Riedls Dax-Radar http://blog.wiwo.de/dax-radar Aktien, Trends, Prognosen – von Anton Riedl Fri, 10 Feb 2012 13:15:52 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.2.1 Kurze Korrektur, neue Chancen http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/10/kurze-korrektur-neue-chancen/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/10/kurze-korrektur-neue-chancen/#comments Fri, 10 Feb 2012 09:14:06 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1438 Zunehmend tut sich der Dax schwer, wird von Turbulenzen um das griechische Sparpaket erschüttert. Mittelfristig eröffnet die Korrektur Einstiegschancen.

Vor kurzem war ich auf einer Investment-Veranstaltung, auf der ein bekannter Aktienstratege sprach. Es war einer von den Optimisten, dessen Argumentation im Kern auf folgendes hinauslief: Die Notenbanken werden die Märkte solange mit Geld überfluten, bis das Finanzsystem und die Konjunktur gerettet sind. Danach geht es ans Aufräumen, ans Einsammeln der Liquidität. Und wenn dabei als Restrisiko etwas Inflation übrig bleibt, auch nicht schlecht. Das hilft dann den Staaten beim Abbau ihrer Schulden – auf Kosten des Sparers und Anlegers natürlich. Aber für den ist das gesamte System ja auch gerettet worden.

Nun, man mag zur aktuellen Geldpolitik stehen wie man will (die Gründerväter der Bundesbank dürften sich im Grabe herumdrehen), völlig absurd ist diese Strategie nicht; zudem sind die Alternativen – vor allem die eiserne Sparpolitik – auch umstritten; und erst recht der von Apokalyptikern favorisierte Schlussstrich und komplette Neuanfang – Stecker ziehen und alles auf Reset. Die Welt ist zwar kein Ponyhof, eine Festplatte aber auch nicht.

Korrektur ja, Crash nein

Bemerkenswert dabei ist, dass selbst der optimistische Stratege von der aktuellen Marktstärke überrascht war. Zwar gab es bei allen markanten Hürden im Dax (um 6100, um 6400 und jetzt wieder um 6800) Stockungen im Aufschwung, eine kräftige Korrektur ist bisher jedoch ausgeblieben; vom einem endzeitlichen Crash ganz abgesehen.

Wenn man vor diesem Hintergrund die Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte betrachtet und hierbei nicht nur die Indizes, sondern die Einzelwerte unter die Lupe nimmt, ist diese Stärke umso erstaunlicher. Denn hier drehen, klammheimlich hinter den Indizes, immer mehr Einzelwerte nach oben; mit richtigen, klassischen Bodenformationen.

Nun könnte man natürlich sagen, dieses Mal ist alles anders, die Märkte sind viel zu optimistisch, das dicke Ende kommt noch. Aber trotzdem steigen die Aktien weiter. Erst kamen die Defensiven, dann zogen die Zykliker los, im dritten Schritt sogar die Finanzwerte. Diese Rotation der Branchen hat den Effekt, dass die Gesamttendenz stabil ist und Schritt für Schritt weiter nach oben zeigt – eben aufwärts mit Angst.
 
Und solange selbst Optimisten den steigenden Kursen ungläubig zusehen, ist die Rückschlagsgefahr begrenzt.

Wie könnte nun das Szenario im Dax aussehen?  Seitdem die 200-Tage-Linie nach oben nachhaltig übersprungen wurde und der Dax dabei mit Dynamik weiterstieg, hat der Markt ein klassisches mittelfristiges Kaufsignal gegeben. Ebenfalls klassisch für eine Aufwärtswende wäre jetzt eine Rückbewegung der Kurse (bei sinkenden Umsätzen) wieder in die Nähe der 200er-Linie oder sogar auf sie drauf.

Das passt mit der Linie selbst gut zusammen, die in den vergangenen Wochen von 6400 auf 6300 gesunken ist. Eine sinkende 200er-Linie signalisiert, dass der Markt noch empfindlich für Rückschläge ist.

Interessant ist nun, wie sich die 200er-Linie in den nächsten Wochen verhalten wird. Genau kann das natürlich niemand sagen, weil man ja nicht weiß, welche Kurse jeweils aktuell hereingerechnet werden. Doch man weiß, welche Kurse herausgerechnet werden. Und da wird es in 60 Tagen, durch den Rückschlag vom vergangenen Sommer, eine deutliche Veränderung geben. Sehr schwache Notierungen werden herausgerechnet, die Linie bekommt damit einen massiven Drive von unten.

Das heisst: Wenn der Dax sich in den nächsten Wochen nur einigermaßen hält (sagen wir zwischen 6300 und 6800), dann wird die 200er-Linie im Frühjahr deutlich nach oben drehen. Technisch wäre der Markt dann reif für einen längeren Anstieg.

