Derzeit mehr Risiken als Chancen im Dax

Auch wenn sich der Aktienmarkt kurzfristig stabil entwickelt, die Auftriebskräfte werden schwächer.

Die entscheidende Frage für die Märkte lautet derzeit: Wird aus den Schwankungen, die der Dax seit November bildet, eine große obere Trendwende mit nachfolgender längerer Baisse; oder ist es wieder nur eine mittelfristige Konsolidierung im langfristigen Aufwärtstrend, der nun schon fünf Jahre anhält? (Die noch längeren Trends, die man im Grunde bis zum Beginn des Aktienhandels nach der Währungsreform zurückverfolgen kann, sind dabei natürlich noch nicht berücksichtigt.)

Statistisch wäre es ja schon wieder soweit: Alle fünf Jahre gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen crashartigen Rückschlag. Der Autor dieser Zeilen hat in 30 Börsenjahren sechs solche Phasen er- und überlebt: 1987 den großen Crash, 1990 Saddam Hussein, 1998 Asien und LTCM, 2001 WTC, 2003 Ende der High-Tech-Baisse, 2008 Finanzkrise. (Dazu könnte man noch 2011 zählen, Fukushima und Flash-Crash).

Solche Rückschläge lassen sich weder sicher noch mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Recht haben dabei natürlich diejenigen, die schon immer auf der pessimistischen Seite waren. Anders ausgedrückt: Man muss nur lange genug den Weltuntergang predigen, irgendwann bekommt man dann schon einmal Recht – zumindest vorübergehend. Umgekehrt funktioniert das Spiel genauso: Immer Bulle bleiben, das stimmt dann wenigstens zeitlich gesehen in den meisten Fällen.

Vor den großen Rückschlägen gab es Warnsignale. Die lassen sich in ähnlicher Weise auf vier Grundprobleme zurückführen:

+die allgemeine Wirtschaftsentwicklung nimmt einen schwächeren Verlauf als erwartet (Konjunktur);

+der Geschäftsverlauf der einzelnen Unternehmen schwächt sich ab (Gewinne);

+die Geldversorgung der Anleger wird verengt oder abgeschnitten (Liquidität/Zins);

+Märkte sind schon bisher weit gelaufen (Bewertung).

Die meisten anderen Faktoren lassen sich dem zuordnen. So macht sich etwa wachsende Euphorie in einer hohen Bewertung bemerkbar. Eine Veränderung der politischen Großwetterlage trifft die Wirtschaftsaussichten und die Gewinnerwartungen der Unternehmen. Eine Finanzkrise (bzw. die Erholung danach) verschieben das Liquiditäts- und Zinsumfeld.

Aufwärts, Abwärts oder seitwärts?

Was ergibt sich nun für die aktuelle Lage, wenn man sie anhand dieser vier Grundfragen analysiert?

+Die Wirtschaftsentwicklung stimmt. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone deuten die Zahlen und die Indikatoren auf moderates, wenn nicht sogar robustes Wachstum. Da die allgemeinen Erwartungen auch nicht zu hoch sind, ist kaum Enttäuschungspotenzial vorhanden. Die Konjunktur spricht für AUFWÄRTS.

+Die Gewinnaussichten der Unternehmen sind, in den USA und der Eurozone, auch nicht düster. Unternehmen wie Siemens, SAP, BMW, Daimler oder Infineon dürften in diesem Jahr solide zulegen; andere, wie Allianz, die Banken, K+S, Thyssen, RWE, E.On tun sich schwerer. Insgesamt ist ein moderater Zuwachs möglich. Für die Kurse hieße das: SEITWÄRTS bis AUFWÄRTS.

+Bei den Zinsen haben die globalen Märkte den längsten Rückgang seit Menschengedenken hinter sich. Und zwar in zweifacher Hinsicht: Erstens sind die Renditen langfristig seit den inflationären 70er-Jahren auf dem Rückmarsch; zweitens wurden sie durch die Ausnahmesituation der Finanzkrise von den Notenbanken zusätzlich am Ende des schon bestehenden Abwärtstrends noch einmal mit aller Gewalt nach unten gedrückt. In den Vereinigten Staaten vollzieht sich am kurzen und am langen Ende die Wende. In der Eurozone könnte es noch etwas dauern, doch langfristig muss der Zins wieder steigen, damit er seine wirtschaftliche Lenkungsfunktion behält. (Wachstum plus Inflation ergäbe schon einmal grob gesagt drei bis vier Prozent.) Für den großen Trend heißt das: Zinsen rauf, Aktien ABWÄRTS.

