Riedls Dax-Radar http://blog.wiwo.de/dax-radar Aktien, Trends, Prognosen – von Anton Riedl Fri, 18 May 2012 07:51:08 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.2.1 Märkte im Krisen-Modus http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/18/markte-im-krisen-modus/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/18/markte-im-krisen-modus/#comments Fri, 18 May 2012 07:51:08 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1698 Stärker als erwartet kommen die internationalen Aktienmärkte unter Druck. Dennoch, nach vier Wochen scharfer Korrektur ist zumindest eine kurze Erholung möglich.

Die Zuspitzung in der Griechenlandkrise (und die weiterhin angespannte Situation in Spanien und Italien) setzen den führenden Börsen mächtig zu. Dazu kommt ein deutlicher Verfall der Rohstoffpreise, die – gemessen am zentralen CRB-Index – so tief wie seit fünfzehn Monaten nicht stehen. Damit kommt zur Finanzkrise noch die Belastung einer möglichen Konjunkturabschwächung, die sich vor allem im Preisrückgang bei Öl und Kupfer andeutet.

Selbst die bisher starken US-Märkte trifft es schwerer. Im Dow Jones kam es nach dem Rückgang unter 12700 zu Stop-Loss-Verkäufen; auf der Basis um 12400 könnte eine kleine Zwischenerholung starten, dann allerdings droht noch ein zweiter Rückschlag. Dennoch besteht eine Chance, dass sich der Markt auf dem Niveau um 12200 wieder fängt.

Im Euro Stoxx ziehen nun vor allem wiederum die Finanzwerte nach unten, trotz der mittlerweile reduzierten Kapitalisierungen sind sie immer noch hoch gewichtet. Angesichts der Unsicherheit in Griechenland, die mindestens bis Mitte Juni anhalten dürfte, ist auch hier keine Besserung zu erwarten.

Der Dax konnte zwar in seinem jüngsten Rutsch auf der einfach berechneten 200-Tage-Linie (derzeit bei 6183 mit der Chance auf einen Dreh nach oben, wenn die Märkte nicht abstürzen…) kurzfristig  wenden, hat allerdings den seit September bestehenden mittelfristigen Aufwärtstrend verletzt. Mit einer schnellen Erholung auf über 6300 könnte er das noch ausgleichen; am besten wäre das natürlich mit einem festen Wochenschluss – warten wir’s ab.

Ohne Frage haben sich durch den schwachen Mai auch die mittelfristigen Aussichten (also für die nächsten Monate) eingetrübt. Dennoch, nach vier Wochen fast widerstandsloser Kursrückgänge (allein im Dax fast 15 Prozent) ist zumindest eine vorübergehende Erholung möglich. Immerhin ist das saisonale Umfeld von Juni bis Juli dafür nicht einmal schlecht.

 

 

 

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Zitterpartie geht weiter http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/16/zitterpartie-geht-weiter-2/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/16/zitterpartie-geht-weiter-2/#comments Wed, 16 May 2012 08:27:54 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1694 Nach neuen Tiefschlägen fällt dem Dax die Stabilisierung schwer. Nächste Auffangstation ist die Zone zwischen 6200 und 6300.

Zeitweise ist der Dax schon unter 6300 gerutscht, der Euro unter 1,27 Dollar. Das ist zwar noch keine Panik an den Aktienmärkten, dennoch ist die Lage ziemlich fragil geworden – um es einmal vorsichtig auszudrücken.
Was hat sich in den vergangenen Tagen verändert, in denen der Dax – und der Euro Stoxx natürlich noch stärker  – nachgab? An den Wirtschaftsdaten liegt es nicht, die sind alles in allem im Rahmen. Zeitweise etwas gedämpfter aus Amerika, dafür erstaunlich robust hierzulande.

Auch die Unternehmenszahlen stimmen.  Zwar gibt es Ausreißer nach unten wie etwa Thyssen, doch hier war auch schon bisher ein Verlust im jüngsten Quartal abzusehen.

Euro-Buchhalter versus Mega-Emotionen
Die entscheidende kurzfristige Veränderung ist die Verschärfung der Griechenlandkrise. Offensichtlich sind die Märkte zwar von den bisher ausgehandelten erheblichen Lasten ausgegangen, dass aber die Situation im realen Griechenland sich eben nicht buchhalterisch lösen lässt, wurde ausgeblendet.

Und die Hängepartie wird noch dauern. Bis Mitte Juni zur Wahl. Und welche Entscheidung dann kommt und wie die europäischen Regierungen damit umgehen, ist auch noch offener denn je.

Gut möglich, dass mit der neuen Richtung in Frankreich auch Kanzlerin Merkel von ihrer bisherigen Linie ein Stück abgeht – man könnte das auch politisch sehen und sagen: der Wechsel in Frankreich gibt ihr überhaupt erst die Möglichkeit dazu, ohne als Verliererin dazustehen.