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Aktien aufwärts mit Angst http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/06/aktien-aufwarts-mit-angst/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/06/aktien-aufwarts-mit-angst/#comments Mon, 06 Feb 2012 15:05:45 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1425 Immer mehr Indizes und Einzelwerte ziehen nach oben. Der Anstieg gewinnt an Breite – und könnte so eine kurzfristige Korrektur gut verkraften


An die 25 Prozent hat der Dax nun seit November gut gemacht, in einem Umfeld, das von Staatspleiten, Rezessionsprognose und Anlegerängsten geprägt ist. Und ein Ende ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Der Aufschwung wird sogar breiter.

Der aktuelle Kursaufschwung hat drei Hauptgründe:

Die enorme Liquidität, die kaum noch sinnvolle Anlage findet und deshalb in den Aktienmarkt strömen muss;
die Aussicht, dass die Rezession doch nicht so schlimm wird und schneller als erwartet abgehakt sein könnte;
die Hoffnung, dass die Konsolidierung der Schuldenproblematik zumindest so gelöst wird, dass weder die EU auseinanderfliegt noch schwere Rückwirkungen auf die Konjunktur entstehen.

Die Geldschwemme ist Fakt, daran wird sich auch auf absehbare Zeit nichts ändern – dafür sorgt schon die Fed. Und die EZB verfolgt ebenfalls immer mehr diese Liquiditätspolitik.

Die Konjunkturfrage bekommt neue Nahrung durch die neuen Ergebnisse der Unternehmen. Bisher reicht das Spektrum von durchwachsen (in Deutschland Siemens oder Deutsche Bank) bis sehr gut (SAP). Die Ergebnisse passen zu dem, was auf volkswirtschaftlicher Ebene der Ifo-Index andeutet: Kein so tiefer Fall wie befürchtet und im späteren Jahresverlauf wieder eine Erholung.

Bleibt als Damoklesschwert die Schuldenfrage.

Lösen im Sinne einer Begleichung der Schulden wird sich dieses Thema ohnehin nicht – daran glaubt ernsthaft kein Mensch mehr. Es geht nur noch darum, wie das Schuldenmachen verwaltet wird, wie mit Hilfe sehr weiter Schuldengrenzen das gesamte Finanzsystem am Laufen gehalten wird.

Die Medizin dafür ist – siehe Grund eins – die endlose Geldversorgung. „Die EZB und die Fed werden die Märkte so lange überfluten, bis der letzte Pessimist ersoffen ist“ – so drückte das vor kurzen ein Marktanalyst  aus. Fragt sich nur, wie sich die aufs Sparen konzentrierte deutsche Regierung in diesem internationalen Konzert in Zukunft platziert.

Es ist gefährlich, eine Stampede aufhalten zu wollen.

Für den Dax heisst das: Auch wenn die Märkte kurzfristig enorm überzogen haben, stimmt mittelfristig die Aufwärtstendenz. Die Zahl der Indizes und Aktien, die einen mittelfristigen Boden gebildet haben und nach oben drehen, wächst von Stunde zu Stunde.

Auch wenn dem Markt schon lange eine kleine Korrektur gut täte, zumindest bis auf die 200-Tage-Linie bei 6400, so hat es derzeit wenig Sinn, sich gegen den Druck nach oben zu stellen.

Wer kurzfristig spekuliert, kommt aus dem Dilemma nicht raus: Steigt er jetzt noch ein, wird die Korrektur kommen. Wartet er ab, wird der Markt weiter steigen – Murphy’s Law.

Wer mittel- bis langfristig investiert ist, kann in Ruhe zusehen, muss jetzt nicht nachlaufen – und kann zum Nachfassen auf die Korrektur warten (…einmal muss sie doch kommen…)
 

 

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Deutsche Bank: Ackermann als Einstiegshilfe http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/03/deutsche-bank-ackermann-als-einstiegshilfe/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/03/deutsche-bank-ackermann-als-einstiegshilfe/#comments Fri, 03 Feb 2012 09:37:27 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1416 Die enttäuschenden Gewinne der Deutschen Bank geben Anlegern die Chance, das Papier in der nächsten Korrektur günstig zu kaufen. 

Als „Horrorzahlen“ bezeichnete eine große süddeutsche Zeitung das Ergebnis der Deutschen Bank. (Und Börsianer, die sich nun auf reihenweise Enttäuschungen einstellen, könnten reichlich Nahrung bekommen.) Doch auch wenn die Deutsche Bank nun im vergangenen Jahr nicht die erwarteten 4,7 Milliarden Euro netto verdient hat, sondern nur 4,3 Milliarden, schlecht sind die Zahlen überhaupt nicht. Für die Börse, die nach vorne blickt, sind sie sogar gerade deshalb eher gut.

