» 20.07.2012, 11:22

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Scheichs füllen Hollandes Kassen

Frankreichs Politik schimpft auf den Transferirrsinn um Ibrahimovic & Co. Dabei werden sie durch die 75 Prozent Spitzensteuer von den Millionen aus Katar profitieren.

Man stelle sich einmal vor, Merkelsprecher Steffen Seibert würde in der Bundespressekonferenz den Transfer von Marco Reus oder Mario Gomez kommentieren. In Frankreich ist genau das gerade passiert, doch im Gegensatz zu Deutschland muss das Nachbarland massiv sparen.

Anlass ist der Transfer des Schweden Zlatan Ibrahimovic - mit einem Preis von 20 Millionen also genau die Preisklasse Marco Reus. Doch Ibrahimovic verdient mit schätzungsweise 14 Millionen einiges mehr als der deutsche Shootingstar und ist auch in einer anderen Kategorie einsame Spitze: 168 Millionen Euro zahlten seine bisherigen Arbeitgeber (u.a. Juventus Turin, Inter Mailand, FC Barcelona, AC Mailand) insgesamt, um sich die Dienste des schwedischen Stürmers zu sichern. Nach den kumulierten Transfersummen ist er damit der teuerste Spieler aller Zeiten.

Der neue Transferkrösus Paris Saint Germain (PSG) legte gestern also 20 Millionen Euro für Ibrahimovic auf den Tisch – für Pariser Verhältnisse ist das ein Schnäppchen. Immerhin hatten sie zuvor schon Ezequiel Lavezzi vom SSC Neapel für 26 Millionen verpflichtet und Ibra wird von seinem bisherigen Teamkollegen Thiago Silva begleitet – der brasilianische Abwehrrecke schlägt gleich mit 42 Millionen zu Buche.

Silvio Berlusconi rechnete schon mal vor, die Einnahmen und gesparten Gehaltskosten würden in den kommenden zwei Jahren 174 Millionen Euro in Mailands Kassen spülen. PSG hat dagegen nach Investitionen von 100 Millionen Euro in der Vorsaison jetzt noch einmal 100 Millionen ausgegeben – PSG-Präsident Al-Khelaifi und der Staatsfonds aus Katar machen es möglich.

Die ehemalige Nummer 995 der Tennisweltrangliste (seine einzigen beiden ATP-Erstrundenmatches verlor der Scheich) hat 2011 den Verein übernommen. Doch trotz der Riesensummen holte das Low-Budget-Team aus Montpellier den Titel (mit einem Marktwert von 84 Millionen Euro ist das gesamte Team so teuer, wie die PSG-Kicker Silva und Javier Pastore zusammen).

Doch in diesem Jahr soll sich das ändern und auch in der Champions League will der Herr aus Katar dem Abu Dhabi Scheichclub Manchester City Paroli bieten. Dass sie auch Titelverteidiger FC Abramowitsch Chelsea, den Spaniern oder Festgeldkonto Bayern München beweisen wollen, wer den bestgefüllten Geldkoffer hat ist sowieso klar.

Da dürfte es Al-Khelaifi auch kaum stören, dass in Frankreich derzeit über Spitzengehälter besonders intensiv diskutiert wird, Francois Hollande hat schließlich versprochen, alle Millionäre mit 75 Prozent Einkommenssteuer zur Kasse zu bitten.

Selbst Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem hielt es für nötig, sich zum Ibrahimovic-Transfer zu äußern und bezeichnete das Gehalt als schockierend. 14 Millionen Euro soll Ibrahimovic verdienen – da die Investoren aus Katar wohl auch die Steuern übernehmen, kostet sie der Schwede fast 25 Millionen pro Jahr. Damit wäre er noch ein Stück teurer als Cristiano Ronaldo, der nach dem Ende einer Sondersteuer für Fußballer in Spanien Madrids Kosten auch enorm in die Höhe treibt.

Doch auch wenn er öffentlich schimpfen lässt, darf sich Hollande insgeheim freuen: Der Ausgabenwahn von Al-Khelaifi wird letztlich die Kassen seines Finanzministers füllen. Doch die Gegensätze im französischen Fußball verschärfen sich dadurch möglicherweise massiv. Auf der einen Seite stehen mit Petrodollars gepamperte Clubs, auf der anderen diejenigen die es sich nicht leisten können, für Millionengagen auch noch mal Steuern in fast gleicher Höhe zu übernehmen. Und dazwischen Spieler, die die Steuerfrage bei Gehaltsverhandlungen sicherlich einkalkulieren.

Der Präsident der französischen Fußball-Liga hatte bereits im Wahlkampf vor dem „Tod des französischen Fußballs“ gewarnt. Damit meinte er eine drohende Abwanderung von schätzungsweise 150 Fußballmillionären. Doch die eigentliche Gefahr sind die zunehmenden Wettbewerbsverzerungen durch die Ölmillionen. Eigentlich sollen die durch die “Financial Fair Play”-Regeln beendet werden, die Michel Platini so gern bemüht, wenn in England wieder einmal die Titel gekauft werden. Zu den Vorgängen in seiner Heimat hört man von dem Franzosen erstaunlich wenig.

Doch so richtig greifen wird das Financial Fair Play wohl doch erst 2015. Vielleicht gibt es aber auch nochmal Änderungen oder Verschiebungen. Die französischen Staatshaushalt können sich also noch eine Weile freuen und öffentlich schimpfen.

» 20.07.2012, 11:22

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