» 19.11.2012, 16:49

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Fußballclubs vor dem Kollaps

Aachen, Duisburg, Osnabrück – gleich mehrere Traditionsclubs stehen vor dem wirtschaftlichen Aus. Einmal mehr zeigt sich dabei auch das Risiko von Fußballanleihen.Auch der sportliche Erfolg kann die finanziell angespannte Situation in den unteren Spielklassen des Fußballs nur begrenzt lindern. Denn nach Aachen und Duisburg, die derzeit sportlich und wirtschaftlich vor allem negative Schlagzeilen liefern, macht nun auch bei Tabellenführer Vfl Osnabrück das Wort von der Insolvenz die Runde.

„Wenn ich die Situation so im Verein gekannt hätte, hätte ich den Job nicht angenommen”, erklärte  VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz geschockt, als bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag das Ausmaß der Probleme offenbar wurde. Neun Millionen Euro Schulden hat der Verein angehäuft, im abgelaufenen Geschäftsjahr belief sich das Minus auf 926.000 Euro. Präsident Gert Lehker sprach von einer “wirtschaftlich existenzgefährdenden” Entwicklung.

Die Politik fordert nun, dass der Verein seine Lizenzspielerabteilung ausgliedert. Nur dann würde die Stadt die rund 7,6 Millionen Euro für die Stadion-Immobilie samt Schulden zahlen, um sie dann nach dem so genannten Sale-and-lease-back-Modell wieder an den Klub zu vermieten. Sollte die Ausgliederung der Profifußballer scheitern, droht der finanzielle Kollaps.

Intensivstation 3. Liga

„Den meisten anderen Vereinen der 3. Liga geht es nicht besser”, sagte Lehker. Denn in der 3. Liga „brechen die Einnahmen bei ausbleibendem Erfolg überproportional weg, deshalb sprechen alle von der Intensivstation 3. Liga”.

Diese Entwicklung ist derzeit exemplarisch in Aachen zu beobachten, wo nun auch die Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Bundesligisten wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt. Die Aachener Nachrichtenberichteten, ein als Steuerberater tätiges Aufsichtsratsmitglied seine Kollegen schon im April per E-Mail vor dem nunmehr öffentlich gewordenen Fehlbetrag gewarnt habe.

Vier Millionen Euro fehlen dem Verein aktuell.  „Hätte die Alemannia weiter gemacht wie geplant, wäre sie am Ende der Saison auf ein zweistelliges Millionenminus gekommen“, sagte der von der Alemannia als beauftragte Rechtsanwalt Michael Mönig. Er hatte am Freitag angekündigt, in dieser Woche einen Insolvenzantrag zu stellen.

Besonders der Stadionneubau hat Millionen verschlungen. Die Schulden durch den Tivoli-Neubau konnten von der Alemannia nicht mehr ausreichend bedient werden. „Wir haben eine Bugwelle an Verbindlichkeiten vor uns hergeschoben. Das funktioniert bei Erfolgen. Wenn es nicht mehr läuft, dann eben nicht mehr”, erklärte Aufsichtsratschef Meino Heyen.

In der Saison 2006/07 war Aachen in die Bundesliga aufgestiegen, zu dieser Zeit fiel auch die Entscheidung für den teuren Stadionneubau.
“Das einzige, was bei Alemannia Aachen nicht gestimmt hat, war, dass man so ein Riesenstadion gebaut hat, das wie ein Stein um den Hals des Vereins hängt. Am Ende war der Stein so schwer, dass er dem Klub das Genick gebrochen hat”, sagte der ehemalige Alemannia-Spieler und Geschäftsführer Erik Meijer.

Die finanzielle Lage ist bei der Alemannia schon seit längerer Zeit äußerst kritisch. Bereits Ende Oktober stand Aachen vor dem finanziellen Aus, Geschäftsführer Frithjof Kraemer musste seinen Hut nehmen. Damals hieß es, es sei ein Geldgeber aus den eigenen Reihen gefunden worden. 2010 verhinderte nur eine Ausfallbürgschaft der Stadt die drohende Insolvenz. Die Stadt hatte dem Klub noch im Frühjahr ein Darlehen von knapp 19 Millionen Euro gewährt.

Und auch die Fans haben dem Verein Geld geliehen. 4,2 Millionen kamen vor vier Jahren zusammen, die im nächsten Jahr fällig werden. Doch ob sie die Summe wieder sehen ist derzeit extrem fraglich. Noch ist zwar nicht darüber entschieden, wie die Gläubiger der Anleihen im Insolvenzverfahren behandelt werden, doch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp kündigte bereits an, dass auf jeden Fall nur ein Teil ausgezahlt werde.

Damit zeigt sich einmal mehr, wie riskant Fußball-Anleihen sind. Bei Vereinen boomen sie zurzeit, erst Ende Oktober hat der 1. FC Köln zehn Millionen Euro von Fans bekommen. Auch Schalke, Nürnberg, Hertha BSC oder der FC St. Pauli haben in letzter Zeit Anleihen begeben.

Meist bieten sie fünf bis sechs Prozent Zinsen, doch das Risiko ist hoch. Denn oft sind es Vereine mit einer hohen Schuldenlast wie Schalke oder Hertha, die ihre Fans anpumpen oder auch Kellerkinder wie Bielefeld und Rostock.

Und wenn da nach einem Abstieg das sportliche Comeback ausbleibt, droht schnell auch eine wirtschaftliche Abwärtsspirale. Denn der Abstand zwischen den Ligen ist eklatant. Vor allem die Fernsehgelder fließen in den unteren Klassen nur viel spärlicher. Berechnet werden sie nach einem Schlüssel, bei dem die Ligazugehörigkeit eine entscheidende Rolle spielt. Drei Jahre lang profitieren Absteiger noch von ihrer Zeit aus der ersten Liga, doch von Jahr zu Jahr wird der Bonus kleiner. „Nach drei Jahren in der zweiten Liga wird es extrem schwierig wieder nach oben zu kommen“, sagt Henning Vöpel, Sportökonom am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut dem „Handelsblatt“.

Wie auf die sportliche Krise eine wirtschaftliche folgt, zeigt derzeit auch der Traditionsclub MSV Duisburg. Beim Zweitligisten geht ebenfalls die Angst vor der Pleite um, mehrere Millionen Euro sollen in Duisburg fehlen. Auch hier ist das 2005 neu gebaute Stadion ein bedrohlicher Kostenblock: 4,5 Millionen Euro müssen dafür jährlich aufgebracht werden.

Das Sanierungskonzept einer Investorengruppe soll nun die Pleite verhindern. Zuvor hatte der vergangene Woche zurückgetretene Vereinsvorsitzende Andreas Rüttgers noch eine andere Option ins Spiel gebracht: eine Fan-Anleihe.

» 19.11.2012, 16:49

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