Erfolg für Hartplatzhelden und den Wettbewerb

Urheber- und Verwertungsrechte im Internet sind auch im Fußball ein großes Thema. Tore und Zusammenfassungen wichtiger Spiele findet man oft schon kurz nach Abpfiff bei Youtube und auch die Bundesliga oder Champions League per Livestream im Netz zu verfolgen, ist kein Problem. Dafür muss man nicht einmal wie einst obskure ausländische Kommentare in Kauf nehmen, sondern es gibt die Liveübertragungen von Sky kostenlos und natürlich illegal.

Für Vereine und Verbände ist das ein Problem. In Großbritannien wurden in den vergangenen zwei Jahren mindestens 80.000 illegale Streams vom Netz genommen. Doch die Rechteinhaber kommen den illegalen Anbietern kaum hinterher.

Ganz anders sieht es dagegen im Amateurbereich aus. Hier gibt es nicht einmal legal viele Möglichkeiten, Spiele im Fernsehen oder Internet zu sehen. Eine beliebte und viel gelobte Ausnahme ist das Online-Portal Hartplatzhelden. Hier können Vereine, Spieler oder Fans ihre spektakulärsten Tore und andere Spielszenen veröffentlichen. Fans bewerten sie und prominente Juroren wie Miroslav Klose oder Günther Jauch küren regelmässig die besten Tore.

Der Württembergische Fußballverband (WFV) kämpfte jedoch seit drei Jahren gegen die Hartplatzhelden. Da der Verband den Spielbetrieb organisiere, wollte er sich auch das Vermarktungsrecht vorbehalten. Der Streit hat Symbolkraft und dürfte zum Präzedenzfall für andere Fälle und Sportarten werden. Denn die Württemberger haben bereits Nachahmer gefunden: Der Hessische Fußball-Verband (HFV) hat beispielsweise dem Kreisligisten VfL Philippstal untersagt Videos seiner Spiele auf Youtube hochzuladen.

Im Mai 2008 hatte das Landgericht Stuttgart dem Württembergischen Verband Recht gegeben, das Oberlandesgericht bestätigte die Entscheidung. Heute entschied nun der Bundesgerichtshof (BGH) und urteilte im Sinne der Amateur-Sportschau. Der Bundesgerichtshof hat ein ausschließliches Verwertungsrecht des klagenden Verbandes verneint und die Klage dementsprechend abgewiesen.
Ein Fußballverband müsse hinnehmen, wenn kurze Filmausschnitte von Amateurfußballspielen seiner Mitglieder im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden, erklärte der BGH. Die Vereine könnten jedoch Filmaufnahmen untersagen, darüber würden die Rechte des Verbandes sichergestellt.

„Heute ist ein Stück Freiheit für das Internet erkämpft worden, aber auch für Vereine und Spieler“, sagte Oliver Fritsch, Hartplatzheldenbetreiber, Sportjournalist und erfolgreicher Landesligatrainer.

Die Entscheidung ist nicht nur ein Erfolg für das Videoportal und seine Nutzer, sondern auch für das Wettbewerbsrecht. Denn in der Klage und dem vorherigen Urteil ging es nicht wie in entsprechenden Fällen im Profibereich um den Mißbrauch von Urheberrechten, sondern die Funktionäre hatten sich auf das „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ berufen. In der Entscheidung des Oberlandesgerichts hieß es:


Die Betätigung der Beklagten stelle eine unlautere Nachahmung im Sinne des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) dar. Der Kläger habe zurecht geltend gemacht, dass durch das angegriffene Internetportal Leistungen nachgeahmt würden, die nur er verwerten dürfe.

„Nachahmung? Von was?“, fragte da nicht nur Carta-Autor Jürgen Kalwa. So eine Begründung hätte man bei einem Verbot der Kicker.tv-Filmchen im Videospielstil, die Bundesligatore per Computeranimation nachstellen, ja verstanden, aber bei einer Plattform für das Originalvideomaterial anderer Leute?

Hinzu kommt, dass noch gar kein Wettbewerb existierte, als der Rechtsstreit begann. Erst später startete der DFB gemeinsam mit der Deutschen Telekom die Seite Fussball.de. Hier gibt es – etwas versteckt neben all den Profiinhalten – inzwischen auch Videos aus dem Amateurbereich. Da fragt man sich schon, was eigentlich die Nachahmung ist.

Für die Entscheidung des Bundesgerichtshofs „maßgeblich war, dass die Veröffentlichung der Filmausschnitte entgegen der Ansicht des Oberlandesgerichts keine unlautere Nachahmung eines geschützten Leistungsergebnisses darstellt.“
Die Hartplatzhelden dürfen also weiter machen und die Verbände können nun auf Fussball.de zeigen, was sie zu bieten haben. So stellt man sich Wettbewerb vor.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Alle Kommentare [1]