Die Zahlen fielen auf den ersten Blick enttäuschend aus, weil die Deutsche Bank im vierten Quartal noch überraschende Abschreibungen reinpackte und zugleich Vorsorge und ein Liquiditätspolster für 2012 aufbaute. Das alles hat mit der operativen Entwicklung wenig zu tun, es geht vor allem um Bewertungen und Kapitalfragen.

Und genau da, beim Eigenkapital, hat die Deutsche Bank stärker zugelegt als allgemein erwartet. Mit anderen Worten: Es ging ihr jetzt bei allem Spielraum darum, stärker Substanz aufzubauen als  mit schönen Zahlen zu glänzen. Dann hat man, sollte 2012 doch ein schwieriges Jahr werden, schon einmal eine gute Voraussetzung, stabil durchzukommen.

Und natürlich sind solche Zahlen immer auch ein Politikum.

 
Es ist die Abschiedsbilanz von Ackermann, die er auf der kommenden Hauptversammlung noch einmal vertreten wird. Wäre diese Bilanz zu strahlend ausgefallen, hätte das Nachfolge-Trio kaum eine Chance, 2012 eine Schippe draufzulegen. Im Gegenteil: Das Risiko, deutlich schlechter abzuschneiden als der alte Joe, wäre immens. Ein solches Risiko kann die Deutsche Bank gar nicht eingehen. Es wäre das Eingeständnis, mit der neuen Führungsstruktur gescheitert zu sein.

Völlig abkippen konnte die letzte Ackermann-Bilanz natürlich auch nicht, seine Verdienste für die Bank sind unbestritten – auch wenn er intern in den vergangenen Monaten allem Anschein nach an Macht verloren hat. Deshalb wurde es ja auch nichts mit seinem Aufsichtsratsvorsitz, obwohl sogar schon Aktionärsschützer das als optimale Lösung gepriesen haben. 

Nun hat die Deutsche Bank unter der neu antretenden Führung eine stabile, finanzielle Basis und  – wenn die Märkte und die Konjunktur 2012 nicht völlig abstürzen – eine gute Chance, einen echten Gewinnzuwachs zu erreichen. In einem Jahr können (und müssen!) die neuen Chefs zeigen, dass sie es drauf haben.

Für die Aktie ist das gar nicht so schlecht.

 
Im ersten Schock ist das Papier sechs Prozent gesunken, hat dann diesen Verlust im Tagesverlauf wieder wettgemacht. Sollten Analysten jetzt vereinzelt die Gewinnaussichten senken, mag der Kurs noch etwas nachgeben – in einer möglichen allgemeinen Marktkorrektur ohnehin. Doch für den weiteren Verlauf des Jahres haben sich die Chancen eher verbessert als verschlechtert.

Zwischen 28 und 33 Euro ist die Aktie der Deutschen Bank  ein interessantes Investment. Und vielleicht gibt es ja dann nächstes Jahr von den neuen Chefs die  längst fällige Dividendenerhöhung.

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Miese Stimmung, starke Kurse http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/01/miese-stimmung-starke-kurse/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/02/01/miese-stimmung-starke-kurse/#comments Wed, 01 Feb 2012 09:35:16 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1401 Der Dax will einfach nicht sinken, schimpfen die Pessimisten. Wahrscheinlich müssen sie sich noch viel länger die Augen reiben.

Die Wirtschaft wird schwächer, die Schulden steigen, Europa steckt tief in der Krise, auf den Euro gibt keiner mehr was, selbst hehre Werte wie Marktwirtschaft und Demokratie werden in Zweifel gezogen. Und was machen die Aktien? – Sie steigen einfach.

Natürlich, reale Probleme sollte niemand kleinreden. Dabei ist ausgerechnet das größte Problem, nämlich die eines Tages möglicherweise drohende Inflation (wenn das Wachstum der Geldmenge auf die Löhne und Preise durchschlägt) derzeit der wichtigste Motor für den Anstieg. Denn wo soll das ganze Geld denn hin, wenn Anleihen nichts mehr bringen (oder total vertrauensunwürdig geworden sind), Gold und Immobilien schon ziemlich teuer sind und Investitionen in der Realwirtschaft angesichts magerer Konjunkturaussichten sich derzeit auch nicht lohnen.

 
Dann bleibt eben nur der Aktienmarkt als großes Auffangbecken für die Geldschwemme.

 

Und noch schöner: Die Papiere dort sind auch ziemlich billig. Denken Sie an selige Hausse-Zeiten zurück. Wann bekam man da Unternehmen mit einer soliden Kapitalausstattung, guten Aufträgen, schönen Gewinnen, satten Dividenden zu Bewertungen von acht bis zehn?

