» 15.06.2012, 12:49

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Das konstruierte Weltbild der UEFA

Es ist eine der Szenen, die von der EM in Erinnerung bleiben werden: Wie Jogi Löw dem Balljungen im Spiel spitzbübisch das Spielgerät unter dem Arm wegschlug, amüsierte ein Millionenpublikum. Es war auch Ausdruck der Leichtigkeit im deutschen Team, dumm nur das die Zuschauer damit grob getäuscht wurden. Denn die Szene fand gar nicht während des Spiels in der 22. Minute statt, wie die Fernsehbilder suggerierten, sondern bereits davor. Erst im Nachhinein hat stern.de nun aufgedeckt, dass die Aktion vor dem Spiel stattfand und nachträglich hineingeschnitten wurde.

Wie problematisch diese Realitätskonstruktion der UEFA ist, zeigt sich daran, dass sogar die ZDF-Reporter darauf reinfielen und den Bundestrainer im Interview darauf ansprachen.

Auch sonst machen sich die deutschen Sender von den zentral produzierten Bildern abhängig. Der Zuschauer merkt das immer wieder, wenn strittige Szenen gezeigt werden aber die dazugehörigen Zeitlupen fehlen. Zwar dürfen die deutschen Sender bis zu zehn eigene Kameras aufstellen, doch die werden primär dazu genutzt nach Abpfiff Spielerstimmen vor den nationalen Werbewänden einzufangen.

Nach einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” hat die ARD bislang während aller Spiele das zentral produzierte, so genannte Weltbild übernommen. Das ZDF bis auf wenige Aufnahmen. Angeblich sei der Einsatz eigener Kameras so aufwendig, dass er meist nur bei deutschen Spielen lohne. Stattdessen ließ beispielsweise das ZDF lieber 40 Kilometer Kabel nach Usedom verlegen. Seit März wurde dort gearbeitet und zehn Kameras inklusive Steadicam, Kran und einer 2D Fly-Cam übertragen nun Bild und öfter mal stockenden Ton vom protzigen Fußballstrand.

Dafür müssen die Zuschauer auf andere Bilder verzichten. So war während des Spiels Kroatien – Irland ein Flitzer auf das Feld geklaufen, der sogar Kroaten-Trainer Bilic einen Kuss gab. Doch diese Szene wurde ebenso aus dem Weltbild der UEFA geschnitten, wie die Protestplakate von zwei Abgeordneten der Grünen, die auf der Tribüne “Fairplay in Fußball und Politik” forderten.

Doch die Senderverantwortlichen scheinen sich an die auch bei früheren Turnieren oder auch in der Bundesliga und Champions-League übliche Praxis der Zentralbilder gewöhnt zu haben. “Von einer Zensur würde ich nicht sprechen”, sagte beispielspielsweise ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

UPDATE:

Nach den Wellen, die die Balljungenszene geschlagen hat, meldete sich nun auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey: “Wir haben bei der UEFA moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder. Das entspricht nicht unseren journalistischen Standards”. Er erwarte von der UEFA, dass sie das ZDF künftig darauf hinweist, ob sie während einer Live-Übertragung aufgezeichnetes Material verwendet. Zu den fehlenden Bildern politischer Plakate gab es dagegen keine Äußerung.

» 15.06.2012, 12:49

    3 Kommentare zu “Das konstruierte Weltbild der UEFA”


  1. ios sagt:

    Na und? Die Medien, die sonst für Manipulation zuständig sind, werden selbst mal manipuliert,was für ein Skandal?! Ausserdem,dieses Bild hat dem Zuschauer vermittelt nicht alles so ernst zu nehmen -bei der Anzahl der Herzattacken während Fussballspielen war diese Bild mit dem Balljungen präventiv lebensrettend. :)

  2. M.B. sagt:

    sehr schlauer Kommentar. Hut ab. dann werden die nicht vorhandenen Bilder von syrischen Massakern und von Umweltverschmutzung in China und von Menschenrechtsverletzungen in Tibet also nur zu unserem Schutz nicht veröffentlicht! Zeigen wir lieber ein paar Flatterfähnchen und Filme über Pandas…
    Was der Autot sagen will liegt doch auf der Hand. Die achsofreie deutsche Presse ist alles andere als unabhängig. Und das schon bei so einem unwichtigen Thema wie Fußball. Kann sich doch jeder ausmalen wie es bei der Berichterstattung zu Banken und co. aussieht…

  3. Auge sagt:

    Man sollte nicht alles zu eng nehmen und Nachsicht walten lassen. Natürlich ist es nicht schön, wenn Medien bewusst oder unbewusst Nachrichten oder Livereportagen manipulieren, aber hier ist ja nichts schlimmes passiert. Nichtsdestotrotz sollte der Sender und die UEFA sich die Kritik zu Herzen nehmen

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