» 02.12.2011, 00:03

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Fußballkultur als Rendite

Union Berlin gibt eine der ungewöhnlichsten Aktien aus. Der Preis für Verein und Fans ist hoch, der Symbolcharakter auch.

Solch eine Aktie gab es selten: „Bitte erwarten Sie keine jährliche Rendite und hoffen Sie nicht auf kurzfristige finanzielle Vorteile“, warnt der 1. FC Union interessierte Zeichner zur Sicherheit. Wobei die wohl wissen, worauf sie sich einlassen. Der Berliner Zweitligist verkauft sein Stadion, um einen Ausverkauf zu verhindern. „Wir verkaufen unsere Seele – aber nicht an jeden“, heißt entsprechend die selbstironische Werbekampagne, garniert mit Bildern von Silvio Berlusconi, Sepp Blatter und einer zertretenen Red Bull Dose.

Der österreichische Energiebrauseproduzent fand das jedoch gar nicht komisch – wird er doch so wieder einmal zum Gegenstück dessen stilisiert, was Union darstellt. Kommerz gegen Fußballkultur, selten kulminierte dieser Dauerkonflikt des Profifußballs so in einem Projekt, wie bei dieser Aktie.

Neue, einander ähnelnde Arenen mit häufig wechselnden Namen haben traditionsreiche Stadien verdrängt. Fahnenschwenker, Einlaufhymnen, Klatschpappen, Tormusik – Fußball ist Entertainment, ist Show geworden. Und Fußball läuft Gefahr, beliebig und austauschbar zu werden.

Das wollen die Köpenicker nicht und sich durch eine Urkapitalistische Praxis vor dem Fußballkapitalismus schützen.

Die Regeln sind daher strikt, man muss Vereinsmitglied sein, darf maximal zehn Papiere halten, ein Weiterverkauf und selbst die Verschenkung bedürfen der Genehmigung des Vorstands. Und trotzdem ist das Papier gefragt. Eine lange Schlange hatte sich vor dem Informationsbüro gebildet, dreieinhalb Stunden vor Öffnung war der erste Interessent gekommen. Am ersten Tag gab es Anträge auf 1000 Papiere á 500 Euro. Insgesamt ist die Zahl der Aktien auf 10.000 limitiert.

Fünf Millionen Euro will Union so einnehmen und die Modernisierung des Stadions, vor allem den Bau der neuen Haupttribüne zu finanzieren. Im Gegenzug werden die Aktienfans zu Gesellschaftern der Stadionbetriebs AG. „Sie werden Eigentümer und entscheiden künftig gemeinsam mit allen Aktionären über grundsätzliche Fragen, wie die Vergabe des Stadionnamens, weitere Kapitalerhöhungen oder den Einstieg von Investoren“, wirbt der Verein.

Doch der Preis ist hoch. Union schützt sich gewissermaßen selbst davor, beispielsweise den symbolträchtigen Namen „Alte Försterei“ für einen Sponsor aufzugeben. Für diesen Verzicht – wobei die Aktieninhabenden Fans natürlich auch anders entscheiden können – bekommt Union zwar einmalig die jetzt benötigten fünf Millionen Euro – doch dem Stadion eines Bundesligisten seinen Namen zu geben, ist vielen Firmen drei Millionen und mehr wert – pro Jahr wohlgemerkt.

Hoch ist der Preis zudem auch für die Fans. 500 Euro sind für viele Anhänger eine Menge Geld. Und Gewinn ist wie gesagt mit den Papieren nicht zu machen. Während bei den in letzter Zeit äußerst poulären Anleihen ordentliche Zinsen gezahlt werden, beim FC St.Pauli derzeit beispielsweise sechs Prozent, ist der Erwerb der Union-Aktie letztlich nicht nur ein unverzinstes Darlehen, sondern ein Geschenk der Fans an den Verein.

Der Club wiederum schenkt seinen Anhängern damit ein Treuebekenntnis zurück, wie man es im Profisport selten hat.

» 02.12.2011, 00:03

    4 Kommentare zu “Fußballkultur als Rendite”


  1. Pampa sagt:

    Na, haben Sie jetzt dem Chef auch noch den Chef-Blog abgestellt? Schreiben kann man bei RTY selbst jedenfalls nicht mehr. Union Berlin und der SSC Neapel sind schon tolle Vereine. ;-)

    In Liebe
    Pampa

  2. Pampa sagt:

    … achso, Verlierer versuchen etwas und bemühen sich, Gewinner gehen heim und vögeln die Ballkönigin, Gewinner sind natürlich Bayern-Fans. ;-)

  3. ovoss sagt:

    @pampa Die Kommentare beim Chef sollten wieder gehen. …achso, zum Glück will nicht jeder die Ballkönigin und Langweilerfan von Dauergewinnern sein.

  4. Zamir Zebulovic sagt:

    Herr Voss,

    fussball annodazumal mit dem gewaltigsten ablenkungs-
    potential für die massen, ist heute zur farce verkommen
    und widerdpiegelt nur die aktuellen, maroden
    gesellschaftsverhältnisse.
    Späteuropäische dekadenz mit millionärsjüngelchen,
    die durch ein paar gymnastischen übungen steinreich werden,
    um ihre zuschauer und fans zu veräppeln, so isses.

    Gruß Zamir

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