Aktien auf Rekordkurs

Trotz Krisen drehen immer mehr Aktien nach oben. Der Trend ist robust, Ziele über 11000 Punkte sind möglich.

Als der Dax direkt nach der Griechenland-Wahl mächtig nach oben schoss, trauten viele Skeptiker ihren Augen nicht. Schließlich hat Griechenland seinen Anti-EU-Kurs überraschend deutlich bestätigt. Hier mag wohl die Hoffnung beflügelt haben, dass Anleger nun wissen, woran sie mit den Griechen sind – und Gewissheit ist an der Börse immer besser als Unsicherheit.

Schon die ersten Maßnahmen der neuen griechischen Regierung machen deutlich, dass hier alte und neue Risiken entstehen. Der Sparkurs wird beendet, Konsolidierung ist ein Fremdwort – und außenpolitisch stellt das Land sogar eine Linie zu Russland her. All das deutet darauf hin, dass sich Politik, Wirtschaft und Märkte erneut und intensiv mit dem Problem Griechenland auseinandersetzen müssen.

Es gehört natürlich zum politischen Handwerkszeug, erst einmal möglichst hohe Forderungen zu stellen, sogar Drohungen aufzubauen – um dann in den anstehenden Gesprächen möglichst viel durchzusetzen. So dürfte es auch mit Griechenland laufen. Am Ende dürfte es wahrscheinlich keinen Austritt geben, aber die Belastungen für die EU (und damit für die Steuerzahler) werden wahrscheinlich höher.

Deutsche Banken haben derzeit gut 23 Milliarden Euro in Griechenland ausstehen. Das ist insgesamt beachtlich, für die einzelnen Institute aber überschaubar. Bei der Deutschen Bank etwa sind es rund 300 Millionen Euro, bei der Commerzbank an die 400 Millionen.

Jede Krise drückt auf die Zinsen

Die Auseinandersetzung um Griechenland wird dazu beitragen, dass die EZB ein weiteres Argument hat, ihre extreme Niedrigzinspolitik auf unbestimmte Zeit fortrzuführen. Eine Wende hin zu wirtschaftlich gerechtfertigten Renditen (die könnten entsprechend der Wirtschaftskraft in einzelnen Ländern derzeit bei zwei bis drei Prozent liegen) wird es in Europa auf absehbare Zeit nicht geben. Die in Deutschland nun sogar sinkenden Preise bestätigen das. Die Folgen:

Der Euro driftet weiter ab, allenfalls gibt es technisch bedingte Zwischenreaktionen – weil alle Welt derzeit Positionen gegen den Euro aufgebaut hat oder noch aufbaut;

Anleihen steigen immer noch im Kurs, denn neue Bonds bieten schlichtweg fast nichts mehr gemessen am Risiko (zwei Prozent gibt’s derzeit zum Beispiel für mittelfristige Uruquay-Anleihen – und das noch in Weichwährung, in Euro);

Aktien bleiben aus zwei fundamentalen Gründen interessant: Weil Anlagenotstand besteht und – auch wegen der Geldpolitik – die Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne. Die jünsten, positiven Daten zum Geschäftsklima in der EU bestätigen dies.

Querschüsse aus Amerika

Eine wichtige Stütze für den Dax waren in den vergangenen Monaten die stabilen US-Märkte. Dow, S&P und Nasdaq sind in robuster Manier von Hoch zu Hoch. Dieses Bild hat zuletzt Kratzer bekommen.

Der Dow leidet darunter, dass einige seiner Klassiker außer Tritt gekommen sind. Exxon und Chevron werden vom niedrigen Ölpreis gedrückt, Caterpillar von der Rohstoffbaisse (das senkt die Nachfrage nach schwerem Gerät), Procter spürt den hohen Dollarkurs, McDonald’s hat weltweit Wachstumsprobleme (jetzt soll es ein neuer Chef richten).

Und dann spricht auch noch Fed-Chefin Yellen von Risiken für die Konjunktur. Obwohl sie im gleichen Atemzug dafür Zinserhöhungen schnell in eine noch fernere Zukunft verschiebt, gehen die Märkte erst einmal in die Knie.

