» 19.01.2011, 20:54

Traum aus Glas

Wer etwas über die Vereinigten Arabischen Emirate lernen will, musste diese Woche nach Abu Dhabi reisen. Auf dem Zukunfts-Gipfel World Future Energy Summit (WFES 2011) kamen für vier Tage Tausende Menschen aus aller Welt zusammen, um sich über die Risiken des Klimawandels, nachhaltige Stadtplanung, E-Mobilität und grüne Energie auszutauschen.

Ban Ki-moon bei WFES-Eröffnung in Abu Dhabi


Top-Manager von Unternehmen wie Siemens, Daimler, GE, Vestas und Initiativen wie Desertec kamen. Sie saßen auf Podien, hielten Vorträge, diskutierten über gelungene Projekte und Probleme und schlenderten zwischendurch über das Messegelände, vorbei an den Ständen Hunderter Aussteller.

Siemens präsentierte unter anderem Ideen für intelligente Stromnetze, die auch in der Null-Emissions-Stadt Masdar gebaut werden sollen. Daimler wiederum zeigte, wie die Elektromobilität schon bald aussehen könnte: Auf dem Messefreigelände bietet der Automobilhersteler den Menschen die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit den E-Mobilen Smart ED und A-Klasse E-Cell zu machen.

Eine besonders beeindruckende Präsentation hielt die Präsidentin des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), Susan Hockfield. In deutlichen Worten rechnete sie der Energiebranche vor, wie sehr die Unternehmen ihre Forschungsausgaben gemessen am Umsatz in den vergangenen Jahren heruntergeschraubt haben. Große Energiekonzerne, sagte Hockfield, investieren nur einen Bruchteil ihrer Umsätze in Forschung, viel weniger als etwa Software oder Pharma-Unternehmen. Das müsse sich ändern, sonst seien die politischen Klimaschutz-Ziele niemals erreichbar.

Hockfields Vortrag wurde eifrig beklatscht. Doch wie schwer es hier im Land des Öls ist, den grünen Wandel wirklich zu leben, zeigte sich schon am ersten Tag der Konferenz.

Während Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon am Montag das WFES 2011 vor Tausenden Besuchern eröffnete und vor Staats- und Unternehmenschefs das Recht auf grüne Energie für jeden Menschen und irgendwie auch die Rettung der Welt beschwor, standen vor der Tür Busse, Minivans und S-Klassen mit laufendem Motor. Die Mitglieder der Herrscherfamilie rund um den Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan sollen jederzeit in angenehm kühlen 18 Grad davonrasen können.

Keine Frage, das Thema erneuerbare Energien hat es der Herrscherfamilie angetan. Das zeigen visionäre Projekte wie die emissionsfreie Stadt Masdar, die gerade als ein Stadtteil von Abu Dhabi gebaut wird. Auch der Sieg um den Kampf um den Standort der Internationalen Energie Agentur Irena, die hier den Betrieb aufnehmen wird, zeigt die Ambitionen Abu Dhabis.

Aber zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen tiefe Gräben.


Baustelle Abu Dhabi

Ein Morgen in Abu Dhabi


Beispiel Bau: Abu Dhabi ist eine gigantische Baustelle. Man kann in der knapp 900.000 Einwohner großen Stadt in keine Richtung blicken, ohne dass wenigsten zehn riesige Baukräne den Blick versperren, die oft riesige Glasplatten in den Himmel hieven. Nun weiß eigentlich jedes Kind, dass energiesparendes Bauen bedeutet, so wenig Glas wie möglich einzusetzen, weil sich das Gebäude sonst wie ein Gewächshaus erhitzt was die Klimaanlagen besonders beansprucht. Doch die Kräne heben immer neue Glasplatten in die Höhe, die von Pakistanischen Bauarbeitern festgekittet werden. Im Minutentakt. Die Stadt ist eine einige Glaswüste.

Auch über Müll und den besseren Umgang mit unseren Abfällen wurde auf der WFES 2011 viel diskutiert. Unternehmen wie Titech aus Deutschland und Norwegen zeigten Innovative Sensoren für Müllsortieranlagen, Besucher aus aller Welt waren fasziniert. Doch Abu Dhabi schert sich wenig um solche Technologien. Während die Herrscher über die grüne Zukunft debattieren, wird ihr Müll weiter in die Wüste gekarrt. Eine hocheffiziente Müllverbrennungsanlage? Nicht geplant.

Und wenn man am Ende des Tages am Straßenrand steht und für einen Moment die Augen schließt, dann könnte man fast glauben, eine nie endende Kolonne Reisebusse wäre auf den Straßen unterwegs. Doch es sind nur die SUVs, Jeeps und Limousinen – die Kleinwagen der Generation Emirates. Wenn man als Expat hierher kommt, um für die Regierung zu arbeiten, erhält man ein zinsloses Darlehen für ein Auto. Wir wäre es, wenn man nur diejenigen Autos subventioniert, die weniger als zehn Liter verbrauchen?

Die Idee hat hier so viele Chancen wie in Deutschland die Abschaffung des Kündigungsschutzes.