Nachdem nun sogar auch die Bundesbank jüngst signalisiert hat, sie würde – zumindest vorübergehend – eine etwas höhere Inflation tolerieren, hat sich als Königsweg bei der internationalen Rettung die Geldflutung durchgesetzt (wie immer man das auch ordnungspolitisch beurteilen mag). 
Wie stark kann die Belastung um Griechenland den Dax zusätzlich noch drücken? Die Abschreibungen bei den Banken und Finanzwerten können weiter zunehmen, andererseits gibt es gerade bei den Eigenkapitalregeln der Banken zuletzt Fortschritte.  Wie hoch die Belastungen für Deutschland sein können, konnten Sie ausführlich in der jüngsten WiWo lesen. An den Märkten werden solche Summe natürlich nicht eins zu eins umgesetzt, in der Regel wird deutlich überzogen.

Führende Aktien angeschlagen

Besteht damit immer noch die Chance auf ein Bodenbildungsszenario im Dax? Ja, aber dass dieses Szenario in den vergangenen Wochen Schritt für Schritt nach unten verschoben werden musste (erst 6600, dann 6400, nun als „letzte“ Untergrenze 6200), ist ohne Frage ein Zeichen für einen angeschlagenen Markt – praktisch gesagt: Keine Basis für solide Investmentkäufe.

Unter den führenden deutschen Aktien haben sich zuletzt gerade einige Schwergewichte verschlechtert: Allianz, Daimler, Dt. Bank und Siemens. BASF sieht noch etwas besser aus, SAP bleibt top (auch wenn hier die Notierungen kurzfristig ebenfalls noch etwas nachgeben können).

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Das Rohstoff-Risiko http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/10/das-rohstoff-risiko/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/10/das-rohstoff-risiko/#comments Thu, 10 May 2012 15:37:12 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1687 Griechenland-Chaos, Euro-Schwäche – und nun auch noch nachgebende Rohstoffpreise. Eine brisante Mischung für den Dax.

Ohne Frage, die weltweiten Aktienmärkte haben durch die Rückschläge der vergangenen Tage wieder eine Schwäche offenbart, die in den vergangen acht Wochen nicht bestand. Das ist umso bedenklicher, da normalerweise im kurz- bis mittelfristigen Zyklus nach einer solchen Korrektur wieder eine Akkumulationsphase anstehen müsste, also eine Basis für einen neuen Aufwärtsswing. Danach sieht es derzeit nicht aus.

Kurzfristig hat sich auch im Dow die Lage verschlechtert. Der seit Oktober laufende Aufwärtstrend ist leicht touchiert, gefährlich wäre ein Rückschlag unter 12700 – dort dürften auch zahlreiche Stopps platziert sein. Allerdings, die mittelfristige Tendenz stimmt hier noch, die 200-Tage-Linie verläuft bei 12200. Tiefer sollte es kurzfristig in den USA nicht gehen.

Auch der Dax tut sich schwer. Nach dem Rutsch unter 6600 ging es in einem Zug sogar kurzzeitig unter 6400. Bis zur Stunde kann der Dax dieses Niveau verteidigen. Je weiter dem Index oberhalb der neuralgischen 6200er-Zone eine merkliche Erholung gelingt, desto besser sind die mittelfristigen Aussichten bis in den Sommer hinein.

Globale Rohstoff-Baisse im Anmarsch?

Dennoch, im Schatten des Aktienmarkts vollzieht sich derzeit eine Entwicklung, auf die Anleger genau achten sollten. An den Rohstoffmärkten drehen immer mehr Kurven nach unten. Das Öl, sämtliche Industriemetalle, die Edelmetalle und schließlich auch die Agrarrohstoffe.

Als alle Welt vor gut einem Jahr die Spekulanten wegen extremer Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen an den Pranger stellte, war das ziemlich genau die bisherige Spitze der Preisentwicklung. Eigentlich müssten sich jetzt die Erzeuger bei den Spekulanten beschweren, dass sie die Preise nun ungebührlich nach unten drückten. Damit dürfte wieder einmal offensichtlich sein, dass Terminspekulationen zwar die Ausschläge an den Rohstoffmärkten verstärken können, einen grundlegenden Trend aber setzen sie nicht.

Wenn Öl, Metalle und Soft Commodities generell und für länger nach unten abkippen würden, wäre das ein ernstes Alarmsignal. Da nützt es wenig, dass der eine oder andere Chemiekonzern etwa weniger für Rohöl bezahlen muss – denn hier haben sich nicht nur einige gegen befürchtete weitere Preissteigerungen mit Derivaten abgesichert  (kostspielig, aber jetzt umsonst!); Konzerne wie BASF profitierten sogar von teurem Öl (hier über die Tochter Wintershall).

Schwäche am Anfang der Produktionskette

Ein globaler Preisrückgang auf den Rohstoffmärkten wäre ein untrügliches Zeichen für ein Nachlassen der effektiven Nachfrage. Das wiederum würde – jenseits kurzfristiger Spekulationseffekte – auf eine mögliche Konjunkturabschwächung hindeuten, die in dieser Form noch nicht in den Gewinnhochrechnungen verarbeitet ist. Bisher gehen Analysten davon aus, dass die Unternehmen in diesem und im nächsten Jahr deutlich mehr verdienen.

Natürlich, noch ist die große Rohstoff-Baisse nicht ausgebrochen; noch wäre es verfrüht, auf globaler Ebene etwa das Aufziehen einer Deflation auszurufen. Dennoch ist es bedenkenswert, dass sich diesseits der vom Endverbraucher gefühlten Inflation (Sprit, Mieten, Immobilien) nun am Anfang der Produktionskette (also bei Roh- und Grundstoffen) eine bisher wenig beachtete Schwäche zeigt.
Kein Wunder, dass es der EZB leicht fällt, kurzfristig eine leichte Erhöhung der Inflation in Kauf zu nehmen – offensichtlich rechnet auch sie mittel- bis langfristig wieder mit sinkenden Preisen.

