Fußballclubs in China locken Stars wie Barrios, Anelka oder Drogba. Und Vereine wie das “chinesische Kaiserslautern” haben nicht nur Fußballrentner im Visier.
Seinen letzten Einsatz für Borussia Dortmund hatte Lucas Barrios auf der Bank. Nicht einmal eine Kurzeinwechslung beim DFB-Pokalfinale bekam der Toptorjäger des Vorjahres, der künftig in China für Guangzhou Evergrande stürmen wird.
Der Südamerikaner ist dabei in prominenter Gesellschaft, denn nach den Golfstaaten entwickelt sich nun China zum neuen Paradies für Fußballopas. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht über einen Wechsel bekannter Spieler nach China spekuliert wird. Die jüngsten Namen aus der Bundesliga sind HSV-Stürmer Mladen Petric und Bayerns Pranjic. Auch die Leverkusener Stefan Kießling und Gonzalo Castro sollen schon auf dem Einkaufszettel chinesischer Clubs gestanden haben.
Der bekannteste Spieler in der Super League bislang ist Nicolas Anelka den Shanghai Shenua aus Chelsea holte. Die Chinesen zahlen dem 32-jährigen Franzosen sogar doppelt soviel, wie der alles andere als knickrige Chelsea-Besitzer Abramowitsch. Shenua buhlt auch noch um Chelseas Didier Drogba.
Doch es sind nicht nur Altstars, die verpflichtet werden. Der 27-jährige Barrios hätte noch bei diversen europäischen Topclubs spielen können und Union Berlin ließ seinen 24-jährigen durchaus erfolgreichen Stürmer Mosquera im Frühjahr nur ziehen, da der FC Changchun Yatai ein Angebot gemacht hatte, dass sie nicht abgelehnen konnten: Immerhin 800 000 Euro boten die Chinesen den klammen Berlinern – nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Union den Kolumbianer für 150 000 Euro von Werder Bremen geholt hatte.
Barrios neuer Club Guangzhou Evergrande hatte im Vorjahr den Argentinier Dario Conca von Fluminense verpflichtet, wo er gerade zum besten Spieler der brasilianischen Liga gekürt worden war. Mit einem Jahresgehalt von 10 Millionen Euro soll er zu den fünf bestbezahlten Spielern weltweit zählen.
Unter den neureichen Clubs Chinas ist Evergrande der Krösus. Clubchef und Immobilienmogul Xu Jiayin ist mit einem geschätzten Vermögen von mehr als sechs Milliarden Dollar einer der reichsten Chinesen. 2011 steckte Jiayin fast 80 Millionen Dollar in den Verein. Die Investition brachte auch prompt den Meistertitel. Der Club selbst nennt das “die chinesische Version des Mythos von Kaiserslautern” – denn Evergrande war nach einem Zwangsabstieg wegen gekaufter Spiele gerade erst in die erste Liga zurückgekehrt.
Wegen Spielmanipulationen und Wettbetrug steckte Chinas Fußball tief in der Krise, das Staatsfernsehen hatte drei Jahre lang die Spiele nicht übertragen. Nun wird wieder kräftig investiert, doch nicht nur ausländische Stars, von denen in China nur fünf im Kader stehen dürfen, sollen das Niveau anheben und auch dem Nationalteam den Weg zu internationalen Turnierteilnahmen ebnen.
Guangzhou Evergrande will ein gigantisches Nachwuchszentrum aufbauen und hat sich dabei die Expertise von Real Madrid gesichert. Madrids Nachwuchscoach Fernando Sanchez Cipitria soll als technischer Direktor der Akademie fungieren, die im September den regulären Betrieb aufnimmt.