Alles zu optimistisch? Sicher, wenn die Wirtschaft im ersten Halbjahr massiv einbricht und Europa untergeht, dann werden diese Rechnungen anders aussehen. Aber mehr und mehr schält sich das Bild einer nur moderaten Rezession in den Industrieländern und weiterhin starken Schwellenländern heraus.

Genau das setzen die Märkte derzeit um. Konkret im Dax kommt es zwar um 6500 immer wieder zu Stockungen, doch selbst von einem Rücksetzer auf 6100/6200 (wie an dieser Stelle mehrmals beschrieben) ist noch nichts zu sehen.

 

Diese innere Stärke zeigt sich in den führenden Dax-Aktien


Allianz ist bis 85 vorgedrungen, genau an das letzte mittelfristige Hoch. Hier wäre in kleiner Rücksetzer gut, das mittelfristige Kursbild aber ist  robust.

BASF hat bei Kursen bis 60 Euro schon eine komplette Anstiegsphase erfüllt, wäre also reif für eine Pause – aber eben keine nachhaltige Wende nach unten, denn BASF hat schon einen mittelfristigen Boden nach oben ausgebildet.

Daimler sah bis vor kurzem angeschlagen aus – prompt folgte ein überdurchschnittlicher Anstieg, der die Aktie aus der Gefahrenzone brachte. Einen klassischen Boden hat das Papier noch nicht gebildet, dennoch kann die ganze Zone 35 bis 45 Euro Fundament für einen längeren Aufschwung werden.

Deutsche Bank, der Klassiker. Alle Welt haut auf das Geldhaus ein, dabei verdient es fast so viel wie in den besten Jahren. Donnerstag kommen Zahlen. Wenn es real netto 4,7 bis 5 Milliarden Euro werden, dann gäbe das fundamental für die Aktie in normalen Zeiten Spielraum bis weit über 50 Euro. Aber wir leben eben nicht in normalen Zeiten. Technisch wäre selbst ein Rücksetzer auf 28 bis 30 kein Problem.

Siemens, der Enttäuscher. Derzeit klar die schwächste Aktie unter den Big Five im Dax. Dennoch ist auch hier zwischen 70 und 80 Euro die mittelfristige Stabilisierung möglich.

Fazit: Die taktgebenden Aktien haben Stärke aufgebaut und können problemlos eine kurzfristige Korrektur wegstecken, die im Dax vielleicht in Richtung 6100 oder noch etwas tiefer gehen kann. Dass der Markt trotzdem nicht mal in eine solche kurze Korrektur übergeht, zeigt seine stabile Verfassung. Also: Mittelfristig stimmt die Richtung nach oben; kurzfristig heißt es weiter abwarten, ob die vorübergehende Korrektur doch noch kommt.

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Wetten auf die Wiederkehr http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/27/wetten-auf-die-wiederkehr/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/27/wetten-auf-die-wiederkehr/#comments Fri, 27 Jan 2012 09:20:20 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1388 Der Dax ist stark. Viel stärker, als die Untergangspropheten sagen – und sogar stärker, als die Optimisten gedacht haben.

Seit Dezember haben sich an den Rohstoffmärkten die Metallpreise stabilisiert. Kupfer, Aluminium, Nickel – das ist das Trio, das zu den besten Konjunktur- und Börsenindikatoren gehört.

Das zeigte schon der Rückgang im vergangenen Sommer. Frühzeitig drehten die Metalle ab, warnten vor den schwachen Monaten bis Ende 2011. Und nun, ist ihre Erholung seitdem ein untrügliches Zeichen dafür, dass die große Wirtschaftskrise ausbleibt?

Untrüglich vielleicht nicht, aber doch sehr ernst zu nehmen. Kupfer wird von so vielen Branchen verarbeitet, dass der Preis ein feines Barometer für die echte Nachfrage ist. Aluminium ist schon fast ein Symbol für die chinesische Wirtschaft – der ja in der internationalen Konjunkturentwicklung derzeit eine Schlüsselrolle zukommt. Wie groß war vor kurzem die Angst, dass ein Abkippen Chinas die westlichen Länder tief in die Rezession drücken könnte.

Schwellenländer bleiben robust

Nun deutet alles darauf hin, dass nicht nur die chinesische Wirtschaft stabil bleibt, ohne heiß zu laufen; in den gesamten Schwellenländern stellt sich die Situation besser da als erwartet. In Brasilien etwa ist von einer Finanzkrise, wie wir sie in Europa erleben, überhaupt nicht die Rede. Indien spürt es zwar stärker, aber der große Boom ist ungebrochen. Allein Russland und Osteuropa hing in den vergangenen Monaten stärker hinterher. Nun aber stabilisieren sich selbst dort die Märkte (wobei Russland natürlich ein fester Ölpreis zugute käme.)