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Börse angeschlagen, aber nicht k.o. http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/09/borse-angeschlagen-aber-nicht-k-o/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/09/borse-angeschlagen-aber-nicht-k-o/#comments Wed, 09 May 2012 08:08:49 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1676 Der Rutsch unter 6600 war ein Alarmsignal. Für eine nachhaltige Stabilisierung im Dax wird es immer knapper.

Die neue Regierung in Frankreich, wenn sie denn demnächst gebildet wird, muss keineswegs schlecht für die Märkte sein. Im Gegenteil, schon die Ankündigung eines Wachstumsprogramms (was immer das dann auch konkret werden wird) zeigt, dass es in Zukunft in Europa noch weiter in Richtung aktiver Konjunkturpolitik und voraussichtlich auch dementsprechend ausgerichteter Notenbankpolitik geht. Das mag man im Sinne einer klassischen Stabilitätspolitik bedauern. Kurzfristig, für die Kurse, ist das ein Vorteil.

Dass sich Kanzlerin Merkel dem mit aller Gewalt entgegenstellt, ist wenig wahrscheinlich. Eher dürfte sie – mehr Taktikerin als Prinzipienreiterin – auch hier der neuen Richtung entgegengehen. Ihre Bemerkung „mit offenen Armen“ bekommt da eine ganz andere Note. Und dass der designierte Präsident der Franzosen auch sogleich in Deutschland seinen ersten Besuch macht, demonstriert, dass er keineswegs die Kernallianz Europas aufs Spiel setzen will. Hollande weiß nur zu gut, dass er die Krise Europas nicht gegen Deutschland sondern nur mit Deutschland in den Griff bekommt.

So gesehen ist die Entwicklung in Griechenland problematischer. Der Ausgleich zwischen den schon ausgehandelten Anforderungen der EU und der Stimmung im Lande wird immer schwieriger. Andererseits sind an den Märkten die Hoffnungen schon weit heruntergeschraubt worden, Szenarien von einer EU ohne Griechenland werden immer realistischer.

 
Plötzlich wieder Risiko Deflation

Zusätzlich vollzieht sich nun an den Kapitalmärkten eine andere Entwicklung, die man als Anleger nicht aus den Augen verlieren sollte: Der doch ziemlich scharfe Rückgang der Preise für Öl, Rohstoffe und auch Gold. Das mag in der Kostenrechnung vieler Unternehmen zunächst eine Entlastung sein; insgesamt betrachtet deutet es aber eher auf deflationäre Tendenzen – und das wiederum wäre alarmierend, denn wie soll dann die auf maximale Versorgung ausgerichtete Geldpolitik überhaupt noch wirken; schließlich müssen die Pferde immer noch selber saufen.

In den nächsten Wochen wird es darauf ankommen, ob es parallel zu den schwächeren Notierungen für Rohstoffe auch wieder zu schwächeren Zahlen und Indikationen aus der Realwirtschaft kommt. Eine solche Kombination wäre in der Tat gefährlich.

Dax technisch brisant

Gut möglich, dass dies auch der Grund dafür ist, dass der Dax zuletzt tiefer gesunken ist, als erwartet. So ist er nicht nur wieder unter 6600 gerutscht und hat damit den vorangegangenen Anstieg auf 6800 pulverisiert; die gesamte Bandbreite 6600 bis 6200 muss nun abermals verteidigt werden.
Positiv ist, dass die Korrekturbewegung im Dax (mit rund 10 Prozent Abschlag vom Hoch ist es immer noch eine Korrektur!) schon fast zwei Monate dauert und damit ihr durchschnittliches zeitliches Ausmaß ausgeschöpft hat.

Die brisante Situation in Dax zeigt das Kursbild der vergangenen acht Wochen. Zunächst drohte es, eine Kopf-Schulter-Formation zu werden (das war negativ); dann wurde es durch die Erholung auf 6800 ein Abwärtskeil (der war positiv); nun geht die Tendenz wieder in Richtung KS, und das sogar in schwacher, abwärtsgeneigter Form.

Die Chancen für eine Stabilisierung sind nun zwar eindeutig geringer geworden, aber k.o. ist der Dax noch nicht. Bei 6300 verläuft der seit Herbst bestehende Aufwärtstrend, bei 6200 die 200-Tage-Linie in ungewichteter Berechnung. Und die wird (wenn es jetzt nicht zu einem Crash kommt) in den nächsten Tagen nach oben drehen. Die Zone um 6200 ist die entscheidende Untergrenze für die kurzfristigen Schwankungen der nächsten Tage.

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Kursstütze aus USA und China http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/02/kursstutze-aus-usa-und-china/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/05/02/kursstutze-aus-usa-und-china/#comments Wed, 02 May 2012 08:06:18 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1669 Die schnelle Erholung auf über 6800 ist ein gutes Vorzeichen für den Mai – in dem man sich keineswegs automatisch von Aktien trennen muss. 

