» 04.01.2013, 10:39

Nächstes Ziel 8100 Punkte

Die große Trend im Dax zeigt klar nach oben, Spielraum für Korrekturen gibt es aber genug  

Der Start in das neue Jahr verlief keineswegs schlecht. Immerhin hat der Dax mit 29 Prozent Plus 2012 schon einiges hinter sich, und wenn er sich auf diesem Niveau erst einmal hält, ist das eine gute Leistung.

Die Reaktion auf den Kompromiss um die Fiskalklippe ist durchaus ein Zeichen der Stärke. Die Märkte haben zwar immer auf eine Lösung gesetzt, gegen Ende kamen dann aber doch Zweifel auf. Die massive Rally danach war eher die Folge von Short-Eindeckungen und weniger  die Folge einer grundlegenden Neueinschätzung. Im Gegenteil: Am Schuldenproblem der USA hat sich damit nichts geändert, das Thema wird spätestens im Februar wieder nach oben kommen und die Märkte beschäftigen (und dann wahrscheinlich für eine vorübergehende Korrektur sorgen.)

Ohnehin sind die Aktienmärkte in den USA weiterhin weniger robust als in Europa oder in den Schwellenländern. Der Dow Jones hat sich zwar über die wichtige Zone um 13000 gerettet, aber er rangiert immer noch klar unter seinem Aufwärtstrend von 2009. Zudem hat er auch kein neues, mittelfristiges Hoch erreicht. Beides sind aus kurstechnischer Sicht sogar Warnsignale, die in den nächsten Wochen zu einer Korrektur führen können.  Gemischt auch die Teilindizes: Transport klar positiv, Versorger in der Mittellage.

Kurzfristig ist es entscheidend, dass der Dow die Zone um 13000 bis 13200 hält. Solange ihm das gelingt, kommt aus Übersee kein Störfeuer.

Drei Gründe für den langfristigen Kursanstieg

Für die Aussichten in Europa (und damit auch für den Dax) sind die Vorzeichen weiterhin gut. Es gibt drei entscheidende Gründe, warum die Chance auf weitere Zugewinne größer ist als das Risiko nachhaltiger Kursverluste:

Erstens ist der Konjunkturverlauf für die Börse keineswegs schlecht. Nach einem schwächeren Winterhalbjahr könnte die Wirtschaft im Laufe des ersten Halbjahres 2013 wieder Tritt fassen und von da aus leicht zulegen. Das hängt natürlich auch von Fortschritten bei der Bekämpfung der Schuldenkrise zusammen, aber selbst in den angeschlagenen Ländern ist auf niedrigem Niveau eine Stabilisierung zu erkennen. Dass die Börsen in Spanien und Frankreich – und hier vor allem auch die Bankaktien – stabil sind, ist ein gutes Zeichen.

Zweitens ist weiterhin genug Liquidität für den Aktienkauf da. Die Notenbanken werden die Zinsen unten halten. Am Kapitalmarkt könnte sich zwar (zwischen 1,0 und 1,3 Prozent in der Umlaufrendite) eine lange Bodenbildung abspielen, doch ein schneller und nachhaltiger Zinsanstieg ist derzeit nicht zu erwarten. Andererseits bieten Anleihen generell so wenig Rendite, dass sie selbst für vorsichtige Anleger immer weniger infrage kommen.

Drittens sind die Märkt keineswegs überbewertet. Wenn sich die Wirtschaft nur einigermaßen hält, können auf den Dax umgerechnet rund 700 Euro Durchschnittsgewinn zusammenkommen. Danach läge die aktuelle Bewertung um elf, und schon eine zwölf- bis dreizehnfache Bewertung (die im langfristigen Vergleich keineswegs überzogen wäre) gäbe Spielraum bis weit über die bisherigen Top-Kurse hinaus.

Kurzfristige Reaktionen einplanen

Dass der Dax derzeit noch moderat bewertet ist, heisst nicht, dass es keine Korrekturen gibt. Auch hier lässt die Bewertung genug Raum. In Korrekturphasen liegen die durchschnittlichen Tiefs (also nicht die extremen) etwa bei einem KGV um zehn. Das ergäbe Luft nach unten bis auf 7000. Gemessen am aktuellen Stand wären das schon mal zehn Prozent Abschlag – also durchaus eine klassische Korrektur.

Kurstechnisch sieht dies ähnlich aus. Zunächst befindet sich der Dax eindeutig in einer intakten Aufwärtsbewegung: Er ist über das letzte mittelfristige Hoch (grob gesagt die Zone um 7500), hat dabei auch eine große Aufwärtsformation im Rücken (die gesamten Kursschwankungen der Jahre 2011 bis 2012), verläuft deutlich oberhalb wichtiger Aufwärtstrendlinien und oberhalb der 200er-Linie.

Diese hohe Dynamik ist allerdings ambivalent: Einerseits dokumentiert sie die innere Stabilität des Trends, andererseits bietet sie reichlich Spielraum für Korrekturen. Bis 7500 ginge es zum alten Hoch; bei 7100 bis 7200 (je nach Zeitablauf) liegt die Dachlinie der großen Aufwärtsformation; bei 6915 verläuft derzeit die 200-Tage-Linie.

Angesichts der generellen Dynamik und dem noch nicht überschäumenden Optimismus sollte der Dax kurzfristig die vier bis fünf Prozent bis zum historischen Hoch bei gut 8100 bald schaffen. Es würde nicht in sein starkes Bild passen, wenn er jetzt, so kurz vor dem Ziel, schlapp macht. Der letzte mittelfristige Tiefpunkt lag Mitte November. Sechs bis acht Wochen sind in der Regel eine gute Spanne für eine mittlere Trendbewegung.

Spannend dürfte es werden, was der Dax mit der riesigen Kurslücke (Gap) macht, die zwischen 7600 und 7750 nach dem Jubel über die Klippen-Lösung entstand. Wenn er diese Lücke nach unten schließt, wäre das der Beginn einer Korrektur, die bis Februar/März gehen könnte.

 

 

 

 

» 04.01.2013, 10:39

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