Wie sich das bei den Unternehmen ankommt, zeigen die jüngsten Zahlen. SAP profitiert vom weltweiten Technologieboom und von der richtigen Unternehmensstrategie, auf das Thema Echtzeitdaten gesetzt zu haben. Siemens dagegen leidet, weil ein großes Thema, das mit viel Tamtam im vergangenen Jahr herumgereicht wurde, bisher zur großen Enttäuschung geworden ist: alternative Energien. Energiekraft aus Wind und Sonne, so verlockend das grundsätzlich sein mag, hat Siemens das Geschäft verhagelt. (Ganz zu schweigen von großen Verlierern der Branche wie Vestas oder Solarworld, deren Aktienkurse sich regelrecht aufgelöst haben.)

Chemie, Stahl, Autos – statt Wind und Sonne

Dagegen erlebt die klassische Industrie ein Comeback. BASF, BMW, Daimler, sogar Thyssen – das sind die Aktien, die im Dax derzeit den Ton angeben. Die Versorger hängen hinterher. Und die Finanzwerte? – Die haben das Zeug dazu, die große, positive Überraschung des Jahres 2012 zu werden.

Handfest wird das bei der Deutschen Bank. Wenn die Deutsche nächste Woche ihre Zahlen vorlegt, die letzten der Ära Ackermann, dann wäre es sehr verwunderlich, wenn es nicht mindestens die 4,7 Milliarden Euro netto wären, die von Analysten im Durchschnitt erwartet werden. Wenn die Wirtschaft 2012 nicht wegbricht und die EU nicht auseinander fliegt, schafft die Deutsche dann 2012, im ersten Jahre der neuen Führung,  locker fünf Milliarden netto.

Für die Aktie wäre das ein echtes KGV von nur sechs. Wenn die Deutschbanker dann nach ihrer HV am 31. Mai auch noch bei der Dividende an alte, gute Zeiten anknüpfen, dann eröffnet das der Aktie mittelfristig Spielraum bis auf 50 Euro und mehr. Zur Erinnerung: Als die Deutsche Bank in guten Jahren rund sechs Milliarden netto verdiente, standen die Kurse zeitweise bei über 100 Euro.

Die heißeste Wette im Dax

Und die Commerzbank? Das ist der heißeste Zock im Dax. 70 Prozent Kursgewinn in elf Tagen sind ein Vorgeschmack auf mehr, wenn die Sanierung gelingt. Freilich, sollte sich die schöne Hochrechnung der gelben Banker als löchrig erweisen, und notfalls sogar der reaktivierte Rettungsfonds wieder eingreifen müssen, wird die Aktie schwer abstürzen.

Für den Dax selbst hat sich die Lage mittelfristig eindeutig stabilisiert. Die gesamten Schwankungen der vergangenen Monate können als erste Phase eines großen Bodens interpretiert werden, der mittel- bis langfristig noch zu deutlich höheren Kursen führen kann.

Aber: Nach mehr als 1000 Punkten Kursgewinn in nur sechs Wochen braucht der Markt eine Pause. Ob es eine Schwankungszone zwischen 6200 und 6600 wird oder doch ein Rückschlag auf unter 6000, bleibt vorerst abzuwarten. Wer mittelfristig im Markt ist, für den sind solche Ausschläge ohnehin kein Thema. Wer kurzfristig handelt, sollte eher auf der vorsichtigen Seite bleiben und erst dann wieder den Hebel nach vorn legen, wenn der Markt ein paar Wochen Verschnaufpause absolviert hat.

 

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Die Luft wird dünner – kurzfristig http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/24/die-luft-wird-dunner-kurzfristig/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/24/die-luft-wird-dunner-kurzfristig/#comments Tue, 24 Jan 2012 14:20:21 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1380 Zwischen 6400 und 6500 fährt sich der Dax fest. Jetzt noch auf den Zug aufzuspringen, ist gefährlich.

Die letzten mittelfristigen Tiefpunkte erreichte der Dax Ende November und dann noch einmal Mitte Dezember. Seitdem ist der Markt nicht nur um bis zu 1000 Punkte gestiegen; seitdem ist an den Märkten auch die Angst vor dem Untergang gewichen.

Zu viel Optimismus? Am besten sichtbar sind die Extreme an einer Aktie wie der Commerzbank, der heißesten Spekulation des deutschen Kurszettels.  

Zocker haben sich eingeschossen – in beide Richtungen

In den vergangenen elf Börsentagen hat die Cobank mehr als 70 Prozent gewonnen. Das sind fast vier Milliarden Euro mehr Börsenwert. Sicher, die jüngsten Pläne der Commerzbank, ohne neue Staatshilfe die erforderlichen Kapitalhürden zu nehmen, klingen vielversprechend (vor allem vor dem Hintergrund der davor dominierenden Untergangssängste ).

