen. Nebenbei trägt das Unternehmen zum Umweltschutz bei, weil Autos effizienter eingesetzt werden.

Aus Eigenmitteln finanzierten die Gründer das Unternehmen, im November vergangenen Jahres ging die Carsharing-Plattform tamyca.de online. Seitdem können Autobesitzer sich dort kostenlos registrieren, ihr Fahrzeug anbieten und eine individuelle Miete festlegen. Das Geschäftsmodell ist simpel, aber ausgeklügelt: Das Startup zieht für den Autobesitzer die Miete ein berechnet und berechnet zusätzlich pro Tag und Fahrer 7,50 Euro Gebühr, die auch eine temporäre Versicherung abdeckt (siehe Infografik).

Eine geeignete Versicherung anzubieten, ohne die Autobesitzer ihr Auto wohl kaum einem Wildfremden überlassen würden, war eine der schwierigsten Hürden für die Gründer: “Lange sah es düster für tamyca aus, weil es auf dem Markt noch keine passenden Policen gab”, sagt Konrad Erzberger, einer der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. “Wir haben Rechtsanwaltsgutachten eingeholt, mit vielen Anbietern gesprochen und konnten nach einer Durststrecke ein Versicherungsunternehmen überzeugen.”

Von da an zeigte die Spaßkurve des Teams wieder nach oben (siehe Grafik) und stieg mit jedem vermieteten Auto weiter an. Inzwischen werden auf der Plattform laut Erzberger einige hundert Autos angeboten, Ende des Jahres sollen es mehrere tausend sein. Bis dahin wollen die Gründer ihr Team auf 15 Mitarbeiter vergrößern und auch mit der Expansion ins europäische Ausland beginnen.

Um all das zu schaffen, suchen die Gründer zurzeit nach Investoren. Erzberger: “Wir haben schon mehrere Gespräche geführt und sind auch ziemlich optimistisch, bald einen Geldgeber zu finden.”

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(zum Vergrößern bitte anklicken)

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 33, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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Alle Kommentare [2]

  1. Gebt doch mal ein Interview, in dem Ihr erzählt, dass Eure Versicherung nur den Kasko-Schaden abdeckt, Haftpflichtschäden hingegen nicht.