Am 17. Dezember durfte sich ein gewisser Thomas Volkmer in der größten überregionalen Qualitätszeitung Deutschlands ausgiebig als ein vermeintliches Rufmord-Opfer bezeichnen das, nach eigenen schlechten Erfahrungen, eine Internetseite gegründet hat, um anderen Rufmordopfern zu helfen.
Klingt alles schön und gut.
Doch der von der Süddeutschen als „Samariter“ gehuldigte Volkmer steht in mehr oder weniger enger Verbindung zu einem Netz von Adressbuch-Abzockern, die Jahr für Jahr mit irreführenden Formularen weltweit Hunderte von Millionen Euro abkassiert haben – von Ich AGs, Kleinunternehmern und Selbständigen.
Soviel zum Samariter Volkmer.
Das Geschäft dieser Adressbuch-Abzocker basiert meistens auf folgendem Trick: Sie verschicken ein Formular, das ähnlich aussieht wie der Korrekturabzug eines seriösen Adressbuchformulars, zum Beispiel der Gelben Seiten.
Doch der Schrieb ist nicht von den Gelben Seiten und die Daten werden oft nur in einem nutzlosen Internetverzeichnis eingetragen. Es kommt noch schlimmer: Das Ganze kostet sie mitunter mehrere Tausend Euro. Diesen Adressbuchtrick gibt es seit Jahrzehnten. Und die Adressbuchmafia ist inzwischen zu einem Betrügerfilz verwachsen, der wie eine Mafia agiert – verschwiegen und am Rande der Legalität.
Volkmer arbeitete vor allem als Dienstleister für dieses international agierende Netzwerk. Er gestaltete zum Beispiel Internetseiten für verschiedene Adressbuchbetrüger. Volkmer sagt, er habe mit den Adressbuch-Abzockereien selbst nichts zu tun gehabt.
Die Karriere des Mannes, der sich jetzt als Retter der Verleumdeten aufschwingt, bekam 2002 eine Wende: Er wurde Geschäftsfürer einer gewissen Novachannel AG. Das Geschäft: Novachannel verschickte damals unter anderem betrügerische Adressbuchformulare.
Das Unternehmen gehörte einem gewissen Meinolf Lüdenbach. Der Hamburger leitete von Spanien und der Schweiz aus ein Imperium solcher Abzock-Firmen. Dieses Netzwerk reicht nach Deutschland, Österreich, Spanien, in den Ostblock, in die USA – bis nach Asien.
Zudem ist Volkmer Geschäftsführer einer gewissen Eye Net, einer Gesellschaft, die immer wieder in Zusammenhang mit Adressbetrügern auffiel. Offenbar war Volkmer mit seinem Unternehmen so etwas wie ein zentraler Internet-Dienstleister für das Imperium Lüdenbach.
Feine Leute sind das. In der Schweiz läuft inzwischen eine aufwendige strafrechtliche Ermittlung gegen Lüdenbach und seine Gefolgsleute.
Auffällig ist, dass im „Forum“ auf Internetvictims mehr oder weniger offen das Treiben der Adressbuch-Abzocker verteidigt wird. Zudem werden dort Menschen angegriffen, die Lüdenbach und seine Leute öffentlich kritisieren. Von Opferschutz und Hilfe für Betroffene kann da keine Rede sein.
Jules Woodell zum Beispiel, der von England aus mit stopecg.org den Lüdenbach Opfern hilft, wurde auf Internetvictims als Terrorist und Bankrotteur beschrieben.
Christian Bütikofer, ein Journalist, der Lüdenbachs Geschäfte in dem Schweizer Magazin „Facts“ und der Tageszeitung Tagesanzeiger immer wieder beschrieb, wurde unseriöse Berichterstattung und Verleumdung vorgeworfen. Ebenso als Rufmörder bezeichnet wurde dort der Fernsehjournalist Michael Plümpe, der jahrelang eine Infoseite im Netz betrieb und ausführlich über die Eye Net Geschäfte schrieb – bis er das Handtuch warf.
Zumindest die Frage ist berechtigt, ob es bei Internetvictims eher darum geht, die Machenschaften von Lüdenbach & Co. zu verschleiern, als echten Opfern von Rufmord zu helfen.
Internetvictims schaffte es übrigens nicht nur in die Süddeutsche Zeitung, auch das ZDF, Heise.de, die Berliner Zeitung und andere berichteten wohlwollend über das Projekt. Und das ist schon einigermaßen verwunderlich. Denn bei Google befassen sich gleich die ersten Treffer mit Volkmers dubioser Vergangenheit.
Die 0900er-Hotline von Internetvictims, unter der sich Betroffene melden sollen, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Kollege Knüwer ist dagegen durchgekommen: "Na, mein Süßer, hast Du Lust auf Natursekt?" gibt es da zu hören. Denn hinter der 0900-Nummer verbirgt sich keine Beratung für Internet-Opfer – sondern eine Sex-Hotline.