Die amerikanische Wirtschaft und die US-Börse sind entscheidende Triebkräfte für den Aufstieg auch der deutschen Aktien. Daran kann selbst der schwache Euro-Stoxx-Index nichts ändern, in dem vor allem Banken, Finanzwerte und staatsnahe Unternehmen angeschlagener Südstaaten nach unten ziehen.

Skeptiker habe in den vergangenen Wochen in Amerika allerdings ebenfalls Schwächen gesehen, in den führenden Indizes sogar obere Wendeformationen mit mächtigem Potenzial nach unten. Nun, danach sieht es derzeit kaum noch aus.

Mehrmals schon wurde auf die Stärke der beiden entscheidenden Teilindizes im Dow hingewiesen, auf die Versorger und die Transportaktien. Und auch aktuell stimmt die Kombination: Die Versorger sind auf neue Hochs, die Transportaktien sind stabil mit Aussicht auf ebenfalls bald wieder steigende Kurse. Schon dieses Doppel legt nahe, dass der US-Markt in den nächsten Wochen eher nach oben zieht als abdreht.

Robuste Hausse in Amerika

Die einzelnen Dow-Werte stützen das robuste Bild. 27 von 30 Dow-Werte verlaufen derzeit oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Das ist klassische Hausse ohne auch nur den Hauch einer Schwäche. Mehr noch: Die beiden Nachzügler Alcoa und HP, die noch unter der 200er-Linie hängen, befinden sich in einer Bodenbildung und können bald hinterherziehen. Und dass Procter einmal dazwischenfunkt, ist kein Problem; die Aktie hat ohnehin ein ausgeprägtes Eigenleben.

Fazit für den US-Markt: Die kurz- bis mittelfristigen Aussichten sind positiv. Das passt nicht nur zum Zyklus vor den Wahlen, das ergänzt sich auch zu den positiven Nachrichten aus der Wirtschaft.

China nicht unterschätzen

Noch eine weitere, wichtige Hilfe für den Dax ist im Entstehen. Zwar noch nicht so ausgeprägt wie die Stärke der US-Titel, aber durchaus vielversprechend: chinesische Aktien. Die Angst vor einem Platzen der Immobilienblase und vor dem Ende der bisher atemberaubenden Wachstumsraten schürt seit Jahren die Angst vor China-Papieren.

In der Tat sind die Inlandswerte, die vor allem in Shanghai gehandelt werden, in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Etwas besser haben sich die in Hongkong gelisteten Titel gehalten. Nun aber – zum ersten Mal seit langer Zeit – stabilisieren sich die Hongkong-Papiere auf mittlerem Niveau, und die Shanghai-Börsen kommen in ihrer Bodenbildung gut voran.

Die chinesischen Aktienmärkte sind damit zwar noch nicht durch das Tal, aber die Chancen, dass sie es in diesem Jahr schaffen, haben sich eindeutig verbessert – sagen wir einmal auf 60 zu 40.

Wenn aber die chinesischen Aktienmärkte wieder kommen, dann ist das auch ein Indikator für die weiterhin robuste chinesische Wirtschaft – und die wiederum ist gerade für führende Dax-Unternehmen als immer wichtigerer Absatzmarkt entscheidend; von BASF bis VW, von Daimler bis Linde.

Wenn die zwei größten Wirtschaftsräume der Welt sich in den nächsten Monaten gut entwickeln, dann wird auch Europa nicht abstürzen. Natürlich, die schwachen Länder im Süden, vor allem Spanien, sind eine ernste Belastung. Doch genau deshalb steht der Dax ja auch nicht bei 8000 (das würde grob gesagt dem Niveau entsprechen, das der Dow aufweist), sondern eben deutlich unter 7000.

Keil statt Kopf-Schulter

Kurzfristig sieht es im Dax ebenfalls nicht schlecht aus. Die schnelle Erholung auf über 6800 hat die von Pessimisten befürchtete Abwärtsformation (Kopf-Schulter) aufgelöst und einen Abwärtskeil daraus werden lassen. Der ist positiv. Selbst wenn der Dax in den nächsten Tagen noch einmal bis 6600 nachgeben würde, wäre das kein Problem.

Insgesamt sollten die bisherigen Unterstützungen halten und dem Dax in den nächsten Wochen einen Anstieg bescheren. Dass die 200er-Linie demnächst (wegen der nun zunehmend herausgerechneten schwächeren Crash-Werte von August und September 2011) zügig nach oben dreht, ist ein weiterer Baustein für einen stabilen Markt. 

Der nächste Dax-Radar erscheint wieder in einer Woche.

 

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Europa angeschlagen, aber nicht am Ende http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/25/europa-angeschlagen-aber-nicht-am-ende/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/25/europa-angeschlagen-aber-nicht-am-ende/#comments Wed, 25 Apr 2012 08:25:38 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1661 Die Schuldenkrise dämpft die Aktienmärkte, doch den Aufwärtstrend des Dax hat sie bisher nicht gedreht.

Die Aussichten auf ein Ende der deutsch-französischen Kernallianz, die akute Schuldenkrise in Spanien und nun einmal etwas moderatere Wirtschaftsdaten verlängern die Korrektur im Dax. Doch am grundlegenden Szenario ändern sie bisher nichts.