Dennoch muss das Ganz auch umgesetzt werde, jetzt folgen die Mühen der Ebene. Und da wird es stark darauf ankommen, ob die Konjunktur auch hält, damit die Commerzbank aus dem operativen Geschäft auch wirklich so viel Geld hereinholen kann, wie geplant.

Zudem, die Aktie ist derzeit das größte Zocker-Papier am deutschen Markt. Das merkte man heute, als bei ziemlich genau 2 Euro große und kleine Zocker ihre kurzfristigen Deals mit der Cobank glatt stellten – und das Papier in wenigen Minuten von plus vier auf minus vier Prozent schickten.

Bei 1,80 bis 2,00 Euro jedenfalls ist die Cobank-Aktie  zu heiß, um damit noch oder wieder einen schnellen Euro nach oben zu machen. Kommt die Aktie wieder auf 1,50 bis 1,70 herunter, steht die Bank auch nicht anders da – doch die Ausgangssituation für den nächsten Kursschub sieht natürlich besser aus. 

1000 Punkte Kursgewinn sind erst einmal genug


Ein möglicher Rücksetzer in der Cobank würde dann auch zu einem Dax passen, der nach 1000 Punkten ebenfalls etwas Luft ablässt und in den nächsten Wochen zumindest noch einmal in Richtung 6000 abdriftet. Das Risiko nach unten ist wieder spürbar größer als die Gefahr, bei einem möglichen weiteren Anstieg etwas zu verpassen.

 

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Rücksetzer wird kommen http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/20/rucksetzer-wird-kommen/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/20/rucksetzer-wird-kommen/#comments Fri, 20 Jan 2012 08:52:52 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1367 6400 erreicht – und jetzt? Nach 1000 Punkten Kursgewinn in vier Wochen ist der Markt anfällig geworden.

Die Stimmung steigt – wieder einmal – mit den Kursen. Es gibt sie zwar immer noch, die Endzeitpropheten, die Raviolidosen horten, doch bei der Mehrheit keimt die Überzeugung, dass wir dieses Mal mit einem blauen Auge davonkommen könnten.

 
Formale Rezession statt Ende der Welt

Nun, es mehren sich die Anzeichen, dass es zwar einen Abschwung geben wird, wahrscheinlich einschließlich Quartal eins  2012 eine formale Rezession, aber eben nicht einen Absturz wie 2008. Es gibt vier zentrale Gründe, warum es in der Tat dieses Mal nicht so schlimm werden sollte wie nach dem Lehman-Crash.

Erstens: Die Notenbanken stehen parat, sie versorgen das Bankensystem schon prophylaktisch, auch in Europa;

Zweitens: Die Unternehmen sind wesentlich besser mit Eigenkapital ausgestattet, eine Eiszeit im Bankensystem schlägt sich nicht mehr so fatal in der Realwirtschaft nieder wie 2008;

Drittens: Die Unternehmen sind in ihren Planungen wesentlich vorsichtiger. 2008 sprachen sie noch lange von einer guten Auftrags- und Geschäftslage, obwohl die Krise schon zu spüren war;

Viertens: Die allgemeine Stimmung war 2007/08 wesentlich unbesorgter, optimistischer, während es derzeit Common Sense geworden ist, über das Ende der Welt (und des Kapitalismus, der Marktwirtschaft, der Demokratie usw.) zu diskutieren. Wenn die Mehrheit die Apokalypse plant, ist ihr Eintreffen ziemlich unwahrscheinlich.

Fundament für eine lange Hausse?

Tiefe Verunsicherung, aber ungewöhnlich stabile Aktienmärkte – das ist eigentlich eine Kombination, in der große Hausse-Bewegungen geboren werden. Dennoch, jetzt einfach den Hebel umlegen und blind nach oben spekulieren, ist gefährlich.
In den nächsten Wochen werden die Unternehmen die Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Und da wird es reihenweise miese Ergebnisse und daran orientiert vorsichtige Prognosen für 2012 geben. Dass die Märkte diese schwachen Zahlen schon verarbeitet haben, ist zweifelhaft.

Eher schon dürften dies dazu führen, dass der Dax nach seinem Hochlauf auf 6400 nun doch eine Pause einlegt. Selbst wenn es kurzfristig, in den nächsten Tagen in einem Überschießen noch bis zu 6600 werden sollten, braucht der Markt für einen nachhaltigen Anstieg erst einmal eine Korrektur. Statistisch ist die Zeitspanne Februar bis Anfang März durch gedämpfte Kurse gekennzeichnet.