Bisher handelt es sich in Amerika nur um eine weitere vorübergehende Korrektur, wie sie allein im vergangenen Jahr vier Mal vorkamen. Die Gewinnprognosen im Dow sind dabei so vorsichtig, dass 2015 sogar ein leichter Rückschlag erwartet wird. Darin spiegeln sich Belastungen aus dem hohen Dollar und dem niedrigen Ölpreis. Für Technologieunternehmen werden in diesem Jahr 15 bis 20 Prozent mehr Gewinn erwartet.

Fazit zu den US-Märkten: Der Dow Jones sollte auch weiterhin das Niveau um 17000 halten. Das hat er, wie am Donnerstag abends, eindrucksvoll wieder geschafft; ein Zeichen von Stärke. An der Technologiebörse geht es darum, dass der Nasdaq-100-Index den Bereich um 4000 verteidigt. Auch dazu stehen die Chancen gut. Insgesamt spricht derzeit eindeutig mehr für eine Fortsetzung der US-Hausse als für eine Trendwende.

Dax nicht zu bremsen

Der deutsche Aktienmarkt hat einen eindrucksvollen Lauf. Nicht nur wurde das an dieser Stelle frühzeitige Ziel von 10600 locker erreicht und sogar übertroffen; die nachfolgende Korrektur wurde bisher sofort aufgefangen. Das heißt, Kaufwille und Kaufpotenzial ist vorhanden.

Würde man den bisherigen Trend verlängern (und bisher gibt es kein Anzeichen, dass er bricht), ergäbe das ein mittelfristiges Ziel um 11500. Allerdings, die 200-Tage-Linie ist gerade einmal bei 9600, dreht nun aber verstärkt nach oben.

Prinzipiell ist eine solche Konstellation typisch für den Beginn einer neuen Hausse-Phase. Zudem ist in dieser Phase die Gefahr einer generellen Trendwende nach unten ziemlich gering. Was natürlich schon möglich ist, wäre eine Korrektur, die sogar bis 10000 gehen könnte, mit einem kurzen Überschießen bis 9800/9700. Die aktuelle Marktstärke signalisiert jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit dafür derzeit gering ist.

Für Dax-Anleger heißt das: Kein Stück hergeben, der Trend ist stabil und nach oben gerichtet. Bei Nachzüglern kann man immer noch einsteigen. Dazu gehört, wie in der aktuellen WiWo zu lesen ist, BASF. Und es gehört, als große Spekulation, die Deutsche Bank dazu.

Die Deutsche Bank kommt wieder

Die Zahlen der Deutschen Bank sind besser als gedacht. Das hängt auch damit zusammen, dass die Erwartungen an das einstmals führende Geldhaus des Landes in den vergangenen Jahren weit weit nach unten gegangen sind.

Nun hat wieder einmal das Investmentbanking die Deutsche Bank gerettet. Indes, alles andere wäre auch angesichts der Hausse am Aktien- und Anleihemarkt blamabel gewesen. Zudem sind die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten nicht so hoch ausgefallen. Das kann man als selbstbewusste Demonstration deuten, es kann aber auch ein Hinweis darauf sein, dass die Bank bei ihren informellen Verhandlungen in den Rechtsstreitigkeiten weiter ist, als es nach außen den Anschein hat.

Einen dreistelligen Millionenbetrag hat die Deutsche Bank wahrscheinlich im Devisengeschäft verloren, als die Schweizer Notenbank die Untergrenze des Frankens gegenüber dem Euro wegnahm.

Auch im Privatkundengeschäft sieht es derzeit nicht so gut aus. Sogar die Postbank ist ins Minus gerutscht. Das dürfte den Investmentbankern im Konzern die Argumentation erleichtern, sich letztlich doch von diesem Geschäft zu trennen.

Insgesamt ist die Deutsche Bank mit einer Marktkapitalisierung von 35 Milliarden Euro gemessen an ihrer eigentlichen Bedeutung, ihrem Geschäft und der Konkurrenz ziemlich günstig. Wenn das Gros der Rechtsstreitigkeiten beigelegt ist, die strategische Richtung des Konzerns wieder klar ist (vor allem die Zukunft der Postbank), dann werden die Renditen automatisch höher. Und dann sollte die Deutsche Bank eines fernen Tages an der Börse auch wieder einen Marktwert von mehr als 50 Milliarden Euro auf die Waage bringen.

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