Buchtipp: Wegweiser für Einzelkämpfer

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Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man als Freiberufler starten will?
Sie sollten ehrlich zu sich selbst sein und prüfen, zu welcher Art von freiberuflicher Tätigkeit Sie nervlich fähig sind. Viele können sich eine Freiberuflichkeit nur als freie – also angestelltenähnliche – Mitarbeit vorstellen. Andere halten es auch aus, jeden Auftrag neu akquirieren zu müssen und sehr unregelmäßige Geldeingänge zu haben. Das erfordert mehr Geduld, Stressresistenz und Frustrationstoleranz.

Wer Familie hat, sollte sich also nicht für die Selbstständigkeit entscheiden?
Nein, das lässt sich so pauschal nicht sagen. Wenn sich der Partner oder die Familie vernachlässigt fühlen und kein Verständnis für gelegentliche Spät- und Nachtschichten haben, raubt das Kraft. Stehen die engsten Bezugspersonen dagegen hinter einem oder helfen sogar ab und zu mit, gibt das innere Sicherheit und stärkt das Leistungsvermögen. Wer die Familie hinter sich weiß, steht auch Krisen souveräner durch. Das alles sollte man aber mit dem Partner besprechen, bevor man sich für die Freiberuflichkeit entscheidet.

BuchcoverMassow

Martin Massow

ist Autor des Freiberufler-Atlas, der im Februar in aktualisierter Auflage im Ullstein-Verlag erschienen ist (475 Seiten, 12.95 Euro). Das Buch beantwortet Fragen rund um den Einstieg in freiberufliche und freiberuflichähnliche gewerbliche Tätigkeiten als Einzelkämpfer.

Wo lauern die größten Fallen für angehende Freiberufler?
Große Fallen stecken häufig in den kleinen, eigentlich selbstverständlichen Dingen. Sie werden in der Gründungseuphorie häufig übersehen. Nehmen Sie an, Sie beginnen einfach als Coach zu arbeiten und melden kein Gewerbe an, da Sie glauben, als echter Freiberufler erst im Folgejahr eine Einkommensteuererklärung abgeben zu müssen. Da die Coachtätigkeit als gewerbliche Freiberuflichkeit eine Gewerbeausübung darstellt, würden Sie ungewollt „schwarz arbeiten“ und sich unnötige Probleme einhandeln. Solche Fragen sollte man rechtzeitig klären – auch wenn das am Anfang etwas Zeit kostet.

Wann sollten Freiberufler anfangen, auf Kundenfang gehen?
Die Marktpotenziale sollte man schon möglichst früh ausloten. Die schönste Geschäftsidee nützt letztlich wenig, wenn es kaum Abnehmer für meine Dienste gibt. Ein Beispiel: Es reicht nicht, sich zum Einrichtungsberater berufen zu fühlen, wenn die Region, in der ich lebe, strukturschwach und überaltert ist. In einem Fall wie diesem sollte man seine Pläne anpassen und zum Beispiel überlegen, ob man seine Kunden lieber bei der altersgerechten Wohnungsumgestaltung und der Suche nach Fördermitteln berät.

Wie sollten Freiberufler mit Konkurrenten umgehen?
Machen Sie sich möglichst früh schlau, mit welchen Konkurrenten Sie es zu tun haben. Nur wenn Sie deren Stärken und Schwächen kennen, können Sie sich von ihnen abheben. Am erfolgreichsten sind Sie als Freiberufler, wenn Sie eine  Nische für sich finden. Sie sollten sich überlegen, ob Sie sich mit einer leichten Veränderung Ihres Produkts oder zusätzlichem Know-How diese Nische oder einen Vorsprung verschaffen können.

Ist es sinnvoll, seine Leistungen zu Anfang günstiger anzubieten, um schneller die ersten Kunden zu finden?
Freiberufler sollten ihre Auftragschancen natürlich nicht mit Mondpreisen im Keim ersticken, aber sie sollten sich auch nicht allzu billig verkaufen. Wenn Sie Ihre Leistungen am Anfang zu günstig anbieten, besteht die Gefahr, dass sich Ihre Auftraggeber daran gewöhnen. Das ist fatal, denn wer allein von seinen freiberuflichen Einnahmen leben können muss, muss damit nach einer Durststrecke in der Anfangsphase permanent sämtliche Lebenshaltungs-, Sozialversicherungs- und Betriebskosten abdecken.

Woher bekommen Einzelkämpfer Geld, um Räume und Ausstattung zu finanzieren?
Zunächst sollte man seinen Finanzbedarf für mindestens ein Jahr hochrechnen. Damit der Einstieg leichter fällt, sollte man versuchen, die Freiberuflichkeit möglichst parallel zu einer Festanstellung, während des BaföG-Bezugs oder aus der Arbeitslosigkeit (ALG I bzw. ALG II) heraus zu starten, oder durch einen Nebenjob sponsern. Wer Arbeitslosengeld I erhält, sollte spätestens 91 Tage vor dem Ablauf des Anspruchs einen Antrag auf Gründungszuschuss stellen. Damit ist zunächst das Einkommen für neun Monate gesichert. Honorareinkünfte werden zudem nicht auf den Gründungszuschuss angerechnet.

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Über Jens Tönnesmann

Jens Tönnesmann, 36, ist freier Journalist. Seit 2008 berichtet er als Gründerreporter für die WirtschaftsWoche über junge Unternehmen und Trends in der Gründerszene und koordiniert den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb. Außerdem lehrt er an der Kölner Journalistenschule, an der er das journalistische Handwerk selbst gelernt hat. Parallel zur journalistischen Ausbildung hat er Volkswirtschaftslehre und Politik in Köln und Vancouver studiert. An der University of British Columbia belegte er einen Entrepreneurship-Kurs, der mit einem Businessplanwettbewerb endete. Seitdem weiß er, wie schwierig es ist, eine tragende Geschäftsidee zu entwickeln, und wie leicht die Arbeit fällt, wenn man die zündende Idee gefunden hat und für sie brennt.

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