Schokopoker entschieden: Chocri gewinnt Ritter als Teilhaber

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Am Montagabend um kurz nach neun Uhr war es soweit: Shakehands zwischen den beiden Chocri-Gründern Franz Duge und Michael Bruck sowie Alfred Ritter, dem Eigentümer von Ritter Sport. Zwölf Stunden hatten beide Seiten verhandelt, dann war klar: Ritter beteiligt sich mit 33 Prozent an Chocri und investiert dafür einen siebenstelligen Betrag in das junge Unternehmen. Damit endet ein vier Monate währender Verhandlungspoker zwischen dem Berliner Startup und dem Schokoriesen Ritter, der fast 290 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet und damit vermutlich etwa 290 mal soviel wie Chocri.

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Bruck und Duge vor der neuen Chocri-Zentrale

“Wenn man etwas auf die Beine stellen möchte, dann sollte man aufhören darüber nachzudenken und es einfach tun”, lautet das Lebensmotto von Chocri-Gründer Michael Bruck (links im Bild). Und genau so war es: Duge und Bruck stellten im Frühjahr 2008 eine Schokoladentafel mit individuellen Zutaten her. Die kam im Freundeskreis so gut an, dass die beiden im Sommer mit dem Konzept “Schokotafeln nach Wunsch” ein Unternehmen starteten. Einige Monate später produzierten sie bereits im Dreischichtbetrieb, in diesem Frühjahr zogen sie in neue, größere Produktionsräume.

Für Chocri, das seit knapp zwei Jahren mundgerechte Schokotafeln für die Masse anbietet, ist der Deal ein wichtiger Meilenstein: „Mit dem Geld können wir unsere Produktionskapazitäten ausweiten, mehr Marketing betreiben und weitere Mitarbeiter einstellen“, sagt Gründer Franz Duge. Nach dem Notartermin am Dienstag in Stuttgart flogen er und Mitgründer Michael Bruck zurück nach Berlin und feierten den Deal mit dem Chocri-Team. „Das ist schon ein tolles Gefühl“, sagt Duge, „Chocri steigt aus den Startup-Schuhen und wird erwachsen!“

Und zwar in Riesenschritten. Seit der Gründung vor zwei Jahren ist das Startup rasant gewachsen: Chocri vergrößerte immer wieder seine Produktionskapazitäten. Mit rund 20 Mitarbeitern ist das Unternehmen ein besonders erfolgreicher “Mass Customizer” – so heißen Unternehmen, die Produkte nach Maß für die Masse herstellen. Chocri bietet inzwischen vier Schokoladensorten und mehr als 100 verschiedene Zutaten an, die sich beliebig zu individuellen Schokotafeln kombinieren lassen.

Damit trifft Chocri den Zeitgeist und konnte im vergangenen Jahr auch den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb und damit wertvolle Sachleistungen gewinnen. Ein Sieg, der Duge und Bruck nicht nur die Gründung einer GmbH und die Expansion erleichterte, sondern ihnen auch dabei half, den Ritter-Deal einzufädeln. Bei den Verhandlungen holten sich Duge und Bruck Rat bei anderen Jungunternehmern aus den Reihen der Entrepreneus’ Organization, einem Partner des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs.

Und den Kontakt zu Ritter hergestellt hat im Frühjahr Heidrick & Struggles, ein weiterer Wettbewerbs-Partner. Christine Stimpel, Deutschland-Chefin der Personalberatung, freut sich dementsprechend über die Einigung: „Bei der Verbindung von Ritter und Chocri handelt es sich um eine echte Liebeshochzeit“, so Stimpel. Nicht nur „die Verbindung von Produkten und Vertriebswegen“ spiele eine Rolle, sondern auch „die Begeisterung für neue unternehmerische Schritte, die auf beiden Seiten stark ausgeprägt ist“.

Ob es bald auch individualisierbare Ritter-Sport-Tafeln mit Minzblättern, Goji-Beeren oder Dattelstückchen gibt? Oder quadratische Chocri-Tafeln? Das bleibt abzuwarten. Die Chocri-Gründer jedenfalls wollen sich nicht ins Geschäft hereinreden lassen. „Derzeit sind auch keine Kooperationen geplant“, sagt Franz Duge. Derzeit.

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 33, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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Alle Kommentare [3]

  1. Wunderbar, Congratulations zu diesem Deal, der in beider Hinsicht ein gutes Geschäft ist. Ich freue mich auf neue Ideen und besonders auf noch bessere Schokolade :)))).

    Alles Gute und Viel Erfolg an Chocri und Ritter und auf eine gute Zusammenarbeit der beiden erfolgreichen Unternehmen.

    Alexandre

  2. Ein sehr guter Deal, der zeigt, dass sich augenscheinlich “nicht skalierbare Ideen” – wie es bei VC-gebern oft heißt – doch zu erfolgreichen Unternehmen entwickeln können. Die Chocri-jungs (und Mädels) haben viel richtig gemacht. Insbesondere die von vornherein miteingebauten Spendenaktionen finde ich sehr gut und lobenswert. Hoffentlich geht dieser Character durch die Beteiligung nicht verloren.