» 19.12.2012, 10:28

Der Dax hat zunächst Luft bis 8000

Bessere Konjunkturaussichten und eine Erholung in den Schwellenländern eröffnen dem Dax weiteren Kursspielraum.

Die Zeichen mehren sich, dass es im amerikanischen Haushaltsstreit noch rechtzeitig eine Lösung gibt. Noch ist sie zwar nicht auf dem Tisch, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Das ist natürlich auch der Grund dafür, dass die Märkte mit einer solchen Lösung rechnen. In der Regel geht ein solches Kalkül auf. Wenn nicht, dann wären die Folgen natürlich erheblich: deutliche Abkühlung der Wirtschaft, massiver Kursrückschlag an den Aktienmärkten.

Wer Aktien kauft, hat nie Sicherheit. Es sind immer nur Wahrscheinlichkeiten, Szenarien oder Bauchgefühl, mit dem man seinen Anlagezeitraum absteckt. Es ist also durchaus legitim, mit einer Lösung der Haushaltskrise zu rechnen.

Genau das zeigt sich in den amerikanischen Indizes. Der Dow Jones hat die wichtige Zone um 13000 Punkten nachhaltig genommen, die 200er-Linie dürfte bald wieder nach oben drehen. Bestätigt wird das positive Bild durch einen starken Transportindex und durch einen Versorgerindex, der sich zumindest wieder etwas erholt. Nasdaq und S&P sehen genauso aus.

Insgesamt hat sich an den US-Börsen die seit einigen Wochen positivere Situation verfestigt. Zwar kann es auch bei einer Lösung des Haushaltsstreit Gewinnmitnahmen geben (sell on good news), doch der grundlegende Aufwärtstrend sollte sich dann mittelfristig fortsetzen.

Die Konjunktur kommt wieder

Ganz wichtig für die Weltbörsen ist es, dass die Wirtschaft 2013 wahrscheinlich eben nicht wieder abkippt. Natürlich gibt es immer wieder Warnungen, zuletzt etwa von der UNO. Aber solche Äußerungen haben auch einen politischen Hintergrund, nämlich die Gespräche um den US-Haushalt nicht scheitern zu lassen.

Eindeutig positive Signale kommen vom IWF. Er rechnet damit, dass die Weltwirtschaft zwar zunächst sich etwas moderat entwickelt, dann aber im Laufe von 2013 an Dynamik zunimmt.

Motor sind dabei – neben der gar nicht mal so schlechten Wirtschaft in den USA – vor allem die Schwellenländer. Das ist zunächst nicht neu, hat aber vor dem Hintergrund der Abschwächung in China in den vergangenen Monaten eine enorme Bedeutung. Denn hätte China wirklich merklich an Dampf verloren, wäre die Gefahr einer weltweiten Rezession 2013 hoch gewesen. Nun aber sieht es sogar so aus, dass China an Dynamik wieder zulegt.

Interessant sind in diesem Zusammenhang die chinesischen Börsen. Sie hängen, vor allem die landeseigenen Indizes in Shanghai, keineswegs so eng am Wirtschaftsgeschehen wie das bei westlichen Börsen der Fall ist. Dennoch zeigt sich auch hier nach längere Talfahrt eine Stabilisierung. Wesentlich deutlicher spiegeln sich die guten Aussichten in China an der Börse Hongkong, im HSECI. Er signalisiert mittelfristig noch gutes Nachholpotenzial.

Ebenfalls ein Comeback ist in Osteuropa zu spüren. Die Region wurde nach der Finanzkrise mächtig entzaubert, die Aktien stürzten ab. Gut sichtbar ist das am Osteuropa-Index Cece, der eine klassische Bodenbildung abgeschlossen hat und nach oben dreht. Dass Osteuropa (und auch die russischen Märkte) wieder kommt, passt nicht nur ins Bild der erstarkten Schwellenländer; es ist ganz besonders wichtig für den österreichischen Markt, der ebenfalls nach oben dreht.

Wird 2013 das Jahr Europas?

Ein noch viel größeres Comeback könnte sich in Europa abspielen. Hintergrund wäre ein verträglicher Ausgang der Schuldenkrise. In Irland und Griechenland gibt es durchaus positive Anzeichen. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die Stabilität der beiden wichtigsten Euro-Kurven: des Euro Stoxx und des Euro als Währung.

Würde man den Euro Stoxx nach klassischen Chart-Regeln analysieren (wie in WirtschaftsWoche 51, S. 105), dann würde er beim Sprung über 2600 ein starkes, langfristiges Kaufsignal geben. Danach wären die Märkte erst am Beginn einer langen Erholung.

Im Euro die gleiche Lage: Auch hier zeigt sich immer mehr das Bild einer großen Bodenbildung, nach der die Europa-Währung sich sogar auf Jahre hinaus erholen könnte.

Der Dax ist weiter stark

Natürlich, nachdem der Dax in gut vier Wochen von 6950 auf über 7600 gestiegen ist, wäre ein Rücksetzer angebracht. Darauf jetzt aggressiv zu spekulieren, ist dennoch riskant. Saisonal gehören die Wochen von Mitte November bis Anfang/Mitte Januar zu den besten des Jahres.

Auch Fundamental hat der Dax noch Luft. Wenn die Unternehmen die von Analysten erwarteten 700 Euro Gewinn schaffen (adjustiert auf den Index), dann ergäbe eine zwölffache Bewertung schon mehr als 8000 Punkte. Angesichts der stabileren Wirtschaftsaussichten ist das für 2013 also keineswegs utopisch. Und 700 Euro Gewinn auf den Dax gerechnet wären nur vier oder fünf Prozent mehr als 2012.

» 19.12.2012, 10:28

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