Dennis Nally – der starke Mann an der Spitze von PwC

PwC-Weltchef Dennis Nally hat sich im Wettrennen um die globale Marktführerschaft mit Deloitte in den vergangenen dreieinhalb Jahren erfolgreich geschlagen. Seit kurzem steht fest: Der Amerikaner soll bis 2017 PwC-Weltchef bleiben.

Das muss weh getan haben. Im Sommer 2010 war Dennis Nally gerademal ein Jahr Chef des größten Wirtschaftsprüfungsnetzwerks der Welt PricewaterhouseCoopers (PwC). Da zog im Rennen um die weltweite Pole Position Erzrivale Deloitte an seinem Haus vorbei. Zwar nur mit einem „Mini“-Vorsprung von neun Millionen US-Dollar. Und PwC schnitt auch im traditionellen Prüfungsgeschäft nach wie vor weitaus besser ab als der Rest der Big Four – Deloitte, Ernst & Young und KPMG. Doch das war nichts gegen das rasante Wachstum Deloittes im Consultinggeschäft.

Dennis Nally - Weltchef beim weltgrößten Wirtschaftsprüfer

Dennis Nally – Weltchef des weltgrößten Wirtschaftsprüfers PwC

„Wir befinden uns in einem richtigen Hunderennen um die Marktführerschaft als größte Firma für Unternehmensdienstleistungen weltweit“, verriet Nally der Financial Times. Doch der Wirtschaftsprüfer, der 1952 in Washington als zweites von fünf Kindern eines FBI-Mitarbeiters geboren wurde,  scheint für solche Rennen wie geschaffen. Nally brauchte nur ein Jahr, um Deloittes Vorsprung wieder einzuholen. 2011 vermeldete PwC ein Umsatzplus von zehn Prozent auf 29,2 Milliarden US-Dollar weltweit. Damit lag der neue,  alte Branchenprimus wieder 423 Millionen US-Dollar vor Deloitte. Kürzlich vermeldete PwC  für 2012 einen Rekordumsatz von 31,5 Milliarden US-Dollar. Damit erzielte PwC diesmal 200 Millionen US-Dollar mehr als die globale Nummer zwei Deloitte.

„Es sind herausfordernde Zeiten – was den Zustand der globalen Wirtschaft betrifft, aber auch was die Regulierungen angeht, denen der Berufsstand der Wirtschaftsprüfer begegnet“, sagt Nally. Der heute 60-jährige Wirtschaftsprüfer gilt als durchsetzungsstark und als erfahren darin, Unangenehmes an sich abgleiten zu lassen. Als Sportsmann – er spielt Golf und segelt – soll Nally auch nicht davor zurückschrecken, sich selbst zu quälen. Um auf dem Golfplatz den Ball knapp 30 Meter weiter schlagen zu können, übte sich der Vater von vier Kindern vor wenigen Jahren noch im sogenannten Bikram Yoga. Bei 40 Grad Hitze nahm er über 90 Minuten 26 verschiedene Yoga-Positionen ein, um seine Muskeln zu trainieren. Bis ihm irgendwann einmal bewusst wurde, dass er seine Muskeln dadurch überreizte. Unabhängig davon aber bringt er seine Herz-Kreislaufsystem drei- bis viermal in der Woche in Schwung.

Nally arbeitet seit 38 Jahren für PwC. Nach seinem Studium an der Western Michigan University begann der gläubige Katholik 1974 im Detroiter Büro, 1985 stieg er zum Partner auf und war von 2002 bis 2009 US-Chef von PwC. 2009 schließlich wählte ihn die weltweite PwC-Partnerschaft an ihre Spitze. Seine Wiederwahl hängt im großen Maße damit zusammen, dass er den Paradigmenwechsel, den die globale Wirtschaftsprüferbranche derzeit durchlebt, maßgeblich mitgestaltet. Nally hat ein klares Ziel: Er will, dass PwC Branchenprimus bleibt. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet:

1. Das Geschäft verlagert sich in die Wachstumsregionen Asien, Mittlerer Osten und Lateinamerika. Als Nally 1974 mit 22 Jahren im Detroiter Büro von Pricewaterhouse als Wirtschaftsprüfer anfing, war die Prüferwelt noch eine andere. 80 Prozent ihres Umsatzes machte die Firma damals noch mit Abschlussprüfungen in den USA.  Heute – 38 Jahre später – hat PwC mehr als 180.000 Mitarbeiter in 158 Ländern. Nally hat sich auf die Fahne geschrieben, spätestens 2016 bis zu 40 Prozent des weltweiten PwC-Umsatzes von derzeit 31,5 Milliarden US-Dollar in Asien, im Mittleren Osten, Südamerika und Afrika zu machen. Heute liegt dieser Anteil bei knapp 20 Prozent.

