» 01.02.2013, 10:28

Korrektur oder Durchmarsch?

Nach zehn Wochen Kletterpartie tun sich Dax und Dow zunehmend schwerer. Zudem ist der Februar in der Regel kein starker Monat an den Märkten.

Schafft der Dax kurzfristig (also sagen wir einmal: in den nächsten zwei bis drei Wochen) noch den Sprung auf 8000, oder dauert die Korrektur doch länger – wie ursprünglich angesetzt den ganzen Februar bis in den März hinein? Nun, es dürfte knapp werden.

In New York ist der Dow gestern weiter abgerutscht, zwar nicht viel in absoluten Punkten, aber doch im Tagesverlauf kontinuierlich. Noch hat er heute, Freitag, die Chance, das auszubügeln. Ohnehin ist der Wochenschluss wichtiger als der Schluss eines Tages während der Woche. Aber das muss er heute dann auch schaffen. Am besten wäre ein Schluss nach einem stabilen Tagesverlauf oberhalb von 13900.

Im Dow wird es immer enger

Dabei ist der Dow derzeit ohnehin in einer heiklen Situation. Seit Mitte November hat er in zwei ähnlichen Aufschwüngen eine komplette Kursbewegung absolviert. Komplett deshalb, weil sie aus zwei Aufwärtsbewegungen und einer mittigen Gegenbewegung bestand. In einer solchen Situation ist eine mehrwöchige Konsolidierung oder sogar Korrektur ziemlich wahrscheinlich.

Im Dax sieht das ähnlich aus. Auch hier besteht seit Mitte November ein steiler Aufwärtstrend, der schon einmal (Mitte Januar) in eine Korrektur überging. Das neue Hoch bei 7858 hätte dann wiederum als Impuls für den Anstieg auf 8000 bis 8100 funktionieren können.

Dünner wiederum wird die Luft, wenn man den Abstand zur 200-Tage-Linie betrachtet. Sie verläuft im Dax derzeit bei 7000 Punkten. Zweimal im vergangenen Jahr, im März und im September, war der Dax ähnlich weit vorgelaufen; zweimal folgte danach eine mehrwöchige Korrektur.

Gemischt ist auch die Aussage des V-Dax. Die Volatilität ist mit einem Stand um 15 ziemlich niedrig. Das signalisiert grundsätzlich einen wenig angespannten Markt, kann aber auch zu einer schnellen Gegenbewegung führen.

Einzelwerte sprechen für Konsolidierung

Zusätzliche Hinweise geben die wichtigen Aktien im Dax. Hier könnten die Kursbewegungen in den nächsten Wochen etwa so aussehen:

Allianz setzt wie angenommen die Konsolidierung mit leicht abbröckelnden Kursen zwischen 110 und 100 fort, dürfte danach aber mittelfristig wieder ansteigen;

BASF konsolidiert weiter zwischen 75 und 70, zieht danach ebenfalls nach oben; Daimler bleibt vorerst zwischen 44 und 40; Siemens tut sich weiter um 80 schwer und könnte sogar bis auf 75 nachgeben; SAP konsolidiert zwischen 60 und 57;

Brisant wird es bei E.On. Die Aktie ist, wie schon im großen Dax-Überblick der WirtschaftsWoche vor vier Wochen beschrieben, eine der schwächsten Titel im Lande. Der Kursverlauf ist eindeutig negativ zu interpretieren, auch wenn das Papier am bisherigen Tief eine kleine Reaktion vornehmen kann. Dass E.On trotz des zuletzt guten Umfeldes so schwach im Markt hängt, ist ein eindeutiges Warnsignal. Die jüngsten Hinweise auf ein schwieriges Geschäft passen dazu. Für Investoren ist das Papier weiterhin ein No-Go.

Eine positive Überraschung dagegen ist die Deutsche Bank. Dass sie Gewinnprobleme hat, weil das Investmentbanking (ihr ureigenes Kerngeschäft) zunehmend in die Kritik gerät, war abzusehen. Dass die Bank jetzt schon so hohe Abschreibungen für Prozessrisiken vornimmt und damit im vierten Quartal tief in die roten Zahlen rutschte, war weniger zu erwarten.

Umso positiver ist der Kursanstieg zu werten. Die Käufer dürften so denken: die Risiken sind zwar nicht verarbeitet, aber jetzt auf dem Tisch. Das gibt die Chance, nach vorne zu denken. Da hat die Deutsche Bank wegen der Abschreibungen natürlich keine günstige 2012er-Bewertung  mehr, doch für 2013 sind die Zahlen dafür umso realer.

Insgesamt deuten die tragenden Dax-Werte eher auf eine Konsolidierung im Februar hin als auf einen schnellen Durchmarsch.

Der große Aufwärtstrend ist voll intakt

So oder so, an der großen Aufwärtstendenz im Dax ändert das nichts. 26 von 30 Aktien verlaufen deutlich über ihrer 200-Tage-Linie. Das sind 87 Prozent – und bei Werten über 80 Prozent kann man eine stabile Hausse diagnostizieren. Zudem sind die Fußkranken ohnehin Sondersituationen. Das gilt vor allem für die angeschlagenen und weiter uninteressanten Energiewerte und für K+S, die unter weiter schwachen Kali-Preisen leiden.

Dass die Aktienmärkte unter mittelfristiger Perspektive so stabil sind, obwohl sich die Eurokrise zuletzt wieder zuspitzte (etwa bei italienischen Banken) und  die Situation in Afrika (in Ägypten wie in Mali) brisant ist, signalisiert eine grundlegende Stärke - oder anders ausgedrückt: einen hohen Bedarf der Anleger nach aussichtsreichen Anlagen. Und dieser Bedarf dürfte Equity-Assets mittel- bis langfristig weiter steigen lassen.

 

» 01.02.2013, 10:28

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