Die Wahl in Frankreich ist noch nicht gelaufen, aber selbst wenn – was wahrscheinlich ist – Sarkozy nicht gewinnt, bedeutet das nicht das Ende Europas. Erstens zeigt die Erfahrung, dass auch Sozialisten um die große Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen in Europa wissen; zweitens wäre eine etwas stärkere Betonung der expansiven Geld- und Konjunkturpolitik für die Märkte selbst ja keineswegs schlecht (auch wenn Anhänger der alten Bundesbankpolitik das anders sehen.)

Die Rezession in den maroden Südstaaten bleibt natürlich ein Dauerproblem. Aber solange das nicht zum Auseinanderfall der EU führt, wird es über den Liquiditätseffekt keineswegs negativ für Aktien sein.

Europa-Index ist negativ verzerrt

Dass der Euro Stoxx derzeit der international schwächste Index ist, verwundert nicht. Aber auch der Euro Stoxx an sich ist nicht der gesamte Markt. Es sind drei Branchen, die den Index derzeit besonders nach unten ziehen: Banken, Energiewerte und Telekomwerte – alle direkt im Zentrum der Finanzkrise oder eng mit den Staaten verbunden. Dagegen sind Industriewerte und Defensiv-Aktien keineswegs schlecht. Auch Konsumwerte nicht – wenn man mal von der Metro hier in Deutschland absieht.

Positiv ist die Entwicklung in Amerika. Da muss zwar der Nasdaq erst einmal die massiven Kursgewinne der vergangenen Monate verdauen – aber das ist nur eine klassische Korrektur und keine Abwärtswende. Der Dow Jones selbst ist zwar knapp an seinem mittelfristigen Trend, doch die Teilindizes Versorger und Transport sehen wesentlich stabiler aus, signalisieren eine innere Stärke der klassischen Aktien.

Boden-Szenario im Dax läuft

Auch der Dax schlägt sich wacker und verläuft nach dem bisher beschriebenen Schema. Die ersten Unterstützungen haben gehalten, die 200-Tage-Linie (in ungewichteter Berechnung derzeit bei 6220) ist noch weit genug entfernt und dürfte wie angekündigt in den nächsten zwei Wochen nach oben drehen. Zusätzlich stützt bei 6200 der mittelfristige Aufwärtstrend.

Es bleibt damit bei der Einschätzung, dass der Dax zwischen 6600 und 6200 die Tiefen der aktuellen Korrektur auslotet und von da aus den nächsten Kletterversuch startet. Sollte der Dax wider Erwarten unter 6200 rutschen, wäre dieses positive Szenario natürlich ernsthaft gefährdet.

Hinweis: Der nächste Dax-Radar erscheint erst wieder in einer Woche.

 

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Dax-Korrektur – wie tief, welche Favoriten http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/20/dax-korrektur-wie-tief-welche-favoriten/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/20/dax-korrektur-wie-tief-welche-favoriten/#comments Fri, 20 Apr 2012 08:08:47 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1653 Die kurzfristigen Aussichten der wichtigsten Dax-Werte – zwischen Schuldenkrise und robuster Wirtschaft.

Nach seiner kleinen Top-Bildung mit Notierungen von bis zu 7100 hat die erste Phase der Korrektur den Dax von 7000 auf 6600 gedrückt. Danach folgte eine kleine Erholung. Bereinigt ist der Markt erst, wenn er noch einmal einen zweiten Rücksetzer übersteht.

Wie weit die Notierungen dabei nachgeben, dafür gibt es Anhaltspunkte. Wenn er ähnlich wie in der ersten Abwärtsphase 400 Punkte verliert, wäre das eine Zielzone um 6400. Dabei verlaufen im ganzen Bereich zwischen 6600 und 6200 zahlreiche Unterstützungen, die den Markt auffangen sollten. In dieser Zone dürfte sich die kurzfristige Tiefen-Bildung abspielen.

Technischer Support von unten

Interessant wird die Entwicklung um die 200-Tage-Linie, die bei klassischer, ungewichteter Rechung derzeit bei 6230 verläuft. Wie an dieser Stelle vor einigen Wochen ausführlich beschrieben (30. März), wird die 200-Tage-Linie in Kürze nach oben drehen. Genau genommen ist es in sechs Tagen soweit: Dann werden schrittweise niedrigere Kurse aus dem Crash-Sommer herausgerechnet. Sieben Wochen lang wird die 200-Tage-Linie dann einen mächtigen Schub nach oben bekommen. (Der würde nur dann ausfallen, wenn der Dax jetzt massiv, crashartig einbrechen würde.)

 
Aus dieser Konstellation ließe sich ein kurzfristiges Markttief für die nächsten ein bis zwei Wochen ableiten – und danach eine schnelle und durchaus starke Erholung, also gleichsam die Fortsetzung der übergeordneten mittelfristigen Aufwärtstendenz. Die einzelnen Dax-Werte bestätigen dieses Bild, ihre innere Stärke ist aber unterschiedlich.

Loser, Labile und langfristige Favoriten

Allianz: Ist durchaus angeschlagen. Nach dem Bruch des mehrmonatigen Trends besteht das Risiko bis auf 75 Euro. Hintergrund ist natürlich die für Finanzwerte besonders belastende abermalige Zuspitzung der Schuldenkrise.

