» 20.02.2012, 19:40

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Was Titel und Tore kosten

Der Preis des Erfolges im Fußball lässt sich quantifizieren. Ein historische Analyse zeigt dabei, dass der „König Midas“ des europäischen Fußballs in England zu finden ist.

Es sind die Kernfragen im kommerziellen Fußball: Kann man Erfolg kaufen und wenn ja, was kostet das? Klar ist, dass ohne eine gewisse finanzielle Grundausstattung zumindest dauerhaft wenig zu holen ist. Klar gibt es immer wieder Ausnahmen und anrührende Underdoggeschichten, wie beispielsweise den UD Levante, der in Spanien mit der ältesten Mannschaft und dem kleinsten Budget lange die Liga aufmischte und sich immerhin noch im obersten Tabellendrittel hält, mit einem Punkt Rückstand auf den vierten Platz.

Auch der stürmische Aufstieg der Fastabsteiger aus Gladbach fällt in diese Kategorie, doch wenn Marco Reus in der kommenden Saison für Dortmund spielt, wird sich wohl wiedereinmal zeigen, dass man Erfolg zumindest kaputtkaufen kann.

Ein sehr gelungener Versuch, die Frage nach dem Preis des Erfolges zu quantifizieren, ist der Bundesliga-Effizienzrechner von Zeit-Online. Dort lässt sich exakt nachvollziehen, wie viel jedes Tor, jeder Punkt und jeder Sieg gekostet haben, indem sie ins Verhältnis zu den Spieleretats gesetzt werden.

1,3 Millionen Euro kostete danach bislang jedes Tor der Bayern, Dortmund und Gladbach wandten dagegen zusammen für je ein Tor nur etwas mehr als eine Million Euro auf.

Betrachtet man die Kosten pro Punkt wird noch deutlicher, was Lucien Favre in Gladbach leistet: Gerade mal 387.000 Euro investierten die Borussen bisher – das ist der geringste Wert der ganzen Liga und fast die Hälfte des Durchschnittswerts von 752.000 Euro. Zum Vergleich: Bei Dortmund sind es immer hin schon 541.000, Bayern, Wolfsburg und Stuttgart investieren mehr als eine Million in jeden Punkt.

Und doch steigt auf Dauer die Wahrscheinlichkeit, dass sich hohe Investitionen in Toren und Titeln niederschlagen. In England hat der Scheichclub Manchester City inzwischen die Spitze erobert und auch in Spanien hat das klassische Duo längst wieder Levante auf die Plätze verwiesen.

Raul Rojas hat sich angeschaut, wie oft die gleichen Teams in den großen Ligen in den vergangenen zwanzig Jahren gewannen und welchen Anteil der Marktwert der Mannschaften am gesamten Transferwert aller Spieler hatte. Seine Erkenntnis:

In Spanien garantieren 50% des Liga-Transferwertes (drei Vereine) 85% der Meistertitel. In Italien sind vier Teams für 50% des Wertes der Liga verantwortlich und sie erhalten auch 85% der Titel. In der Premier League spielen fast nur vier Teams um die Meisterschaft: Sie bringen es auf 45% des Werts der Liga und erhalten 90% der Titel. Nur die Bundesliga ist wiederum etwas ausgeglichener: Hier braucht man 7 Vereine, um auf 95% der Titel zu kommen, obwohl 50% der Titel in den letzten 20 Jahren auf die Bayern entfielen.

Über alle Ligen hinweg zeige sich, dass die Vereine, deren Teams etwa 60% des Werts der Liga darstellen, durchschnittlich ungefähr 9 von 10 Titeln gewinnen. „Alles andere ist ein Betriebsunfall, der nie ausgeschlossen werden kann, der aber immer unwahrscheinlicher wird.“

Doch selbst zwischen den finanziellen Giganten gibt es deutlich Unterschiede in der Effizienz. So gelang es Manchester United im betrachteten Zeitraum mit nur 12 Prozent des Ligawertes 60 Prozent der Titel zu holen. „An diesem Maßstab gemessen ist der Trainer Sir Alex Ferguson ein Finanzgenie, das ständig die getätigte Investition verfünffacht“, schreibt Rojas. „Ferguson ist zweifellos der König Midas des Fußballs“.

» 20.02.2012, 19:40

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