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Kleine Kurspause in Sicht http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/18/kleine-kurspause-in-sicht/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/18/kleine-kurspause-in-sicht/#comments Wed, 18 Jan 2012 09:18:09 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1356 Schritt für Schritt kommt der Dax voran. Jetzt wagt sogar die Bundesregierung eine Wachstumsprognose. Dennoch sollte der Dax kurzfristig eine Pause einlegen.

China schafft keine zehn Prozent Wachstum mehr sondern vielleicht nur noch sieben – und schon häufen sich Befürchtungen, dem Riesenreich könnte die Luft ausgehen. Doch trotz Immobilienblase und angespanntem Bankensystem, ein Ende der großen Erfolgsgeschichte Chinas ist nicht in Sicht.

Wie schon in den vergangenen Jahren sind kleine Rückgänge der Dynamik eher gut, schützen sie doch vor einer Überhitzung. Und so haben auch die innerchinesischen Märkte, also die Börsen in Shanghai, auf die jüngsten Meldungen von einem nur noch moderateren Wachstum mit Kursaufschlägen reagiert.

Metallpreise deuten auf Erholung

Noch etwas spricht für die generelle Stärke Chinas (und ist nebenbei auch für die gesamte Weltkonjunktur ein guter Indikator): Die Metallpreise ziehen wieder an. Aluminium (hier ist China der größte Produzent und Abnehmer), Kupfer und auch Nickel drehen nach den scharfen Preiseinbrüchen der vergangenen Monate wieder nach oben. Technisch haben sich hier mittlere Kursböden gebildet, nach denen es mehrere Monate wieder bergauf gehen könnte.

Dieses Kursbild passt zu den jüngsten Wirtschaftsprognosen, die – wie die Bundesregierung – im späteren Jahresverlauf von einer leichten, aber spürbaren Erholung ausgehen.

Und es passt auch zur Stärke zyklischer Werte im Dax wie BASF, den Autos und sogar Thyssen, die seit einigen Wochen deutlich anziehen.

Noch stärker zeigt der MDax die Konjunkturchancen. Der ist sogar einen Schritt weiter als der Dax, weil er die 200-Tagelinie schon genommen hat. Von Top-Werten wie EADS bis Nachholkandidaten wie Salzgitter zieht der Markt wieder an. Und um noch einen Schritt weiter zu kleinen Aktien zu gehen: Auch die Mittelstandsholding Indus dreht nach oben, ebenfalls ein guter Indikator für die Realwirtschaft.

2012 kann besser werden als erwartet

Es gibt immer mehr Anzeichen, dass es 2012 nach einigen schwächeren Monaten im Jahresverlauf eine Erholung gibt. An den Aktienmärkten wäre diese Entwicklung umso durchschlagender, da die Szenarien hier bis zum Weltuntergang reichten.

An den Börsen bemerkenswert war in diesem Sinne der Montag, als der Markt nur für ein paar Minuten noch auf die Herabstufungen der Ratingagenturen reagierte – und dann einfach durchstartete.

Mittelfristig hat sich die Lage im Dax aufgehellt, kurzfristig sollte nach dem jüngsten Hochlauf ein kleiner Rücksetzer erfolgen. Auf der Unterseite wäre bis 6210 noch eine Kurslücke offen.

 

 

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Der Trend hält – noch http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/13/der-trend-halt-noch/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/13/der-trend-halt-noch/#comments Fri, 13 Jan 2012 09:21:23 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1337 Auch wenn sich der Dax zwischen 6200 und 6300 schwer tut, seine kurzfristige Aufwärtsbewegung ist weiter intakt.  Das Umfeld hellt sich sogar etwas auf.

Stärker als je zuvor trägt die EZB zur Krisenbewältigung bei. Vor allem das Funktionieren des Bankensystems liegt Notenbanker Draghi am Herzen. Er hat zwar die Zinsen nicht schon wieder herabgesetzt, wie einige voreilig hofften; dennoch hat er sich Spielraum gelassen, einen solchen Schritt notfalls noch zu tun.

Man mag aus ordnungspolitischen Gründen und in Erinnerung an die alte Bundesbank diese neue Rolle der EZB kritisieren. An den Märkten kommt sie gut an. Europäische Aktien, deutsche zumal, haben sich seit einigen Monaten merklich stabilisiert – auch Finanzwerte.

Comeback der Commerzbank

Im Feuer steht hier vor allem die Commerzbank. Sie muss bis Mitte des Jahres ihre Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen –  und immer mehr Zeichen deuten darauf hin, dass sie es schaffen wird. Im Grunde muss sie es schaffen, denn noch einmal auf die Hilfe des Bundes zu setzen, wäre nichts anderes als ein Scheitern des privaten, staatsunabhängigen Bankgeschäfts.