BASF: Sieht wesentlich besser aus. Die Aktie ist derzeit einer der Top-Werte im Dax. Natürlich kann auch sie kurzfristig noch etwas nachgeben, eine Korrektur in den Bereich 60 bis 65 Euro ist durchaus drin. Zudem könnte der Dividendenabschlag nach der Hauptversammlung (kommenden Freitag HV; Montag, 30. April, dann der Abschlag) den Kurs kurzfristig drücken. Spätestens dann ist die Aktie für Nachzügler interessant.

 
Daimler: Dämpfer aus Abu Dhabi. Natürlich werden jetzt nicht Millionen von Aktien auf den freien Markt geworfen. Transaktionen dieser Größenordnung werden in Paketen gehandelt, zwischen großen Verkäufern und großen, institutionellen Käufern. Dennoch, so wie die Aktie damals beim Einstieg lange zu den stärksten Papieren gehörte, wird sie aktuell belastet – es sei denn, es folgt ein neuer für Daimler noch interessanterer Großaktionär. Technisch ist es spannend, ob die kurzfristige Untergrenze bei 40 Euro hält. Wenn nicht, können es schnell 35 Euro werden. Risikolos ist das Papier derzeit nicht.

Deutsche Bank: ebenfalls leicht gedrückt, aber noch voll im mittelfristigen Aufwärtstrend. Auch sie leidet abermals unter der Schuldenkrise, allerdings nicht so existenziell wie die Commerzbank. Das mittlere Risiko sollte maximal bis 30 Euro reichen.

E.On: Einigermaßen gut haben sich in den vergangenen Wochen die Versorger entwickelt – ein Spiegelbild zum Schwanengesang der Solarwerte. Bei E.On dürfte das Rückschlagsrisiko zunächst bis 15/16 Euro reichen. Ein Kauf ist die Aktie allerdings nicht (vor allem wegen der enormen Schulden).

Siemens: Schwächer als erwartet. Dem letzten Anstieg in Richtung 80 Euro folgte die Enttäuschung; das ist klar negativ zu werten. Kurzfristig reicht das Risiko bis etwa 65, auch Notierungen darunter sind möglich.

Telekom: Ihr altes Tiefen-Ziel, acht Euro glatt, könnte die Aktie wieder erreichen. Die Kommunikationswerte gehören derzeit in ganz Europa zu den Schlusslichtern.

SAP: Eine Klasse für sich. Natürlich gibt der Kurs nach der massiven Rally der vergangenen Monate auch etwas nach, kurzfristig könnten es 45 oder 46 Euro werden. Dann aber sollte SAP wieder zu den Spitzenwerten im Dax gehören. Langfristig ist das SAP sowieso: Es gibt kein Unternehmen im Dax, das in den vergangenen 15 Jahren eine so starke Performance hingelegt hat wie die Software-Schmiede (Unternehmen und Kurs). Massive Schwankungen inbegriffen, aber mit sehr starker Grundtendenz. Ein klarer Dauerfavorit.

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Euro-Zone am deutschen Tropf http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/17/euro-zone-am-deutschen-tropf/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/17/euro-zone-am-deutschen-tropf/#comments Tue, 17 Apr 2012 14:12:53 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1642 Die Dynamik der deutschen Wirtschaft stabilisiert die Börsen in Europa. Diese Hilfe ist auch bitter nötig.

Die deutsche Wirtschaft läuft, entgegen allen Befürchtungen, besser als erwartet:  Nach dem neuesten ZEW-Indikator ist keine Abschwächung zu spüren. Im Gegenteil, das Momentum, die Auftriebsdynamik, ist ungebrochen. Ist die Angst vor  den Folgen von China-Crash, Ölpreis-Schock und Euro-Ende schlichtweg übertrieben?

Nun, die Entwicklung in China ist natürlich ein wichtiger Treibsatz für deutsche Großunternehmen. Von Siemens bis BASF, von Allianz bis Volkswagen setzen die Manager auf das Reich der Mitte.

Doch wie stark ist das echte China wirklich?


Dabei scheint eine seltsame Spaltung zu bestehen. Während Kapitalmarktbeobachter seit Jahren auf die Risiken des Immobilienbooms und eines abbrechenden Wachstums schielen, verkaufen die Vertreter der realen Wirtschaft in China was das Zeug hält. Investitionen erreichen Rekorde.

Manchmal meint man, das reale China mit seiner unbändigen Kraft kümmert sich wenig um die Angst-Prognosen der Auguren. Seit chinesische Aktien im Jahr 2000 ins Bewußtsein westlicher Investoren gekommen sind, geht es immer um die Befürchtung, dass der Aufschwung doch einfach mal zu Ende gehen muss – und China eine brutale Landung erleidet.

Natürlich lassen sich Chinas Wachstumsraten der vergangenen Jahre nicht automatisch auf die nächsten Jahre hochrechnen. Doch ob China nun um sechs Prozent oder acht Prozent zulegt, ist letztlich für die Ergebnisse der deutschen Unternehmen vor Ort wenig entscheidend. Bis nicht wirklich das Gegenteil evident ist, dürfte die Fortsetzung der bisherigen großen Aufwärtsbewegung wahrscheinlicher sein – und die Angst vor dem dicken Ende unbegründet.