Wer aber Vorreiter bei grüner Technik sein will, sollte es zeigen. Und wo wäre Sonnenenergie besser aufgehoben als in Abu Dhabi? Doch in drei habe ich hier außerhalb von Masdar keine einzige Fotovoltaik-Anlage gesehen und nur von einer gehört.

Gäbe es einen besseren Ort, um Techniken für solare Kühlung zu testen, die bereits einigermaßen ausgereift ist? Oder in Fassaden integrierte Solarzellen, etwa auf den riesigen Wänden der Messehallen?

Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Straßenbeleuchtung: Aufgrund gesetzlicher Regelungen müssen die Lampen in Abu Dhabi die ganze Nacht brennen. Bis tief in die Wüste hinein. Wieso hat man die Straßen nicht längst mit Laternen ausgestattet, die tagsüber mit Photovoltaik eine Batterie laden, die nachts den Strom liefert? Auch diese Technik wäre vorhanden.

Und all das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Wir haben noch nicht einmal über die Formel 1, die Ferrari-Welt und die Skihalle in der Wüste gesprochen.

Rundgang durch Masdar City



Aber, denken viele, es gibt doch Masdar City (siehe Bild oben). Das stimmt. Es gibt Masdar. Genauer gesagt einen Häuserblock von Masdar. Doch das grüne Vorzeigeprojekt stockt. Einige der Technologien wurden aus Kostengründen kassiert, andere sind schlichtweg nicht machbar. Die fahrerlosen Gondeln etwa, mit denen sich die Bewohner von Masdar durch die Stadt bewegen sollen, stehen auf dem Prüfstand. Auch die Pläne für die geplante Masdar-Solarfabrik sind vor wenigen Tagen versenkt worden.

Niemand bestreitet, dass Wandel Zeit und Geduld braucht, insbesondere, wenn neue Technologien im Spiel sind. Auf der anderen Seite aber gelingt eine Revolution aber niemals mit Rhetorik allein. Die Region hätte die Chance, zu einem Vorbild für die Cleantech-Branche in aller Welt zu werden. Es gibt genug Geld, neue Techniken zu testen und weiter zu entwickeln.

Masdar war dafür ein guter erster Schritt. Doch nun muss Abu Dhabi aufpassen, nicht die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Wer große Visionen verkündet, mit Milliarden finanziert, steht auch unter besonderer Beobachtung. Um in Sachen Cleantech aber wirklich glaubhaft zu werden, muss sich hier auch das Leben von sehr vielen Menschen ändern.

Ob das überhaupt möglich ist, kann heute noch keiner sagen. Bis es aber soweit ist, bleibt vieles hier nur grüne Träumerei.

» 19.01.2011, 20:54

    4 Kommentare zu “Traum aus Glas”


  1. Hägar Schmidt sagt:

    “Wenn man als Expat hierher kommt, um für die Regierung zu arbeiten, erhält man ein zinsloses Darlehen für ein Auto.” Cool! Können wir das auch haben? (und die Spritpreise?)

    Wer ernsthaft glaubt, es ginge hier um “die Umwelt”, der tut mir einfach nur Leid.

  2. watchman sagt:

    von watchmann|18.01.2011 06:05 Uhr
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    Schlecht: 0
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    Plus(0 Stimmen)
    Flopp Masdar City
    Man sollte nicht lange um den heissen Brei reden. Masdar City ist ein Flopp und eine gestohlene Idee.
    Warum fraegt den niemand, wer der wahre Erfinder der Masdar City ist.
    Der wahre Erfinder der Masdar City ist ein -DEUTSCHER Kaufmann-, dem man die Idee und Ausarbeitung gestohlen hat, und mein einfach mal in ein paar Monaten das zu realisieren, wozu der Erfinder 8 Jahre benoetigt hat. [/b]Nachdem man ihm alles weggenommen hat, wollte man den Erfinder und seine Familie mal kurzerhand aus dem Weg raeumen. Das ist die Realitaet.
    Schon zweimal wurde Masdar City abgespeckt, es wird noch oeffter abgespeckt werden.
    In dieser Zeit der Abspeckung, hat der Erfinder der Masdar City in den VAE sein erstes -Zero Energie Haus= fertiggestellt und das funktioniert auch.

  3. Chad sagt:

    von watchmann|18.01.2011 06:05 Uhr
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    Flopp Masdar City
    Man sollte nicht lange um den heissen Brei reden. Masdar City ist ein Flopp und eine gestohlene Idee.
    Warum fraegt den niemand, wer der wahre Erfinder der Masdar City ist.
    Der wahre Erfinder der Masdar City ist ein -DEUTSCHER Kaufmann-, dem man die Idee und Ausarbeitung gestohlen hat, und mein einfach mal in ein paar Monaten das zu realisieren, wozu der Erfinder 8 Jahre benoetigt hat. [/b]Nachdem man ihm alles weggenommen hat, wollte man den Erfinder und seine Familie mal kurzerhand aus dem Weg raeumen. Das ist die Realitaet.
    Schon zweimal wurde Masdar City abgespeckt, es wird noch oeffter abgespeckt werden.
    In dieser Zeit der Abspeckung, hat der Erfinder der Masdar City in den VAE sein erstes -Zero Energie Haus= fertiggestellt und das funktioniert auch.