2. Die großen Prüfungsgesellschaften verwandeln sich in Allround-Dienstleister. Als Nally im Sommer 2009 sein Amt als Weltchef von PwC antrat, waren die Prüfungshonorare in vielen Regionen der Welt im Keller. Nach dem Enron-Skandal aber hatte man in der Wirtschaftsprüferbranche einige Jahre lang geglaubt,  allein in der Wirtschaftsprüfung, allenfalls noch in der Steuerberatung nennenswertes Wachstum erzielen zu können.

Die Forderungen nach einer strikten Trennung zwischen Prüfung und Beratung, die Anfang der 2000er Jahre deutlich formuliert worden waren, hatten dazu geführt, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ihre Beratungsaktivitäten verschämt unter der Bezeichnung „Advisory“ versteckt hielten. Im Frühjahr 2009 allerdings zeichnete sich  ab, dass die US-Behörden doch nicht so strikt auf die Trennung von Prüfung und Beratung beharrten wie die Wirtschaftsprüfergemeinde weltweit gedacht hatte.

Im März 2009 kündigte Deloitte an, die Public-Government-Sparte der in Schieflage geratenen ehemaligen KPMG-Tochter BearingPoint in den USA zu übernehmen. Und die Behörden ließen den Deal zu. Dabei hatte doch KPMG nur wenige Jahre zuvor BearingPoint verkauft, um aller Welt zu zeigen: Wir nehmen Eure Bedenken ernst und beweisen Euch, dass wir die Glaubwürdigkeit unserer Abschlussprüfungen nicht aus Profitgier aufs Spiel setzen. Die Übernahme des Filetstücks von BearingPoint durch Deloitte machte nun aller Welt deutlich: Wer nur frech genug ist, gewinnt. Schließlich war Deloitte, die einzige Big-Four-Firma gewesen, die sich gerade nicht nach dem Enron-Skandal von ihrer Beratungssparte getrennt hatte. Dies aber verschaffte ihr im Wettrennen um die Marktführschaft nun die Pole Position. Die Konsequenz: Ab 2009 wagten sich alle Big-Four-Gesellschaften wieder völlig ungeniert in das Beratungsgeschäft vor.

Mit dem Argument, den globalen Konzerngiganten als Prüfer nur Stand halten zu können, wenn sie selbst finanzkräftig genug sind, um auch Großkunden in die Knie zu zwingen, ist den Big Four mittlerweile jedes Geschäftsmodell recht. Auch Dennis Nally arbeitet hart daran, PwC als Strategie-, als Transaktions-, als Risikomanagment-, Sanierungs-, Restrukturierungs-, IT- und Prozessberater, als Rechtsberater, als Gutachter, als Experte für Compliance, als Investigator und Korruptionsbekämpfer und nicht zuletzt als Dienstleister für Datenanalysen zu positionieren.

3. Die Big Four mutieren zu mächtigen Publikationsmaschinen. Über das Internet setzt PwC genauso wie die anderen drei Giganten der WP-Szene eine Marktstudie nach der anderen in die Welt. Dabei kommt ihnen das seriöse Image des ehrwürdigen Berufstands des Wirtschaftsprüfers zugute. Wer im öffentlichen Auftrag unterwegs ist, dem wird kaum einer so leicht die Seriosität absprechen können. Gefielen sich bis kurzem noch die namhaften Strategieberatungen McKinsey, BCG & Co in der Rolle der angeblichen Alleskönner im Beratungsmarkt, so sind es jetzt die Big Four die die Taktzahl vorgeben.

Über immer mehr Finanz- und Wirtschaftsthemen versuchen sie, die publizistische Deutungshoheit zu gewinnen. Wie sieht es um die kommunalen Finanzen in Deutschland aus? Wie um das Gesundheitswesen, den Medienmarkt, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilwirtschaft? Lesen Sie die Benchmarkstudien der großen WP-Gesellschaften! Dann wissen Sie, was in der Welt passiert!

Die Frage ist, wie lange die übrige Beraterszene – angefangen von den Strategieberatern über die Wirtschaftskanzleien bishin zu den IT-Beratern und Anbietern von Datenanalysen –  dabei zuschaut, wie die Wirtschaftsprüfungsgiganten immer weitere Teile des Marktes für sich erobern. Wo beginnt und endet  hier der öffentliche Auftrag eines Wirtschaftsprüfers und wo der freie Wettbewerb?

Zur Person: Dennis Nally

Geboren 10. November 1952 in Washington

Ausbildung: Master-Abschluss Rechnungswesen, Western Michigan University, Executive-Programme an der Columbia University und Penn State University

Berufliche Stationen:

1974 Wirtschaftsprüfer im PwC-Büro in Detroit, Michigan

1985 Partner und Leiter des PwC-Büros in Dayton, Ohio

1992 Direktor für Strategische Planung PwC USA, New York

1998 Leiter der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungssparte von PwC, USA

2000 Managing Partner von PwC, USA

2002 Vorstandschef und Senior Partner von PwC, USA

2009 – 2013 Vorstandschef von PwC International (1. Amtszeit)

2013 – 2017 Vorstandschef von PwC International (2. Amtszeit)

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