Billiges Öl und schwacher Euro helfen den Kursen

Die Konjunkturaussichten für 2015 hellen sich auf. Bei den Unternehmensgewinnen sind sogar positive Überraschungen möglich.

Der Aktienmarkt bekommt von zwei wichtigen Kräften Rückenwind: Dem schwachen Euro und dem gedrückten Ölpreis. Beide Entwicklungen haben sich in den vergangenen Wochen noch einmal verstärkt, vor allem beim Rohöl. Da sich an dieser Konstellation bis auf weiteres nichts ändern dürfte, haben sich die Perspektiven für 2015 generell aufgehellt.

Das ifo-Institut hat gerade seine 2015er-Wachstumsprognose für Deutschland von plus 1,2 auf plus 1,5 Prozent angehoben. Für die Unternehmensgewinne heisst das, es sind vereinzelt in den nächsten Wochen sogar Hochstufungen von Prognosen möglich.

Der Euro kann sich zwar zwischenzeitlich immer wieder leicht erholen, sein mittelfristiger Trend aber zeigt weiter nach unten; ein Niveau um 1,20 Dollar oder weniger wäre in den nächsten Monaten kein Wunder. Schließlich stehen expansive Maßnahmen der Notenbank an.

Draghi betont zwar immer wieder, dass er sich genau an der aktuellen Lage orientiere. Und sollte sich die etwas stabilisieren, müssen die EZB-Schritte auch nicht so generös ausfallen. Dennoch: Nach den umfangreichen Diskussionen im Vorfeld um Anleihekäufe wäre es ein schwerer Rückzieher, wenn es dazu gar nicht kommen sollte. Zudem sind dazu die jüngsten Wirtschaftsdaten und die Aussichten der nächsten Monate keineswegs robust genug. Also: Die Lockerungen der EZB werden 2015 weitergehen.

Auf der anderen Seite läuft es für die Fed nach Plan. Die US-Wirtschaft ist robust; und dass daran auch der Ost-West-Konflikt der vergangenen Monate überhaupt nichts geändert hat, zeigt die Ausnahmestellung der amerikanischen Wirtschaft und des Dollars. Auch wenn es hier nicht gleich zu scharfen Zinserhöhungen kommen muss, der Unterschied zu Europa bleibt. Allein schon das Vertrauen in die US-Wirtschaft (also ohne den Zinsspread) rechtfertigt einen starken Dollar.

Konjunkturhilfe durch Russland-Krise

Es zeigt sich immer mehr, dass aus der Russland-Krise für den Westen sogar ein konjunktureller Vorteil entsteht. Ohne Frage, die Schwäche der russischen und zum Teil osteuropäischen Märkte trifft die dort aktiven deutschen Unternehmen – wie Adidas etwa, Stada oder Metro. An den Hemmnissen für diese Unternehmen wird sich vorerst nichts ändern; umso mehr, da die russische Wirtschaft und der Rubel weiter schwer abdriften.

Auf der anderen Seite entwickeln sich die Energiepreise genau umgekehrt wie befürchtet, vor allem das Öl. Mit Notierungen unter 70 Dollar kostet ein Fass Brent weit weniger als der Durchschnitt, mit dem deutsche Unternehmen bisher gerechnet haben. BASF etwa ging bisher von einem Durchschnittspreis von 105 Dollar aus.

Und es ist gut möglich, dass Öl noch billiger wird. Denn von Förderkürzungen durch die Opec ist weit und breit nichts zu sehen. Saudi Arabien dürfte das zwar überlegen, doch solange das Nicht-Opec-Mitglied Russland schon aus Finanznot Öl zu jedem Preis verkaufen muss, ist ein solcher Schritt wenig wahrscheinlich.

Natürlich, die Genehmigungen für Ölbohrungen im amerikanischen Schiefergestein sind im November wegen des niedrigen Preisniveaus deutlich zurückgegangen. Das aber wird sich bei der Förderung erst im zweiten Halbjahr 2015 bemerkbar machen. Bis dahin herrscht auf dem Ölmarkt aller Voraussicht nach ein Überangebot. Gut möglich, dass der Preis für Brent in den nächsten Monaten zwischen 55 und 75 Dollar schwankt. Damit könnte die Opec leben, die westlichen Industrienationen ohnehin, bei den US-Schieferproduzenten käme es zu einer Marktbereinigung – und Russland bliebe wahrscheinlich weiter schwer in der Krise.

Der schwache Ölpreis und der starke Dollar sind für viele Schwellenländer (wie eben Russland auch) eine gefährliche Mischung. Da die wiederum für Unternehmen in den klassischen Industrieländern wichtige Absatzregionen darstellen, sind hier in einer zweiten Welle negative Rückwirkungen möglich.

Dennoch, die Stabilität der Kernwirtschaften, also vor allem der amerikanischen, dürfte dadurch nicht gefährdet sein. Mehr noch: Diese Gefahr der Schwäche in den Schwellenländern wird abermals Investorengelder verstärkt in die Industrieländer spülen – und das kommt derzeit vor allem den amerikanischen Märkten zugute.

Der Dow strotz vor Kraft

Amerikanische Blue Chips sind derzeit in einem ausgesprochen stabilen Aufwärtstrend. In sechs Wochen gelang dem Dow ein Anstieg von 16000 auf 18000 – das allein ist ein Kraftakt, der nur durch echtes Investorengeld zustande kommt; Gelder, die nicht einfach wieder abgezogen werden. Das ist wichtig für die Nachhaltigkeit des Anstiegs.

Das zeigt sich übrigens quer durch die hochkapitalisierten Dow-Werte. Selbst wenn es, wie bei Coca-Cola oder McDonald’s zwischenzeitlich zu enttäuschenden Unternehmensergebnissen kommt, erholen sich diese Aktien schnell wieder. Eine große Abwärtswende, wie von einigen Pessimisten immer wieder befürchtet, ist gerade bei US-Blue-Chips nicht in Sicht. Der stabile Dollar, die robuste Wirtschaft und das niedrige, aber schon realistischere Zinsniveau als in Europa, machen die USA derzeit zum Gelobten Land der Großinvestoren.

Immerhin, davon profitiert auch der Dax. Eine Baisse im Dax ohne einen Schwächeanfall in New York wird es nicht geben. Allenfalls entwickelt sich der Dax relativ schwächer als die US-Märkte – doch damit kann man leben, wenn man solide, wenn möglich dividendenstarke Aktien im Depot hat.

Kurzfristig läuft der Dax nach Plan: Dass er das alte Hoch knapp über 10000 erreicht hat und nicht schon vorher einknickte, ist ein Zeichen von Stärke. Nun hat der Index, immerhin nach sechs Wochen Kletterpartie, Luft für eine kleine Korrektur. Die sollte spätestens um 9500 aufgefangen werden. Von da aus besteht weiterhin die Chance auf neue Höchstkurse.

 

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