Statistiker revolutionierten Baseball, wie der Film „Moneyball“ zeigt. Inzwischen werden diese Methoden auf den Fußball übertragen, um bessere Transfers zu machen.
Wie ein Wirtschaftswissenschaftler mit statistischen Methoden den Sport auf den Kopf stellt, kann man derzeit im Kino sehen. „Moneyball“ erzählt die wahre Geschichte des Baseballmanagers Billy Beane, der es mit neuartigen Analysen von Zahlenkolonnen schaffte, günstig ein Team aus Spielern zusammenstellen, deren Potential die klassischen Ranglisten nicht wiederspiegelten. Obwohl die Oakland Athletics von dreißig Teams die sechstniedrigsten Personalkosten hatten, schafften sie es dadurch zwischen 2000 und 2006 viermal die Western Division zu gewinnen.
Während Brad Pitt für seine Rolle als Billy Beane sogar für den Oscar nominiert wurde, versucht der echte Beane inzwischen auch, diese Ideen auf den Fußball zu übertragen. Denn die Besitzer der Oakland A´s kauften auch den US-Fußballclub San José Earthquakes. Während große Clubs sich mit teuren Transfers die vermeintlich besten Spieler sichern können, müssen die kleinen zu anderen Mitteln greifen. „Der Trick dabei ist es, Statistiken zu benutzen und Bereiche zu finden, die vernachlässigt worden sind“, sagt Beane. „Stellen Sie sich vor, Sie liegen normalerweise bei Transfers zu 30 Prozent richtig und finden einen Ansatz, der die Trefferquote auf 35 Prozent steigert.“
Die Erfolge der Earthquakes sind durchwachsen: In der ersten Saison verpassten sie die Playoffs, 2010 kamen sie dann sogar bis in das Conference Finale, nachdem das Team unter anderem Red Bull New York ausgeschaltet hatte. Mit Chris Wondolowski stellten die Earthquakes auch den Torschützenkönig, wobei der Spieler schon seit 22005 im Team steht. 2011 verpasste das Team als siebter der neun Teams in der Western Conference jedoch die Playoffs erneut.
Es ist schwierig, die statistischen Moneyball-Methoden auf den Fußball zu übertragen, wo viel weniger einzelne Aktionen Spiele entscheiden können, als im Baseball oder Basketball. Trotzdem wird auch in Europa seit einigen Jahren immer mehr versucht, Erfolg messbar zu machen und die dafür verantwortlichen Faktoren zu destillieren. Die Vereine investieren massiv in ihre Spielanalyseabteilungen, wobei die klassische Videoanalyse mit statistischen Informationen und Computeranalysen kombiniert wird. „Liverpools jüngste Verpflichtungen junger Talente zeigt, dass der Moneyball-Effekt den Atlantik überquert hat“, schrieb „Mirrorfootball“ zu Beginn dieser Saison.
Besonders in der Premier League ist das schon seit Jahren in viel stärkerem Maße üblich, wie Christof Biermann in seinem Buch „Die Fußball-Matrix“ ausführlich beschreibt. Insbesondere Arsene Wenger ist ein Zahlenjunkie, der sich noch in seiner Zeit beim AS Monaco von einem Freund ein Computerprogramm zur Spieleranalyse schreiben ließ.
Seit einigen Jahren verkaufen Firmen wie Opta statistische Daten und Analyseprogramme wie Mastercoach oder Amisco Pro. In der Bundesliga erfasst Impire seit diesem Jahr mit mehreren Kameras die Spiele, Computer berechnen aus den Bilder die Laufwege, Passgenauigkeit und andere Spielerdaten und stellen sie den Vereinen zur Verfügung.
Da auch Sportmedien Zugriff darauf haben, gab es eine intensive Debatte. Verschiedene Vereinsfunktionäre wollten die Daten unter Verschluß halten, nachdem unter anderem belegt werden konnte, dass Lukas Podolski einer der lauffaulsten Spielern ist. Allerdings zeigt gerade Podolskis Leistung in dieser Saison, dass die Laufleistung auch nur einer von vielen Faktoren bei der Spielerbeurteilung ist.
„Es gibt einen Mangel an Daten für spielentscheidende Ereignisse“, schreibt Zach Slaton, ein Zahlenfreak aus Seattle, der in seinem Blog Abeautifulnumbersgame über statistische Fußballanalysen schreibt. Ausgerechnet in den USA, deren Fußball hierzulande immer noch belächelt wird, hat sich inzwischen eine kleine Community von Sportanalysten und Statistikern entwickelt, die versuchen die noch vorhandenen Probleme zu lösen. Auf der Sloan Sports Analytics Conference trafen sie sich gerade, ansonsten analysieren sie auf Rational Football die Tore von Mario Gomez oder schreiben bei Soccerstatistically wie die Maßzahl erzeugter Chancen besser sei, als Assists. Denn Spieler aus schwächeren Teams, deren Vorlagen von schwächeren Stürmern seltener in Tore verwandelt werden, schneiden dadurch in den üblichen Assist-Ranglisten schlechter ab.
Noch gebe es zu wenig gute und öffentlich zugängliche Daten, klagt Slaton. Doch je mehr die Statistiker zeigen können, welcher zusätzliche Wert selbst damit geschaffen werden könne, desto mehr Daten werden erzeugt. „Die Moneyball-Leute brauchten 20 Jahre um Baseball zu ändern“, schreibt Slaton. „Die Fußball-Analyse-Community sollte für die Evolution unseres Spiels mit dem gleichen Zeitraum rechnen“.












5 Kommentare zu “Wie Zahlenfreaks das Fußballgeschäft revolutionieren”
Hallo Olli,
schöner Artikel, mein Kompliment. Habe gerade mal die Fußball-Tabellen zusammen gezählt. In der ersten und zweiten Liga spielen 36 Vereine. Davon zwei Berlin-Vereine, wobei die Fans bei einem das Stadion selber tapezieren müssen. Die anderen drei kommen aus Sachsen und die Freie Hansestadt Rostosck zähle ich bereits zur dritten Liga. Nicht ärgern lassen, wenn Du nicht promoted wirst, wirst Du auch nicht gesendet. Das ist aber nicht Deine Schuld.
Möchtest Du mal einen Tag Bayern-Fan werden und auch was gewinnen? Na komm, Luca Toni studierte zwar nicht in Neapel, aber spielte da immerhin mal.
FCB ist immer gut, Barca, Bayern … wusstest Du eigentlich, dass der Chef des Vorgängers von Deinem Chef ein Cricket-Fan ist? Hamma schon mal etwas über Cricket geschrieben? Spielt Neapel nicht in blütenweiß und nachtblau? Der Stuhl Deines Chefs hat übrigens eine hässliche Farbe, Sparkassenrot.
Klausemanns Fohlen spielen in Dredner Froschgrün. Wobei die Dresdner ja mittlerweile Gelb sind. Tja.
Hm, ciao, Pampa di Napoli
Der Artikel hat mir wirklich gut gefallen, das Marketing ist schwach, ähm dort sehe ich auch erhebliches Verbesserungspotenzial.
sieh an, 1:0 Robben, bin ein Tierschutzfan.
es hat gemüllert, 2:0
Gomez, 3:0
Halbzeitansprache, also mehr als 8 Stück sollten es schon werden.
Okay, ich höre auf. Meine Frau beschwert sich …
Gruß
Pampa