+Bei der Bewertung wird es knifflig. Dass der Dax nun (bis auf den Zwischenschock 2011) schon fünf Jahre gut gelaufen ist, erhöht zwar die Gefahr von Rückschlägen: Doch (wie eben 2011) können diese Rückschläge für den großen Trend einen reinigenden und damit bestätigenden Charakter haben. Aktien müssen keineswegs fallen, weil sie vorher lange gestiegen sind – wenn der Anstieg mit einer substanziellen Geschäftsentwicklung untermauert ist. Und da allerdings beginnt sich im Dax die Schwere nun zu öffnen. Man will es nicht glauben, aber die durchschnittlichen Gewinnschätzungen für die Dax-Unternehmen rechnen für 2014 einen Gewinnanstieg von 36 Prozent hoch. Wenn man sich anschaut, dass selbst die Deutsche Post oder BMW, die zuletzt ihre Ertragsziele glaubhaft nach oben revidiert haben, vielleicht gerade mal zweistellige Zuwachsraten schaffen, ist das ziemlich utopisch. Doch nur mit diesem hohen Gewinnzuwachs wäre der Dax noch kaufenswert (KGV um 13). Wenn es im Index in diesem Jahr vielleicht nur zu 10 Prozent Plus kommt, hätte der Dax schon ein KGV von 17. Das wäre im langfristigen Vergleich im oberen, teuren Bereich, wenn auch noch nicht völlig überzogen. Für den Trend heißt das: ABWÄRTS.

Fazit: Fasst man die vier schematischen Urteile zusammen, ergibt sich eine leicht negative Gesamtprognose. Die muss sich keineswegs gleich in einem Crash oder einer Baisse manifestieren, aber sie macht die Risiken offensichtlich, die an den Aktienmärkten mittlerweile entstanden sind.

Eine optimistischere Prognose käme übrigens zustande, wenn sich nur einer der vier Punkte verbessern würde. Zum Beispiel die Bewertung¬ – was auch leicht möglich wäre: entweder durch deutlich höhere Gewinne der Unternehmen oder eben eine kräftige Kurskorrektur.

 

 

Alle Kommentare [5]

  1. Meiner Meinung nach kann der Dax auf gar keinen Fall staerker nach unten gehen, bei diesen niedrigen Zinsen und der fehlenden Alternativen, praktisch unmoeglich. Ausserdem steht H.Draghi bereit um Staatsanleihen unbegrenzt zu kaufen und noch mehr billiges Geld den Banken zu geben und die treiben weiter die Kurse nach oben, gut so, weiter so, conti 1500% die 2000% sind noch drin. Erst wenn eine Zinserhoehung droht, dann gehts runter, das kann noch ein Jahr dauern.

  2. Nicht zu vergessen die Stimmungsindikatoren Profis, Amateure und nicht zuletzt Medien.

    Egal, wann man sich das in den letzten Monaten oder auch schon Jahren seit 2009 ansieht: sie haben alle Angst. Sinngemässe Standardaussage ist stets: die Preise sind doch eigentlich schon gut gelaufen bzw. angemessen. Oh, oh, oh.

    Fazit: Es gilt wie immer: An dieser Angstlinie klettern die Kurse empor und in der schließlich einsetzenden Euphorie stirbt die Hausse. Angesichts all der pessimistischen Kommentare ist also mit weiterne kräftigen Kurssteigerungen zu rechnen. Nur 20% über dem vieljährigen und mehrfachen 8000er Hoch wäre ja auch etwas schlapp für den Dax. Aber vorsicht, wenn die Bildzeitung oder Frau mit Herz zur Aktienanlage raten. Dann ist es höchste Zeit auszusteigen.

  3. Wer einen Blick auf meine letzten beiden Kommentare wirft, wird feststellen, dass meine bullishe Einschätzung richtig lag. Heute sind wir beim Dax schon bei fast 9.700 Punkten angelangt. Im Vergleich zum „Krim-Tief“ ist dies ein ein Anstieg um fast 1.000 Punkte!

    Die überraschend niedrige Inflation und die EZB-Maßnahmen entfalten schon jetzt Ihre positive Wirkung. Nochmal der Fakt: Bei Deflationsgefahr gibt es keine Zinswende! Man beachte auch die diesbzgl. Aussagen der EZB. Daher ist zumindest kurz -und mittelfristig die Einschätzung von Hr. Riedl hier nicht zutreffend.

    Das führt zu meiner deutlich optimistischeren Prognose. Man denke nur an das Kursfeuerwerk in den vergangenen Jahren, als die EZB den Ankauf von Staatsanleihen angekündigt hatte.

    Wie es in ca. 1- 2 Jahren aussieht kann heute natürlich niemand einschätzen. Für die nächsten Monate allerdings bleiben die Börsenampeln ganz klar auf grün. Ich sehe weiterhin das 10.000 Punkte-Potenzial. Der Großteil davon ist ja schon geschafft.

