Traditionsclubs der 3. Liga wie Alemannia Aachen stehen vor der Pleite. Im Interview erklärt der zuständige DFB-Direktor Ulf Schott, was der Verband dagegen tut.
Alemannia Aachen ist insolvent, auch andere haben Probleme – wie schlecht geht es der 3.Liga wirtschaftlich?
Die Probleme entstehen häufig durch den Abstieg von der 2. in die 3. Liga. Aber viele Vereine wirtschaften solide.
Auch Tabellenführer Osnabrück hat Probleme. Der Präsident bezeichnete die 3.Liga als Intensivstation, den meisten anderen Vereinen gehe es nicht besser.
Ich weiß nicht, ob er die wirtschaftlichen Zahlen aller Vereine beurteilen kann. Es ist aber auch klar, dass der Wunsch nach mehr TV-Geldern solche Stimmen auf den Plan ruft. Es ist Fakt, dass mit TV-Geldern in der 3. Liga mehr erwirtschaftet wird, als in vergleichbaren zweiten Ligen anderer Länder oder anderer Sportarten in Deutschland.
Es ist aber auch nachvollziehbar, dass die Vereine hier perspektivisch auf Mehreinnahmen hoffen. Der bestehende TV-Markt in Deutschland hat hier aus unserer Sicht aktuell seine Grenzen.
Sie wollten den großen Unterschied bei den TV-Geldern zur 2. Liga anderweitig reduzieren, wie genau?
Sicher ist die Kluft von der der 2. Bundesliga zur 3. Liga sehr groß und wird durch den neuen TV-Vertrag der DFL noch größer, aber der TV-Marktwert, den die 3. Liga allein vermarktet erzielen würde, liegt unter den 12,8 Millionen Euro, die wir den Vereinen zur Verfügung stellen können. Wir sind natürlich immer bemüht im Interesse aller, die Einnahmenseite der 3. Liga zu verbessern. Dazu führen wir bereits seit längerer Zeit und auch aktuell weiter Gespräche über den Abschluss einer exklusiven Partnerschaft/Sponsorships der 3. Liga.
Müssen sie nicht bei der Lizenzvergabe strenger sein?
Wir prüfen die Vereine vor der Zulassung intensiv auf ihre Liquidität, sind aber natürlich auch darauf angewiesen, dass die Angaben stimmen, alle Unterlagen tatsächlich vollständig sind und die Planungen auch so eingehalten werden, wie dies uns gegenüber bestätigt wird. Im Übrigen sind die einzureichenden Unterlagen auch durch einen Wirtschaftsprüfer zu bestätigen, eine vollständige Garantie bietet jedoch auch dieses Instrument nicht.
Die Überprüfung ist auch nicht auf den Zeitraum bis zur Zulassung beschränkt, sondern findet auch während der laufenden Saison statt. Gerade jetzt findet wieder die obligatorische Auflagenprüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit statt, in deren Rahmen wir prüfen, ob die angegebenen Zahlen stimmen und Vorgaben eingehalten werden.
Sollten nicht Kennzahlen wie das Eigenkapital bei der Lizenzerteilung eine größere Rolle spielen?
Ziel des Zulassungsverfahrens ist es zunächst, den Spielbetrieb über die gesamte Saison zu sichern und zu gewährleisten. Ein zentrales Element bildet hier natürlich die ausreichende Liquidität der teilnehmenden Vereine. Im Rahmen des Verfahrens schauen wir dabei natürlich auch auf das Eigenkapital. Das ist in der Gesamtbetrachtung der Liga zwar weiterhin negativ, folgt im Vergleich zu den Vorjahren jedoch einem positiven Trend.
Wir wollen „gesunde“ Vereine und die Bedingungen für den Spielbetrieb in der 3. Liga so gut wie möglich gestalten. Das setzt aber auch vernünftiges Handeln der zuständigen Personen voraus. Jeder Verein weiß, was auf ihn zukommt und muss seinen Aufwand entsprechend planen. Im Grundsatz wollen nahezu alle Vereine natürlich in die 2. Bundesliga aufsteigen, so dass sich das finanzielle Risiko, dass manche Vereine eingehen um den Aufstieg zu gewährleisten, natürlich nicht rechnen kann und daraus Probleme entstehen können.
Es gibt aber auch gute Beispiele, wie man mit geringem Personalaufwand und eigenen Talenten aus der Region gute Ergebnisse erzielen kann. Regensburg hat das in der vergangenen Saison gezeigt, Unterhaching ist aktuell ein gutes Beispiel.
In dieser Saison sollte eine „AG Finanzen“ starten, um wirtschaftlichen Problemen entgegenzuwirken und die Vereine zu beraten. Was ist daraus geworden?
Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen, aber keine eigene „AG Finanzen“. Dennoch ist der Kontakt intensiv, wir haben in Absprache mit den Klubs jedoch andere Organisationsformen gewählt. So haben wir die Finanzverantwortliche auch explizit zu unserer Managertagung Anfang Januar nach Frankfurt eingeladen um mit ihnen relevante Themen zu besprechen. Auch waren DFB-Mitarbeiter bei jedem Verein vor Ort, um mit den Vereinen die individuelle Situation zu besprechen und auch Hilfestellungen anzubieten.
Wir nehmen unsere Aufgabe als Dienstleister für die Vereine sehr ernst und stehen deshalb in engem Austausch und unterstützen die Vereine – wo es möglich ist – schnell und auf kurzem Weg. Für konstruktive Vorschläge von den Vereinen haben wir immer ein offenes Ohr und wenn diese dann zur Anpassung oder Änderungen im Zulassungsverfahren führen, umso besser.