Nachtrag: Thomas Knüwer fragt sich derweil, wie es so ein Artikel in die Süddeutsche schaffen konnte.
Nachtrag 2: Erst kürzlich musste übrigens einer der Adressbuch-Abzocker vor Gericht. Herbert Rossa zockte mit seiner MR Branchen und Telefon Verlagsgesellschaft von Rostock aus Kleinunternehmer in ganz Deutschland ab. Er lebte auch einige Zeit in Ingolstandt. Zufälligerweise nicht weit von anderen bekannten Gestalten der Szene, für der er vorher gearbeitet hat.











3 Kommentare zu “Adressbuch Abzocker: Wie Medien dubiosen Geschäftemachern auf den Leim gehen”
Ein Buch gibt es gleich passend dazu!
Da wird erst der Bock zum Gärtner gemacht, fast heilig gesprochen und nun verdient sich dieser daran dumm und dämlich.
Das Buch selbst ist ja auch eine direkte Anleitung zum Rufmord. Wer keine Ahnung hat wie man jemanden im Internet fertig machen kann sollte das Buch umbedingt kaufen!
Es passt schon, wenn sich Herr Prummer u.a. als Internetvictims sehen.
Sie sind Opfer des Internet.
Das Internet hat die Verdienstmöglichkeiten durch „Branchenportale“ erhöht.
Und es hat möglich gemacht, dass Betroffene sich austauschen können.
Mit dem Scham- und Schuldgefühl unterschrieben zu haben, dass denen suggeriert wird, die Aufträge/Verträge unterschreiben, blieben in den 80 und 90er Jahren die Betroffenen sich selbst überlassen. Sie konnten nicht wissen, dass sie nicht allein damit waren.
Dann kam es über Internetplattformen an die Öffentlichkeit.
Die vergleichsweise paar „Adressbuchverlage“ sind nur die Spitze des Eisbergs.
Oberfläche, die ablenkt.
Vorrats- und Mantelgesellschaften machen es möglich.
Gegründet, umfirmiert, manchmal zurückfirmiert, gelöscht, später fortgesetzt, Sitz verlegt, Gesellschaftszweck ein erstes, vielleicht zweites, drittes Mal geändert …
Ganz legale Geschäfte.
Immobiliengesellschaften, Baugeschäft, Vermögens- und Hausverwaltungen, Investment- und Kapitalanlagegesellschaften, IT-Dienstleister, Medien, Fitness, Hotels, Sportlernahrung, Getränkevertrieb… Nichts, was es nicht gibt.
Wer nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern tiefer geht, stößt auf in Wirtschaft und Politik angesehene international tätige Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaften oder alteingessessene Anwaltskanzleien.
Allein in unserem Land besteht ein derartig verwobenes Geflecht, dass es nicht so viele Ermittlern geben kann, die es von der Zahl braucht, es zu entwirren.
Nach meinen Recherchen gibt es keine Branche, bei der die irgendwie aus einer Internet-Informations-Seite zum Adressbuchbetrug bekannten Gestalten nicht irgendwie mitmischen.
Das haben bisher vermutlich nur eine gute handvoll Leute erkannt.
Manche machen den Internetvictims scheinbar so viel Angst, dass diese Leute gnadenlos verfolgt werden.
Ohne Rücksicht auf berufliche Folgen, Ehre oder Gesundheit. Ohne Rücksicht auf deren Familien. Ohne Rücksicht auf Kinder..
Verleumdet, als Denunzianten, Neider, psychisch labil abgetan, als Bankrotteure präsentiert.
Ein Bankrott geht schnell. Es müssen nur – rein zufällig natürlich – die passenden Ereignisse oder Amtshandlungen zusammen kommen.
Verleumdung/Rufmord. Mit modernen Techniken ist nichts mehr unmöglich.
Rechtliches Gehör? Das finden tatsächlich Betroffene manchmal nur noch bei Wikipedia.
Doch das sollen Idiotae sein, die dort nachlesen.
E
s scheinen gerade massive Bereinigungsaktionen stattzufinden.
Das Image der Internetvictims wird mit massiven Kampagnen aufpoliert.
Der ehemalige Betreiber einer Infoseite zum Adressbuchbetrug soll mit einem Drohbrief gezwungen werden, die Seite vom Netz zu nehmen.
Zu Benedikt Wohlfart – er hat nichts mit „Wohlfahrt“ zu tun; ihm fehlt im hinteren Teil des Nachnamens das nötige „h“ – wurden die letzten Tage einiges an links auf google.de entfernt.