  4. Herr Riedl, ein Punkt fehlt – dafür könnte man alle andere weglassen: So lange die Zentralbanken Fiat-Money drucken und zinslos verschenken, genau so lange geht es mit den Aktien aufwärts, bis zum großen Crash, der nicht mehr allzu weit entfernt ist.

    Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten
    Prof. Steve Keen: „Rund 80 Prozent der Tarp-Gelder, die dazu gedacht waren, die Wirtschaft zu beleben, gingen direkt in Spekulationen an den Aktienmärkten. Alleine deswegen sind die Aktienkurse so stark gestiegen. Wenn wir künftig zurückblicken, werden wir sehen, dass wir uns in der größten Finanzblase aller Zeiten befinden. Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Der zweite liegt in der neoklassischen Wirtschaftstheorie, die die Entwicklung theoretisch unterlegte und rechtfertigte. Um die Wiederholung zu vermeiden, müssten dogmatische Ökonomen und der Finanzsektor bluten. Stattdessen jedoch wird er wieder zum selben Verhalten ermuntert, das uns direkt in die Krise brachte.“

    Die finale Krise steht erst noch bevor
    Schulden, überall nur Schulden. Die Industriestaaten haben die Rettung ihrer maroden Banken teuer erkauft, dazu kommen hausgemachte Probleme. Europas Bankster erhielten von den „stupid“ Steuerzahlern allein im Zeitraum Okt. 2008 – Okt. 2010 4589 Milliarden Euro. Doch die ganzen Billionen sind schon wieder im Eigenhandel und an den Börsen verzockt. Sie sind schon wieder pleite, die Armen.
    Nach Ausbruch der Finanzbetrugskrise anno 2008 haben die westl. Ind.staaten 32,5 Bio. $ aufgewendet, natürlich alles auf Pump, um die größte Krise der Neuzeit zu lösen, die durch Leben auf Pump entstanden ist, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung einzuleiten. Wie töricht. Sämtliche Konjunkturstrohfeuerpakete sind wirkungslos verpufft und die Bankster sind immer noch so pleite wie anno 2007. Jetzt sind die Staaten pleite, stehen vor wegbrechenden Steuereinnahmen und explodierenden Ausgaben für Zinsen und Soziales. So wird jeglicher Aufschwung bereits im Keim erstickt.
    Nach 2008 hat Bernanke nochmals ca. 30 Bio. $ aufgewendet, um die größten US-Bankster und ein paar Zentralbanken zu retten, bzw. deren Kollaps nochmals rauszuschieben. Da stehen wir jetzt.

    Der globale Kreditrausch
    Die Schulden der Staaten erreichen astronomische Größen. In Europa stehen die Staaten inzwischen mit 8000 Milliarden Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide. Immer drängender wird die Frage nach der weiteren Finanzierung – nicht nur für überschuldete Staaten wie Griechenland. Zum Schuldenmachen braucht es zwei: Schuldner und Gläubiger. Die Staaten lassen bis zum Anschlag anschreiben
    Die globalen Schulden haben sie von 18 Bio. $ anno 1990 auf 95 Bio. $ Anfang 2010 und bis Ende 2010 auf über 200 Bio. $ erhöht. Was sagt uns das? Der Aufschwung der PIIG(F)S war nicht erarbeitet, sondern nur auf Pump aufgebaut. Jetzt hat es sich ausgepumpt. Draghi verlängert lediglich das Siechtum.

    Faber erwartet den großen Crash
    Die Börsen werden einbrechen. Der Weltwirtschaft geht die Puste aus, das globale Finanzsystem werde eines Tages implodieren. Notenbanken und Politik riskierten den Zusammenbruch.
    Faber ist sicher, dass eines Tages das ganze globale Finanzsystem auf null gesetzt wird. Für einen allfälligen Neustart des Systems sorgen werden aber nicht Notenbanken, sondern implodierende Währungs-, Kredit- oder Aktienmärkte.

    Der ganz große Crash, der die Große Depression in den 20-ern bei Weitem in den Schatten stellen wird, der ist nicht mehr allzu weit entfernt. Noch ist dafür Zeit, sein Vermögen und seine Ersparnisse sicher und günstig in Rohstoffe und Edelmetalle umzuschichten – zum Werterhalt. Und erst nach dem großen Crash Aktien kaufen von Firmen, die den Crash überlebt, bzw. umfirmiert haben – zu einem Bruchteil des derzeitigen Kurses. So wird da ein Schuh daraus.

  5. da es schon seit 3 jahren seitwärts geht, damals gewarnt wurde dass der normalo das Zocken den Großen überlassen soll, wurde alles vergessen, und der Gau verschoben, nun steht alles wie geünscht vor dem Supergau, und der kleine soll noch reingejagt werden, damit die Großen noch Absahnen können?