Im Umfeld der Italien-Wahl bleiben die Märkte vorerst nervös. Die Liquiditätsschwemme aber sollte größere Verluste verhindern.
Bei uns im Handelsblatt-Haus gibt es seit einiger Zeit eine schöne kleine Kaffee-Ecke, bei der man einen richtig guten Kaffee bekommt. Natürlich, mit rund 1,80 Euro je Tasse (je nachdem, was man nimmt), ist das nicht billig; aber wenn man vielleicht zweimal am Tag statt zum 40-Cent-Becher aus dem Automaten zum guten Kaffee greift, sollte das kaum ins Gewicht fallen.
Allerdings: Wenn man sich diesen Luxus jeden Tag gönnt, vertilgt man dabei die Zinsen eines ganzen Anleihedepots, das einen Nominalwert von 36667 Euro hat – nach folgender Rechnung:
1,80 Euro je Becher, zweimal am Tag, macht im Jahr (bei 220 Arbeitstagen) 792 Euro. Rechnet man Kapitalertragssteuer und Kirchensteuer dazu, sind dafür 1100 Euro jährliche Zinseinnahmen notwendig. Selbst wenn man Anleihen mit einer schon etwas höheren Verzinsung nimmt, sagen wir einmal drei Prozent Jahresrendite, ist dafür ein Investment von 36667 Euro notwendig.
36667 Euro reichen gerade mal für zwei gute Tassen Kaffee am Tag! – Eine solche Relation muss man sich vor Augen halten, wenn man meint, man könne mit Zinsanlagen ein normales Leben finanzieren oder sogar Vermögen aufbauen.
Die Kaffee-Weisheit spricht eher für steigende Aktien
Nun, was hat die Kaffee-Rechnung mit der aktuellen Entwicklung an den Kapitalmärkten zu tun? Sie zeigt, dass die Zinsen, selbst wenn man sich etwas ins Risiko wagt, nichts mehr mit ihrer ursprünglichen Funktion zu tun haben: einen fairen, der Ausfallgefahr angemessenen Ertrag für die Überlassung von Kapital zu bieten.
Natürlich wissen wir hier nicht, welche Kaffeeautomaten in den Büros der amerikanischen Fed stehen. Aber es wundert nicht, dass sich dort die Stimmen mehren, die permanente Niedrigzinspolitik (einschließlich solcher Extremmaßnahmen wie Anleihekäufe) könne auf Dauer nicht gut gehen; gerade weil es ja auch immer wieder Anzeichen dafür gibt, dass sich die Wirtschaft zumindest etwas erholt. (Auch hierzulande ist der aktuelle Ifo-Index wieder einmal besser als erwartet.)
Das jüngste Grummeln der Fed war ein Grund, warum die Aktien in den vergangenen Tagen kräftig einbrachen. In Amerika nicht so stark wie in Europa (da grassiert zudem die Berlusconi-Angst), aber der Dämpfer im Dow ist nicht zu übersehen.
Der Kursrutsch in den vergangenen Tagen zeigt zweierlei:
Zum einen die klassische Denkweise, dass steigende Zinsen schlecht für Aktien sind (weil andere Anlagen dann attraktiver werden, steigende Zinsen die Realwirtschaft drosseln und damit auch die Gewinne der Unternehmen);
Zum anderen die aktuelle Denkweise, dass Anleihen angesichts des niedrigen Zinsniveaus keine lukrative Anlage mehr sind und bei sinkenden Kursen (also wenn die Zinsen steigen) sogar richtig gefährlich werden können.
Was gilt nun?
Entscheidend für die mittelfristige Tendenz an den Aktienmärkten dürfte vorerst eher die zweite Sichtweise sein, also die Weisheit aus der Kaffee-Tasse: Solange die Zinsen insgesamt ein so niedriges Niveau haben, sind Anleihen eine tendenziell uninteressante Anlage und deshalb wird weiter Geld in Aktien fließen. Dieses Geld wird immer dann vermehrt kommen, wenn Korrekturen am Aktienmarkt auftreten, die damit aufgefangen werden, also nicht zu heftig ausfallen sollten.
Kurzfristig wird es für die Aktien ohne Frage spannend. Der Schwächeanfall wurde im Dax bisher bei knapp unter 7600 aufgefangen, im Euro Stoxx haben nicht einmal die mehrmals genannten 2600 gehalten. Beides macht ohne Frage vermehrte Wachsamkeit notwendig. Ein Rutsch des Dax unter 7580 könnte einen schnellen Verfall auslösen bis zunächst 7440, dann in Richtung 7200.
Natürlich, entscheidend dafür wird der Ausgang der Wahl in Italien. Aktuell, jetzt am Freitag Vormittag, sieht es nicht nach einem Durchmarsch von Berlusconi aus – immerhin.










