Nach mehr als 30 Jahren Rückgang wird die Wende hin zu steigenden Zinsen immer wahrscheinlicher – mit enormen Konsequenzen für Anleihen und Aktien.
Aus dem Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank ist zunehmend Widerstand gegen weitere Anleihekäufe zu spüren. Natürlich geht die offizielle Linie dahin, die administrativen Zinsen, wenn man sie mal so nennen will, am Boden zu halten und das so lange wie notwendig – genau darin aber steckt der Sprengstoff: Wenn es eben nicht mehr so notwendig ist wie bisher, wenn sich die akute Krise entspannt, wird der künstliche Druck auf die Zinsen nachlassen und sich die Zinsen wieder am wirtschaftlichen Umfeld orientieren: Und damit lägen sie wesentlich höher.
Genau das ist an den weltweiten Anleihemärkten immer deutlicher zu spüren. Nachdem Festverzinsliche in den vergangenen Jahren enorme Gewinne einbrachten, sind die Renditen extrem mager geworden, die Risiken dafür umso größer. Besonders gut sichtbar ist die Spannung an der Umlaufrendite. Hier sind die durchschnittlichen Renditen öffentlicher Anleihen verrechnet. Dominiert wird die Kurve von langen Anlagen.
In den vergangenen sieben Monaten ist die Umlaufrendite vier Mal in den Bereich um ein Prozent gesunken, vier Mal drehte sie danach wieder nach oben; zuletzt sogar besonders schnell. Spiegelbildlich geben die Anleihenkurse nach: Das sieht man am Bund-Future, aber auch am Anleihenindex Rex; besonders gut hier am Kursindex, denn der wird (im Gegensatz zum Performance-Index) nicht durch die Kuponzahlungen zusätzlich gefüttert. Der Rex-Kursindex ist zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren auf seine 200-Tage-Linie eingeknickt. Das ist noch keine große Trendwende, aber es ist ein klares Warnsignal für Anleihenkurse.
Mögliche Wende zwischen 0,9 und 1,4 Prozent
Für die Umlaufrendite heißt das: Nachdem mehrmals die untere Zone um ein Prozent gehalten hat, wird der Markt die nächste Obergrenze testen; die liegt kurzfristig bei 1,3 bis 1,4 Prozent. Bis dahin kann es schnell gehen. Ein Anstieg darüber hinaus könne dann sogar einen mehrmonatigen Zinsanstieg einleiten – und der wiederum könnte ein Baustein der ganz großen Zinswende werden. Dann ginge es um den Trend, der 1981 bei elf Prozent begann und bis jetzt (seit 2008/09 verlängert durch die Finanzkrise) auf ein Prozent hinunter ging.
Die Zinspolitik der Notenbanken ist die eine, für die Märkte derzeit dominierende Kraft – unter anderem, weil sie durch die genannten Anleihenkäufe ihr klassisches, kurzfristig wirkendes Arsenal auf das lange Ende ausgebaut haben, also die Zinspolitik im Zuge der Krisenbekämpfung erweiterten.
Das Alcoa-Signal: Alu-Nachfrage steigt
Das andere ist die konjunkturelle Entwicklung. Das Winterhalbjahr dürfte in den meisten Industrieländern und auch in den Schwellenländern etwas magerer ausfallen. Was aber, wenn sich im Laufe des Frühjahrs dann eine Erholung abzeichnet?
Schon jetzt gibt es dafür Vorzeichen, wie jüngst gerade vom amerikanischen Alu-Konzern Alcoa. Dessen bisherige Zahlen waren nicht nur besser als erwartet; Alcoa rechnet für dieses Jahr mit plus sieben Prozent sogar mit einer merklichen Erhöhung der Alu-Nachfrage. Aluminium ist, neben Kupfer, das wichtigste Industriemetall, das (auch wegen des wichtigen Abnehmer- und Produktionsland China) ein besonders guter Seismograph für die weitere Konjunkturentwicklung ist. Die Preise beider Metalle sind zwar noch nicht massiv angezogen, aber die Kurven stabilisieren sich spürbar: Alu um 2000 bis 2100 Dollar die Tonne, Kupfer um 8000.
Für den Dax wird das Fundament stabiler
Natürlich, es ist noch zu früh, für 2013 schon wieder einen deutlichen Konjunkturanstieg zu verkünden. Dennoch gibt es derzeit mehr Anzeichen für eine Erholung als für ein abermaliges Absacken. Für die Aktienmärkte, die weder überbewertet sind noch sich durch kollektive Euphorie auszeichnen, ist das kein schlechtes Fundament: Die langfristige Tendenz an den Märkten ist intakt und zeigt weiter nach oben.
Das schließt kurzfristige Reaktionen und Korrekturen mit ein. Der Dax etwa ist fast acht Wochen gestiegen, von 6950 auf 7780, also um mehr als 800 Punkte. Wenn er davon in klassischer Weise rund 40 Prozent abgeben würde, ergäbe das einen Korrekturspielraum bis 7450. Just hier verläuft die Obergrenze der letzten Topnotierungen, die sich aus den Tagesschlussständen ableitet. Ob der Dax dieses Korrekturpotenzial voll ausnutzt, ist offen. Doch so oder so sollte er danach genügend Power haben, sein altes Hoch um 8100 zu erreichen – mindestens.











2 Kommentare zu “Auf die Zinswende einstellen”
Etwas mager der Artikel !
Vergessen zu erwähnen wurde die geopolitische Weltlage !
Wie wird sich diese in 2013 entwickeln ( Mali ) ?
Was passiert in England und Amerika, wo fast auf jeder Ebene manipuliert
wird ( Banken ) und keiner mehr richtig durchblickt ?
Dort sehe ich das Fundament noch dünner als in Europa !
Meiner Meinung nach nehmen die Unwägbarkeiten weltweit zu !
Der Kollaps wird kommen !
Hallo Herr Nützmann, alles große Themen, die eng zusammenhängen – und die nicht in einen einzigen Artikel passen. Zu Mali lesen Sie bitte die interessante Diskussion zwischen meinen Kollegen Frank Doll und Florian Willershausen. Ohnehin finden Sie zu den von Ihnen genannten Themen reichlich Material in der WiWo – und wenn es um den Dax-Radar geht, dann finden Sie im Blog derzeit 215 Artikel….
Viele Grüße
A.R.