Vorbei ist die Schuldenkrise Europas noch lange nicht. Doch immer mehr Anleger setzen darauf, dass sie eines Tages gut ausgeht.
Langsam, aber doch stetig, stabilisiert sich die Konjunktur. Der ZEW-Index ist besser als erwartet ausgefallen, und auch der letzte Ifo war ja nicht schlecht. Beide signalisieren, dass die Wirtschaft hierzulande nach dem schwächeren, aber nicht schwachen Jahresausklang in den ersten Monaten 2013 wieder Tritt fasst und von da aus leicht anziehen könnte. Entscheidend dafür ist die Hoffnung, dass in der Euro-Krise das Schlimmste überstanden sei.
Für denjenigen, der auf den Weltuntergang wartet – oder zumindest auf das Zerplatzen der EU – mag das ziemlich blauäugig sein. Und in der Tat signalisieren die Frühindikatoren ja nicht das Ende der Euro-Krise; sie deuten nur darauf hin, dass die akute Phase sich erst einmal entspannt.
Ein zweiter Belastungstest steht noch an – mindestens
Man könnte das gut mit dem Kursverlauf einer Aktie vergleichen. Danach hätte die Europa-AG, wenn man sie einmal so nennen will, einen massiven Ausverkauf hinter sich. Jetzt steht erst einmal eine vorsichtige Erholung an. Setzt man die Analogie fort, müsste es in den nächsten Monaten mindestens zu einem zweiten Test kommen: Also einer Bewährungsprobe, ob die Konjunktur hält, die EZB weiter bei ihrer Linie bleibt, die EU mit ihrer Währung weiter existiert.
International stehen ebenso einige Belastungsproben bevor: das Management der Zypern-Krise, die Wahl in Italien, die politisch angeschlagene Regierung in Spanien, die Haushaltsdebatten in den USA. Von geopolitischen Unsicherheiten (Syrien, Ägypten, Nordkorea, Mali) einmal ganz abgesehen.
Als Börsianer könnte man nun sagen: Das gesamte Problemspektrum ist eigentlich nicht neu, die Märkte kennen es seit langem, sie haben damit leben gelernt – und setzen nun darauf, dass die nächsten Monate zumindest nicht schlimmer werden sondern (siehe ZEW und Ifo) eher leicht besser.
Märkte nehmen Horror-Meldungen gelassen hin
Der kurz- bis mittelfristige Verlauf im Dax passt zu dieser Einschätzung. Nach dem schnellen Anstieg bis Mitte Januar steckt er seit vier Wochen in einer klassischen Seitwärtsbewegung fest. Ginge es nach dem typischen Zeitfenster könnten es rund sechs Wochen werden, bis zur Entscheidung der Wahl in Italien. Ein für die EU positiver Ausgang, also ein schwaches Abschneiden Berlusconis, könnte dann der Auslöser für einen neuen Aufschwung werden.
Dass die Märkte Horror-Botschaften wie die Milliarden-Verluste von Peugeot gelassen hinnehmen, ja sogar mit Kursgewinnen reagieren, ist ebenso ein Zeichen von Stärke. Man könnte auch sagen: Es gibt genug Käufer, die bereit sind, angesichts der aktuell hohen Unsicherheit zu kaufen.
Was passiert dann erst, wenn sich diese Unsicherheit löst und der Weltuntergang wieder einmal nicht eintritt?