Spannend wird es, wie dabei die absehbare Hilfsaktion der Allianz konkret aussieht. Ob sie nun ihre Stille Einlage von 750 Millionen Euro nur aufwertet, damit sie als Kernkapital gilt,  oder gleich in Aktien umwandelt.

Der mutigere Schritt wäre die Umwandlung in Aktien – und wahrscheinlich auch der rentablere. Denn Sie würde damit ihren Anteil gleichsam ohne neue Einzahlung von fünf auf rund 15 Prozent erhöhen und dann vom Comeback der Cobank umso stärker profitieren. Der aktuelle Kursanstieg ist ein Vorgeschmack darauf, wohin die Aktie geht, wenn die Sanierung wirklich gelingen sollte.

Die Allianz selbst steht bei Kursen um 80 Euro übrigens auch an einem Wendepunkt. Sie leidet unter wackliger Anleihen genauso wie unter niedrigen Zinsen, die es ihr schwer machen, operativ die notwendigen Renditen zu erwirtschaften. Warum dann nicht die Flucht nach vorne antreten und im Fall der Commerzbank den Hebel umlegen, den man schon in der Hand hat?

Sollte die Allianz-Aktie das Niveau um 80 Euro nachhaltig nach oben durchbrechen, hätte sie mittel- bis langfristig ein sehr positives Signal gegeben.

Kleine Rezession kein Problem für den Markt

Im Dax selbst gibt es immer mehr starke Werte. Derzeit besonders aussichtsreich sind BASF, MAN oder BMW. Das ist umso wichtiger, da die Robustheit dieser Zykliker auch darauf hinweist, dass die Konjunkturaussichten insgesamt so schlecht nicht sind.

Also: Nach dem schwachen vierten Quartal 2011 dürfte noch ein schwaches erstes Quartal 2012 folgen und das die formale Rezession komplettieren. Ob dann das zweite Quartal 2012 schon wieder etwas stärker wird, ist natürlich noch offen. Sollte von der Schuldenfront der wackligen Länder keine neue Hiobsbotschaft kommen, besteht durchaus die Hoffnung auf eine Stabilisierung im zweiten Halbjahr.

 

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Nächstes Ziel 6400 Punkte http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/10/nachstes-ziel-6400-punkte/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/01/10/nachstes-ziel-6400-punkte/#comments Tue, 10 Jan 2012 13:03:20 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1328 Schritt für Schritt baut der Dax sein Gewinne aus. Kurzfristig ist kein Ende des Anstiegs in Sicht.


Die Käufe gehen quer durch den Markt: Finanzwerte wie die Allianz oder die Commerzbank werden genauso gekauft wie die Defensiven (Fresenius) oder klassische Zykliker. Die Stärke zieht sich durch alle Branchen – und das kann den Dax durchaus noch etwas weiter steigen lassen.

Das nächste Ziel wäre die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Börsentage, die derzeit bei 6400 verläuft. Hier lag auch das letzte, mittelfristige Hoch Ende Oktober. Jedes Scheitern vorher ist angesichts der aktuellen Dynamik ziemlich unwahrscheinlich (und wäre zudem ein starkes Signal dafür, dass etwas faul ist am laufenden Anstieg).

Die meisten Negativmeldungen hat der Markt verarbeitet

Natürlich, eine außergewöhnlich negative Nachricht – etwa von der Euro-Front – könnte den Sturmlauf des Dax stoppen. Doch die üblichen Meldungen von den trüben Konjunkturaussichten und den hohen Verschuldungen der Südländer haben kurzfristig wenig Einfluss, sind im Markt seit Monaten verarbeitet.

Ohnehin gibt es von der Konjunktur zwar echte Signale für einen Rückgang (etwa die schrumpfenden Auftragseingänge in der Industrie), doch eine schwere Krise sieht anders aus.

 
In der Chemie etwa, einer klassischen zyklischen Branche, wird 2012 in Europa mit ein bis zwei Prozent Wachstum gerechnet. Das ist natürlich wesentlich weniger als 2011, aber eben auch kein dramatischer Rückfall. Die Autos werden zwar ihre Rekorde von 2011 in diesem Jahr kaum überbieten, dennoch gibt es auch hier die Chance darauf, dass das hohe Niveau verteidigt werden kann.

Gesunde Skepsis auf solider Basis

Dabei haben Aktien derzeit noch einen weiteren Vorteil: Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 sind die meisten Unternehmen gut mit Kapital ausgestattet und sehen ihre Auftragslage keineswegs rosig. Diese gesunde Skepsis auf solider Basis dürfte dazu beitragen, dass 2012 an den Börsen besser wird als 2011.   

 

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