Korrektur und nächster Kletterversuch

Nach einer durchwachsenen Saison 2014 könnte der Dax im Januar ein neues Hoch anpeilen.

Die 2,65 Prozent, die der Dax im vergangenen Jahr geschafft hat, sind natürlich nicht viel. Dennoch, dass es nach diesem schwierigen Jahr, das seit März schwer von der Russland-Krise überschattet wurde, überhaupt einen Gewinn gab, ist eine Leistung, die für die Robustheit von Aktienmärkten in Krisenzeiten spricht.

Andererseits, der nur bescheidene Gewinn zeigt auch, dass Aktienmärkte keineswegs abgehoben von der Realität sind und ihre eigenen Kursblüten treiben. Das gilt besonders für die großen Aktienmärkte, auf denen der Handel auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Geht es um kleine Exotenbörsen, dann haben die Kurse in der Tat oft wenig mit der Realität des Landes zu tun. Eine Zusammenstellung finden Sie in der aktuellen Wirtschaftswoche: Flucht in Aktien in ausgesprochenen Krisenländern wie Venezuela, Pakistan oder Ägypten.

Immerhin, in einem gewissen Sinne ist der Aktienaufschwung in den westlichen Ländern auch eine Folge von Krisen. Finanzkrise, Schuldenkrise, Eurokrise, Russlandkrise – es will kein Ende nehmen. Und da die Notenbanken – allen voran mittlerweile die EZB – darauf sehr expansiv antworten, ist das ein wichtiger Treibsatz für die Kurse.

Wären die Zinsen für solide Staatsanleihen vielleicht bei drei oder vier Prozent, hätten wir wahrscheinlich keinen Dax bei knapp 10000 Punkte. Andererseits: Zinsen von drei bis vier Prozent wären natürlich ein Zeichen einer wesentlich stabileren Wirtschaftsentwicklung. Dann würden viele Unternehmen entsprechend gut verdienen; und auch das würde die Kurse wiederum beflügeln.

2015 mehr Chancen als Risiken

Liquidität (anlagesuchendes Geld), moderates Wirtschaftswachstum, ein (für die Exporteure) günstiger Euro und nun auch noch niedrige Energiepreise: All das ist für 2015 kein schlechter Mix. Welche Chancen das dem Dax grundsätzlich bietet und welche Einzelwerte dabei besonders vielversprechend sind, finden Sie ausführlich in unserem Jahresauftaktheft.

Statistisch betrachtet ist der Jahresbeginn eine gute Börsenzeit: Geld ist vorhanden, der Anlagebedarf groß, die Hoffnungen bei vielen Anlegern hochfliegend (sonst wären die meisten auch gar nicht an der Börse), und große wie kleine Investoren sinnieren über Neuinvestments.

Dass sich der Dax Mitte Dezember wieder über 9500 gerettet hat, war für die technische Verfassung ein wichtiges Signal. Zwar hat er im nachfolgenden Anstieg noch nicht die 10000-Punkte-Marke und schon gar nicht das alte Hoch erreicht; dennoch war die Anstiegsphase bis kurz vor Weihnachten eine wichtige Voraussetzung dafür.

Optimal wäre in den nächsten Tagen ein leichtes Abbröckeln der Notierungen, das maximal bis 9550/9600 gehen könnte. Von da aus sollte dann, spätestens Mitte Januar, ein neuer, ernsthafter Kletterversuch auf 10000 und danach auf die alten Höhen starten. Ein Rutsch unter 9500 dagegen wäre ein negatives Signal, dem eine mehrwöchige Schwächephase folgen könnte; wahrscheinlich mindestens bis 9000 hinunter.

Rückhalt bekommt der Dax von der Entwicklung in den USA. Auch hier signalisiert der zweimalige Peak in der Zone um 18000 im Dow Jones eine kurze Ermüdungserscheinung. Sie sollte allerdings spätestens bei gut 17000 aufgefangen werden, hier verläuft die steigenden 200-Tage-Linie. An der Technologiebörse Nasdaq steht die gute Entwicklung der führenden Aktien (Apple, Microsoft, Intel, Google) für eine Fortsetzung des bisherigen Trends. Mindestens das alte Hoch (um 4700 Punkte) aus dem Jahr 2000 sollten die High-Techs in diesem Jahr sehen.

 

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