Die Ölkrise ist historisch, nicht aktuell

Mit der Gefahr vom Ölpreis ist es ähnlich. Natürlich würde ein dauerhafter Preis von 130 bis 150 Dollar je Fass die Wirtschaft der westlichen Länder empfindlich dämpfen. Und das wäre angesichts der mühsamen Entwicklung in Südeuropa und der zähen Erholung in den USA eine reale Gefahr. Ebenfalls bremsen würde das China, schließlich der größte Energieverbraucher der Welt.

Doch die Zeiten, in denen die westlichen Industrieländer bedingungslos am Öltropf hängen, sind längst vorbei. Vor allem in den USA hat sich eine Entwicklung vollzogen hin zu mehr Unabhängigkeit von Öl aus Nordafrika und Arabien. Zudem sind die ölproduzierenden Länder selbst alles andere als einig – die Fronten laufen längst nicht mehr so wie in den Zeiten der historischen Ölkrise.  Zudem dürfte vor allem China nachhaltigen Druck ausüben, um auch in Zukunft an den begehrten Rohstoff zu kommen. Die neue Bedeutung Südamerikas (siehe hier den Griff Argentiniens nach Repsols YPF) und sogar neue Entdeckungen in der Nordsee limitieren den Einfluss der bisherigen Ölproduzenten zusätzlich.

Faktisch hat der schon bisher hohe Ölpreis die Ergebnisse der Dax-Unternehmen in den vergangenen Monaten kaum beeinträchtigt. Bei manchen, vor allem BASF, wirkt er sich sogar gewinnfördernd aus.

Am gefährlichsten ist die Schuldenkrise

Und der Euro? Natürlich wäre ein Ausfall Spaniens ein ganz anderes Problem als die dagegen kleine griechische Krise. Und wann oder ob Spanien angesichts seiner Multi-Probleme (Rezession, Arbeitslosigkeit, Schulden, Immobilienpreisverfall) aus dem Sumpf kommt, kann heute kein Mensch mit Sicherheit sagen. Jetzt aber darüber schon den Stab zu brechen, ist mindestens genauso verwegen, wie der blinde Glaube an die Macht der endlosen Geldflutung.

Der Dax setzt in diesem Umfeld seine Korrektur fort, der Spielraum nach unten ist noch keineswegs gefährlich ausgereizt. Ernsthaft angeschlagen dagegen ist erneut der Euro Stoxx, gedrückt vor allem von auffällig schwachen Bankwerten.

Von den drei großen Risiken für den Aktienmarkt – China, Öl und Euro-Krise¬ – ist letztere ohne Frage am gefährlichsten. Umso wichtiger ist es jetzt und in den nächsten Wochen, dass die stärkste Wirtschaft des Kontinents, die deutsche, ihre Dynamik auch weiter bewahrt.

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Anlagenotstand stützt Aktienkurse http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/13/anlagenotstand-stutzt-aktienkurse/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/13/anlagenotstand-stutzt-aktienkurse/#comments Fri, 13 Apr 2012 08:14:13 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1631 Wieder Korrektur im Dax? Ja, doch der Krisenmix aus diffuser Konjunktur und massig Liquidität ist keineswegs schlecht für die Börsen. 

Die Verschärfung der Schuldenprobleme um Spanien versetzt die Aktienmärkte wieder in Krisenstimmung. Das dämpft zu schnelle Hoffnungen auf eine Erholung von Wirtschaft und Staatsbudgets, bedeutet aber keineswegs das Ende des Kursanstiegs. Ganz im Gegenteil.

Wenn skeptische Kommentatoren jetzt den Notenbanken und den EU-Krisenmanagern vorwerfen, Europa sei durch die jüngsten Probleme in Spanien wieder dahin zurückgeworfen, wo es schon zum Jahreswechsel war, so ist das durchaus richtig – aber eben nur zum Teil.

Inflationsängste zu früh

Richtig ist, dass die Erwartung eines überraschend starken Aufstiegs (und die damit aufkommende Angst vor Inflation, von der selbst Draghi vor kurzem sprach) zunächst eindeutig verfrüht ist. Das aber heißt: Die Notenbanken werden nicht nur die Zinsen drücken; sie werden auch notfalls mit  weiteren Geldspritzen die Wirtschaft am Laufen halten (und in Europa vor allem um den Bestand der Eurozone kämpfen.)

Genau das ist für die Aktienmärkte keineswegs schlecht, wie die Monate seit Sommer vergangenen Jahres gezeigt haben. Es ist der bekannte Krisenmix: Eine zwar schwierige, aber nicht aussichtslose konjunkturelle Lage, dazu reichlich Liquiditätsversorgung.

Natürlich, ein großer Teil der EZB-Liquidität bleibt ganz einfach im Bankensystem hängen, weil sich die Geldhäuser sehr billiges Geld nehmen, damit ihre Bilanzen sanieren (soweit das mit Anleihekäufen derzeit geht) und einen Teil mit Aufschlag ausleihen. Dennoch wirken die Geldspritzen – und zwar indirekt über das Zinsniveau. Und das ist derzeit so niedrig wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.