Nicole Lotz geb. Liebera scheint es ungenehm gewesen zu sein, dass sie ausgerechnet mit der Branchenklick GmbH in Ismaning bei google an erster Stelle erscheint.
Hunderte von Vorratsgesellschaften, bei denen sie als Geschäftsführerin oder Vorstand zu finden ist. Es sind zur ein oder anderen dieser Gesellschaften bei neuer Geschäftsführung Kritiken aufgekommen. Die links sind unverändert vorhanden.
Der zur Branchenklick Ismaning wurde auf google.de entfernt.
Es macht allgemein den Eindruck, dass Geschäftspartner lieber nicht mit Adressbuchverlagen in Verbindung gebracht werden wollen.
Nicht nur Herr Prummer wehrt sich, in diesem Kontext genannt zu werden.
Bratislava. Benedikt Wohlfart. Dunajtech S.R.O.
2 mal Sitz verlegt, 2 mal Geschäftsführer ausgetauscht.
Wer soll da noch den Anfang finden.
Die slowakische Niederlassung von Rödl & Partner als erstem Firmensitz. Oder Dr. Toth, der juristische (Rödl)Partner als Geschäftsführer.
Neues Projekt?
Vieles spricht dafür, dass das massive Vorsprechen der Internetvictims in die Medien Ablenkungsmanöver ist.
Es scheint, als sei dringender Geldbedarf.
Im Dezember 2007 wurde nach Hinweisen im Internet von Herbert Rossa und Inkassoanwalt Hans Helmut Betz massiv versucht, für die MR Branchen und Telefon Geld beizutreiben.
Parallel startet Internetvictims seine Kampagne.
Im Forum jede Menge hilfreiche, allesamt kostenpflichtige Tipps.
Für nur 169.- € spürt ein US-Unternehmen Fotos im Netz auf. Und noch weniger, nur 59.- €, kostet ein das Angebot einer anderen Firma, unerwünschte links entfernen zu lassen.
Der „supernette“ Internetdienstleister, der nicht nur zufällig in diesem Monat Angebotspreise hat, sondern aktuell denen eine dreistellige Werbeprämie bietet, die neue Mitglieder bringen.
Zum Buch der Internetvictims hat der Verlag eine Leseprobe ins Netz gestellt.
Ein Schelm, wer böses dabei denkt, dass dieser Abschnitt nur so mit kostenpflichtigen Tipps durchsetzt ist.
Es lenkt ab. Der aus den 80 und 90er Jahren für seine Produkte bekannte Verlag trägt nur noch den deutschen Namen.
Geräuschlose Erledigung.
VW, Siemens. Es wird ermittelt. Die Staatsanwaltschaften geben Statements. Die Öffentlichkeit wird über Berichte zum Stand der Ermittlungen informiert.
Wenn gegen die Koryphäen im Adressbuchgeschäft ermittelt wird, liest und hört man nichts.
Ein rettendes Ufer?
Dem Senior haben auch negative Schlagzeilen nie etwas ausgemacht.
Nach fast vierzig Jahren hat er sich zum 01.01.2006 als Partner aus der Kanzlei Bossi verabschiedet.
Geräuschlos.
Geräuschlos verschwunden ein Artikel einer Augsburger Zeitung aus März 2006. Es scheint die einzige Zeitung, die sich getraut hat, über damals laufende Ermittlungen zu schreiben.
Steffen und Florian Ufer standen unter Verdacht der Geldwäsche.
Es ist kein Geheimnis, dass die Kanzlei Steffen und Florian Ufer Mandanten vertritt, die der unbedarfte Durchschnittsbürger als hochkriminell bezeichnen wird.
Steffen Ufer hat daraus nie einen Hehl daraus gemacht.
Dass er für Vertreter der Adressbuchszene arbeitet, konnte kein Geheimnis bleiben.
Egal wie geräuschlos er arbeitet.
Verurteilungen
Gegen Herbert Rossa erging ein Urteil.
Er hat Berufung eingelegt.
Er fordert weiter Geld von denen, die bei ihm unterschrieben haben.
Und ist im Vergleich doch nur ein kleines Licht. Er verwendet ein Formular. Er hat es nicht erfunden.
Er muss teuer dafür bezahlen.
Mehr als vier Millionen sollen es aus den Einnahmen in 2006 gewesen sein.
Vier Millionen für das„know-how“ des Lizenzgeber. Der darf den Vordruck nicht versenden. Gegen die European Businessguide erging eine einstweilige Verfügung..
Nach mehreren Änderungen des Firmensitz ist sie wieder in Denkendorf.
Die Fuchsbergstraße 21 findet sich in einem etwas abgelegenen, winzig kleinen Ortsteil. Oliver Heller, der Geschäftsführer, scheint sich (vorerst?) ins Altmühltal zurückgezogen zu haben.
Können Sie das alles beweisen?