SEPA – Online-Lastschrift gerettet

Gute Nachricht für Online-Händler und andere E-Commerce-Anbieter: Lastschriften, die im Internet per Mausklick erteilt werden, sollen auch im SEPA-Zeitalter weiter von den Banken akzeptiert werden.

Nach einer Monate langen Hängepartie haben Bundesfinanzministerium und Deutsche Bundesbank endlich für Klarheit in Sachen Online-Lastschrift gesorgt. Auch nach dem 1. Februar 2014 – dem Stichtag für die Einführung der neuen „europaweit einheitlichen“ Standards im bargeldlosen Zahlungsverkehr – sollen in Deutschland Kunden im Internet ohne Kreditkarte oder Online-Banking einfach unter Angabe ihrer Kontoverbindung bezahlen können. An der hiesigen Geschäftspraxis soll nicht gerüttelt werden. Darauf einigten sich bereits Ende August die Mitglieder des SEPA-Rates.

Eine Klarstellung war überfällig

„Dies ist ein wichtiges Signal für den deutschen Markt. Nun haben wir Klarheit bei der Nutzung der Lastschrift im Internethandel“, feiert Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, den eher mühselig erzielten Konsens zwischen der Deutschen Kreditwirtschaft und den im SEPA-Rat vertretenen Wirtschafts- und Sozialverbänden. Denn hinter den Kulissen brodelte es schon seit geraumer Zeit. Vor allem Online-Händler, aber auch Telekommunikationsunternehmen, Vereine und Wohlfahrtsorganisationen wussten lange Zeit nicht, wie sie mit den neuen, durch die Kreditwirtschaft kräftig verschärften Regelungen umgehen sollten. So war ursprünglich vorgesehen, dass künftig Lastschriften nur mit einer Unterschrift auf Papier möglich sein sollten. Das hätte bedeutet, dass Unternehmen und Vereine in Deutschland millionenfach ihre Kunden und Mitglieder hätten auffordern müssen, zum Briefkasten zu laufen, um ihnen (mitunter sogar nachträglich) händisch unterschriebene Mandate zuzuschicken. Ein Szenario, dass viele Unternehmen und Vereine bislang davon abgehalten hat, sich des Themas SEPA-Lastschrift überhaupt anzunehmen.

Banken gingen monatelang öffentlich auf Tauchstation

Vor allem die Deutsche Kreditwirtschaft hat bei dem Gezerre um die neue SEPA-Lastschrift keine gute Figur abgegeben. Im Herbst 2012 hat der Deutsche Bundestag den Weg für die SEPA-Umstellung freigemacht. Damals sprachen sich alle politischen Parteien mit klaren Worten dafür aus, dass die Online-Lastschrift deutscher Machart erhalten bleiben solle. Die Wirtschaftsverbände und die Deutsche Kreditwirtschaft erhielten den Auftrag, sich gemeinsam um eine Lösung zu bemühen. Doch die Banken stellten sich mehr taub, als dem Aufruf des Bundestags zu folgen. Monatelang pochten die Geldinstitute störrisch auf händisch unterschriebene Lastschriftmandate.

Das Risiko liegt weiterhin bei den Online-Händlern

Selbst als der Branchenverband BITKOM Anfang Juni der Deutschen Kreditwirtschaft eine praktikable Softwarelösung vorschlug, bei der aus dem Internet-Mandats-Formular eine PDF erzeugt wird, reagierten die Banker mit beredtem Schweigen. Jetzt aber ist endgültig klar: Alles bleibt vorerst wie es ist.Wie bisher auch muss im Streitfall der Zahlungsempfänger (also der Online-Händler) beweisen, dass er über ein autorisiertes Mandat verfügt. Und wie bisher auch wird es letztlich davon abhängen, ob eine Bank einen Online-Händler für ausreichend kreditwürdig einstuft, um ihm auch auf Basis von Online-Protokollnotizen zu ermöglichen, das SEPA-Lastschriftverfahren überhaupt anbieten zu können.

Europaweite Lösung für E-Mandat gefordert

Über kurz oder lang muss eine kundenfreundliche europaweite Lösung für die elektronische Erteilung der Lastschriftmandate her. Auch das stellten Bundesfinanzministerium und Deutsche Bundesbank noch einmal klar. Auch hier sind wiederum die Banken gefordert. Sie haben es bislang verschlafen, eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung für das E-Mandat aufzubauen.

Lesen Sie auch:

Was BITKOM-SEPA-Fachmann Hans-Rainer van den Berg über den Konsens zur Sepa-Online-Lastschrift schreibt. Van den Berg setzte sich monatelang für eine Lösung zum Erhalt der Online-Lastschrift ein. http://www.vdb.de/

http://www.einzelhandel.de/index.php/presse/aktuellemeldungen/item/123122-sepa-online-lastschrift-weiter-m%C3%B6glich.html

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Alle Kommentare [4]

  1. Ganz wichtig bleibt die Aufklärung, wie am einfachsten die Mandatsreferenznummer vergeben werden soll. Nur mit Zahlen ist dem Kunden nicht geholfen. Klarnamen von dem Zahlungsempfänger und dem Kunden bringen Klarheit. Tipps dazu fehlen noch .

  2. … und welche Bank spielt mit? („online-kompatible“ SEPA-Vereinbarung!)

    Habe bisher noch keine Bank gefunden, die mir eine für mein Online-Geschäft passende SEPA-Lastschrift-Vereinbarung vorgelegt hätte. In den mir vorgelegten Vertragsformularen wird von mir die Zusicherung verlangt, dass wir, die wir online Lastschriftermächtigungen von Kunden haben, ein SCHRIFTLICHES Lastschriftmandat (nach SEPA-Standard) MIT UNTERSCHRIFT DES KUNDEN einholen. Ein Banker sagte mir dazu: „Na ja, das steht da halt, aber wir wollen diese Unterlagen ja normalerweise nicht von Ihnen gezeigt bekommen.“ Man legt uns also einen Vertrag vor, von dem (bei der Natur unseres Geschäfts) von vornherein klar ist, dass wir ihn
    brechen werden. Das kann ja wohl nicht die Basis für die schöne neue SEPA-Welt sein, oder!?

    Also ich suche noch eine Bank, die eine SEPA-Vereinbarung anbietet, die auch zu meinem Online-Geschäft passt (also ohne die Forderung der
    Schriftform und der Unterschrift – dagegen können wir ein archiviertes PDF mit der dem Kunden gesandten Bestätigung der erteilten Einzugsermächtigung vorlegen, wenn nötig).

    63 Arbeitstage vor der Umstellung wird es langsam Zeit, dass von den Banken praktikable Verträge vorgelegt werden. Sonst ist die Online-Lastschrift nicht gerettet, sondern tot.

  3. der größte schwachsinn aller zeiten , das der einzug nur im online modus
    möglich ist.
    was machen vereine die keinen online modus haben ?

    komplizierter kann man nicht aggieren E U lässt grüssen.

    bei welcher bank kann man beitragsmandate in papierform verwenden?
    eine möglichkeit muß es doch geben , wenn kein online besteht,
    oder sind wir so ein armes deutschland ?

  4. Wir stellen ab dem 01.Januar 2014 eine Lösung des SEPA-Problems zur Verfügung.
    Neben einer geforderten „eigenhändigen Unterschrift“, kann das Mandat mit einer Telefon/SMS-PIN verifiziert werden.
    Damit ist jeder Online-Händler auf der sicheren Seite.