Stark durch Turbulenzen

Unbeirrt vom Währungsschock gibt es immer mehr Anzeichen für eine neue Anstiegsphase im Dax.

Wenn eine große Währung wie der Euro in wenigen Minuten mehr als 20 Prozent gegen eine andere wichtige Währung wie den Schweizer Franken verliert, dann ist das eine schwere Mißtrauenserklärung. Andererseits ist es vor allem die Folge des Versuchs, den hochbegehrten Schweizer Franken künstlich niedrig zu halten. Dieser Versuch ist, wie meist in solchen Fällen, gründlich gescheitert.

Wie geht es jetzt an den Märkten weiter? Nach den ersten, extrem hektischen Ausschlägen muss sich der Franken gegenüber den anderen Währungen erst einmal technisch einpendeln. Das heißt, die bisherigen Positionen müssen abgewickelt und abgerechnet werden. Dann müssen die strategischen Großinvestoren die Lage neu bewerten. Gerade weil der Coup der SNB so überraschend kam, kann diese Umpositionierung einige Zeit in Anspruch nehmen. Zudem sind weitere Interventionen der Notenbanken möglich.

Dies alles dürfte dazu führen, dass die Währungsverhältnisse Wochen brauchen, um ein neues Niveau zu finden. Gegenüber dem Euro könnte das durchaus im Bereich der Parität liegen.

Bemerkenswert: Wenn man den großen Abwärtstrend des Euro von 2008 bis 2011 – also bevor die künstliche Stützung bei 1,20 einsetzte – verlängert, würde das auf der Zeitachse etwa auf den Gleichgewichtspreis deuten.

Negativ ist der starke Schub des Franken für die großen, internationalen Schweizer Unternehmen. Entsprechend heftig ist die Reaktion an der Schweizer Börse ausgefallen. Selbst wenn es hier bald zu einer Beruhigung kommt, der Währungsshift muss in den Unternehmensrechnungen erst einmal verdaut werden.

Unter dieser Unsicherheit dürften Schweizer Aktien auf absehbare Zeit leiden. Da die internationalen Klassiker (Nestlé, Novartis, Roche) für Euro-Anleger keineswegs billig geworden sind, drängen sich jetzt Käufe zunächst nicht auf.

Dynamisches Deutschland

Gut für die Märkte: Die deutsche Wirtschaft hat Tritt gefasst. Um 1,5 Prozent ist sie im vergangenen Jahr gewachsen. Das ist deutlich mehr als die 0,4 Prozent von 2012 und die 0,1 Prozent von 2013. Die Verbraucher vor allem waren es durch ihren Konsum. Und der wiederum wurde vor allem von der günstigen Preisentwicklung angetrieben, vor allem von billiger Energie. Zudem wird Kaufen leicht gemacht, wenn es für Zinsanlagen so gut wie nichts mehr gibt.

Zweiter Motor ist der Export. Er wird – wie an dieser Stelle mehrmals beschrieben – mächtig vom rückläufigen Euro befeuert. Da der Dax von Exportwerten dominiert wird, dürfte sich das schon in den anstehenden Jahreszahlen der Unternehmen niederschlagen. Das zweite Halbjahr 2014 mit dem schwachen Euro und dann vor allem mit dem niedrigen Ölpreis ist offensichtlich besser gelaufen, als vielfach erwartet.

Lässt sich diese Tendenz für 2015 fortschreiben? Zunächst wahrscheinlich schon, doch könnte es spätestens im zweiten Halbjahr allein durch die Überspekulation gegen den Euro eine Gegenbewegung geben. Zudem dürften sich spätestens dann auf dem Ölmarkt die Angebotsverringerungen bemerkbar machen, auch das könnte die Preise nach dem bisherigen Verfall wieder stabilisieren.

In den vergangenen 30 Jahren gab es im Ölpreis fünf Mal eine scharfe, mittelgroße Abwärtsbewegung. Danach kam es immer wieder zu einer Erholung. Die Phase der reinen Bodenbildung vollzog sich dabei jedes Mal in einer Spanne von drei bis fünf Monaten.

Auf die aktuelle Entwicklung übertragen hieße das: In dem Moment, in dem sich die Ölpreisnotierungen ein oder zwei Wochen halten, könnte der Tiefpunkt in Reichweite kommen. Und es ist gut möglich, dass Öl dann sogar noch vor Jahresmitte wieder teurer wird; also vor der nächsten, vielbeachteten Sitzung der Opec (auf der mit einer Produktionsdrosselung gerechnet wird.)

Fahrplan im Dax

Trotz erheblicher Marktturbulenzen hält der Dax seinen Kurs. Dabei ist es bezeichnend, dass der Blick auf die reinen Schlusskurse mehr Klarheit bringt als das sekunden-nahe Kleben am Auf und Ab des Index. Nach einer reinen Schlusskursbetrachtung hat der Dax zunächst wie erwartet Mitte des Monats die Widerstandszone um 9800 genommen. Danach gab es einen kleinen Rücksetzer und den Vormarsch auf die 10000er-Marke. Wenn man diesen Kurvenverlauf allein betrachtet, verlieren die Währungsturbulenzen für den Dax völlig ihren Schrecken.

Mehr noch: Für die nächsten Wochen deutet sich sogar ein weiteres, wichtiges Trendsignal an. Die schnellere 100-Tage-Linie wird dann nämlich aller Voraussicht nach die trägere 200er-Linie von unten nach oben schneiden. Dann besteht wieder das klassische Verhältnis eines stabilen Aufwärtstrends: unten die 200er, oben die 100er-Linie. Im Oktober gab es den anderen Schnitt – und an den Märkten fand eine Konsolidierung statt. Ein positiver Schnitt (im Februar oder März) könnte dann eine neue Phase des Aufwärtstrends untermauern.

Fazit für die nächsten Wochen: Konjunkturentwicklung, weitere Lockerungen der Notenbanken, Gewinne der Unternehmen und Markttechnik deuten auf weiter steigende Kurse. Kurzfristig (in der kommenden Woche) wäre es gut, wenn der Dax nicht unter 9900 ginge. Maximal wären per Schlusskurs 9750 erlaubt. Danach aber sollte mindestens das alte Hoch bei 10087 angepeilt werden. Das Frühjahrsziel lautet weiter 10600.

 

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