Der Frust über die Italien-Wahl steckt tief, eine klare Entscheidung steht immer noch aus. Unsicherheit ist Gift für die Börsen, dennoch gibt es Gewinner.
Dass der Dax innerhalb weniger Stunden 250 Punkte verliert, als klar wird, dass es in Italien vorerst keine handlungsfähige Regierung gibt, zeigt das Dilemma an den Märkten. Natürlich war schon von vornherein klar, dass der Ausgang knapp werden würde. Doch mit der aktuellen Patt-Situation (Bersani im Abgeordnetenhaus, Berlusconi und Grillo im Senat) wird effektives Regieren unmöglich.
Die politische Entwicklung der nächsten Wochen wird zeigen, ob es Neuwahlen gibt und ob die dann ein klares Ergebnis bringen. Angesichts des aktuellen Ausgangs dürften die Erwartungen dafür nicht allzu optimistisch angesetzt werden.
Das Problem für die Aktienmärkte: Gibt es keine handlungsfähige und europäisch ausgerichtete Regierung, gerät der gesamte Prozess der Krisenbekämpfung ist Stocken. Italien ist nicht Zypern, man kann das Land nicht mit einer schnellen Hilfsaktion über Wasser ziehen. Andererseits ist Italien nach wie vor integraler Bestandteil der EU.
Die Spekulationen über die politische Zukunft Italiens und über die Rolle des Landes innerhalb der EU werden in den nächsten Wochen und Monaten anhalten. Mit dieser Unsicherheit müssen die Aktienmärkte leben.
An den Märkten wird diese Unsicherheit mehrere Folgen haben:
+Die Zinsen für italienische Staatsanleihen werden steigen, dafür werden im Gegenzug wieder sichere Anleihen, also Bunds, attraktiver. Deren Zinsen gehen also wieder zurück – das kommt Deutschland durchaus zugute, damit lassen sich Schulden leichter bedienen;
+Die Notenbankpolitik in Europa (und wahrscheinlich tendenziell auch in den USA) wird vorerst nicht mehr daran denken, Zinsen zu erhöhen. Die extreme Geldpolitik wird fortgesetzt, die Flutung an den Märkten hält an, mit den bekannten Folgen wie bisher: Solide Anleihen bleiben stabil oder steigen sogar noch einmal im Kurs, Aktien stabiler Unternehmen (mit sicherer Dividende) sind weiterhin als Anleihenersatz gefragt;
+Die Konjunkturentwicklung innerhalb Europas bleibt zweigeteilt. Zum einen der weiterhin schwer angeschlagene Süden, zum anderen können Kernländer wie die Bundesrepublik vom niedrigen Zinsniveau weiter profitieren;
+Der Euro hat ohnehin schon seine Zwischenerholung beendet und dürfte in den nächsten Monaten weiter unter Druck stehen. Das hilft im Gegenzug europäischen Exporteuren, die in den vergangen Wochen sogar schon wieder über den vorübergehend starken Euro gejammert hatten;
+Weltweit gesehen wird die fortgesetzte Zitterpartie in Europa den Geldstrom in die Schwellenländer aufrechterhalten. Mehr als bisher dürfte sich dort die konjunkturelle Erholung nach dem Dämpfer 2012 fortsetzen – und auch der Aufwärtstrend an den Anlagemärkten.
Fazit für Anleger
Die alten Favoriten sind erst recht die neuen: Bei Aktien stehen Unternehmen im Vordergrund, die ein starkes Geschäft in den Schwellenländern haben, solide Gewinne (und Dividenden) bringen und wenig von der Schaukelpartie Europas abhängig sind. Bei Anleihen zählt geht Solidität vor Rendite; die große Zinswende (die früher oder später kommen muss) wird noch etwas dauern.











3 Kommentare zu “Schlechte Folgen für Aktien – und gute”
Ach Gott, da lässt doch tatsächlich eine Wahl des Souveräns den „heiligen“ Finanzmarkt erschüttern. Demokratie ist doch Schei…, oder!?
Ich würde sagen: Märkte sind weder demokratisch noch undemokratisch – und sicherlich nicht heilig. Sie sind schlicht notwendiger Bestandteil eines überwiegend marktwirtschaftlichen Systems. Wir sollten sie deshalb durchaus ernst nehmen, wenn wir für Marktwirtschaft etwas übrig haben.
Viele Grüße
A.R.
„Wir sollten sie (die Finanzwerte) deshalb durchaus ernst nehmen, wenn wir für Marktwirtschaft etwas übrig haben.“
Ich sage ja, wehe wenn der Souverän sie (die Finanzmärkte) nicht ernst nimmt, weil er vielleicht genau in Ihnen, so wie sie funktionieren, ein Problem sieht.
Grüße zurück