 
Niedrige Renditen wirken – so und so

Dieses niedrige Zinsniveau macht den Unternehmen natürlich die Finanzierung leichter; und wenn sie ihre Kredite nicht von den Banken bekommen, dann eben über Anleihen. Noch nie haben sich Unternehmen hierzulande so billig über den Kapitalmarkt finanziert. Selbst Unternehmen im Ramsch-Bereich müssen derzeit zum Teil nur vier Prozent zahlen. Das schlägt natürlich auf die Gewinnrechnung durch und damit auch auf die Bewertung der Aktien. Die werden tendenziell billiger, die Märkte robuster.

Obendrein machen die niedrigen Zinsen neue Anleihen unattraktiv und im Gegenzug Aktien interessanter. Das gilt nicht nur für Unternehmensanleihen, bei denen es immer schwieriger wird, für moderate Risiken überhaupt noch angemessene Renditen zu bekommen. Das gilt selbst für die großen Favoriten unter den Zinspapieren, die deutschen Staatsanleihen.

Extreme Zeiten, extreme Zinsen


Im Herbst 1981 warfen zehnjährige Bunds eine Rendite von 10,8 Prozent ab. Derzeit pendeln sie um 1,6 bis 1,8 Prozent. Das heißt: 31 Jahre lang sind die Zinsen nur gesunken und die Anleihen nur gestiegen (mit wesentlich geringeren Schwankungen als der Dax natürlich). Es verwundert also nicht, wenn in dieser Situation selbst abgebrühte Investoren sagen, Bunds seien zu teuer.

Solche Gedanken verkennen aber die aktuelle Extremsituation. Denn noch nie in der Geschichte des vereinigten Europas stand das Erreichte (derzeit symbolisiert vor allem in Form des Euro) so ernsthaft auf dem Spiel wie heute. Und diese extreme Lage führt zu extremen Zinsen. In Deutschland sind sie so niedrig wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik.

Gold, Häuser, Autos – oder doch ein paar Aktien?

Für den Aktienmarkt ist das die entscheidende Stütze. Denn das Geld ist – unabhängig von den Liquiditätsspritzen der EZB –  ja da; die privaten Haushalte haben noch nie so hohe Vermögensbestände gehortet wie derzeit. Und wenn der größte Anlagemarkt (Anleihen, Zinsanlagen bei Banken) immer weniger bietet (bei spürbaren Risiken), dann ist es kein Wunder, wenn ein guter Teil in Aktien fließt.

Das gilt umso mehr, da Gold und andere Rohstoffe im Depot der Normalanlegers Exoten sind und der Kauf von Immobilien nur für eine Minderheit in Frage kommt. Wenn dann noch Oldtimer, Uhren, Wein oder japanische Karpfen als Anlagevehikel herhalten müssen, zeigt das nur, wie groß die Anlagenot mittlerweile geworden ist. Und das ist letztlich die entscheidende Basis für den Aktienmarkt.

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Spanische Hoffnung http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/10/spanische-hoffnung/ http://blog.wiwo.de/dax-radar/2012/04/10/spanische-hoffnung/#comments Tue, 10 Apr 2012 15:24:17 +0000 Anton Riedl http://blog.wiwo.de/dax-radar/?p=1620 Die jüngsten Kursrückschläge lassen die Korrektur andauern. Die Vorzeichen für den Mai aber sind nicht schlecht.

Die Angst vor Schuldenproblemen Spaniens (und die damit verbundene ausgeprägte Schwäche spanischer Bankaktien) führt zu einer Fortsetzung der bisherigen Korrektur. Kurzfristig negativ ist es ohne Frage, dass der Dax nun sogar den seit Dezember bestehenden Aufwärtstrend gebrochen und auch die Station bei 6800 nicht gehalten hat. Daran gemessen könnte die aktuelle Korrektur noch einige Wochen dauern und durchaus in den beschriebenen Bereich 6600/6500 geht.  Ab Anfang Mai kommt dem Gesamtmarkt die nach oben drehende 200-Tagelinie zugute.

Dass die spanische Regierung nun weitere zehn Milliarden Euro im Gesundheits- und Bildungsbereich einsparen will, zeigt, wie entschlossen Madrid den Abbau des Defizits angeht. Allerdings dürften sich die neuen Maßnahmen (Leistungskürzungen für Personen mit höheren Einkommen, Abbau ineffizienter Strukturen) wahrscheinlich erst 2013 auswirken.  Damit bleibt es ein sehr ehrgeiziges Ziel, schon in diesem Jahr das Budgetdefizit auf 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken.  2013 sollen es sogar nur drei Prozent werden.

Die Unsicherheit darüber belastet vor allem die Börsenkurse der europäischen Südländer. Dass derzeit auch die Indizes in den USA (sogar der bärenstarke Nasdaq) etwas Luft ablassen, kann die Korrektur etwas zäher ausfallen lassen. Eine große Abwärtswende an den Märkten  ist derzeit aber nicht in Sicht.

 
Von den Notenbanken gibt es keine Änderung. Die EZB wird die Leitzinsen weiter niedrig halten und die Liquidität hoch – auch gerade mit Blick auf Spanien. Dass Draghi den vor einigen Wochen angedeuteten Ausstieg aus der Geldflutung als „verfrüht“ bezeichnet, zeigt auch, wie schnell sich die EZB unter ihrer neuen Führung wenden kann – bei Bedarf in jede Richtung. Für Anleger macht es das nicht gerade leichter.

Mehr und ausführlicher zu einzelnen Dax-Werten wieder am Freitag.

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