Das Management der Schuldenkrise kommt (langsam) voran, die Konjunkturaussichten könnten sich etwas aufhellen, Aktien bleiben die interessanteste Anlageklasse.
Dass die EZB die Zinsen nicht weiter senkt, kann durchaus als gutes Zeichen gewertet werden: Erstens signalisiert es zumindest eine leichte Entspannung bei der Konjunktur; zweitens zeigt es die Bereitschaft, eine mögliche Inflation früh zu bekämpfen; drittens hat die Notenbank immer noch etwas in der Hinterhand, falls weitere Senkungen doch notwendig werden sollten.
Zu diesem Befund passen jüngste Konjunkturprognosen wie die vom DIW, das 2013 mit 1,6 Prozent Wachstum rechnet. Auch in den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Banken wächst die Hoffnung, dass sich die Konjunktur im ersten Halbjahr 2013 auf niedrigem Niveau wieder fängt.
Andererseits, von einem starken Aufschwung ist die Wirtschaft in Europa weit entfernt. So ist der IWF mit seinen Prognosen wesentlich pessimistischer. Denn sowohl bei den Staaten als auch bei den Banken dürfte die Schuldenkrise noch auf Jahre bestehen bleiben, die operative Erholung schwierig machen und immer wieder zu Enttäuschungen führen.
Für die Aktienmärkte ist das kein einfaches Umfeld: Immerhin geht es darum, von der aktuell vor allem liquiditätsgetriebenen Hausse in die gewinngetriebene überzugehen. (Wobei die Liquidität auf absehbare Zeit weiterwirkt und die dominierende Triebkraft für den Aktienmarkt bleiben dürfte.)
Schub von Rohstoffen und Schwellenländern
Zu den leicht stabileren Aussichten für nächstes Jahr passt auch die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Besonders die konjuntursensiblen Metalle Kupfer und Aluminium haben nach langer Talfahrt gedreht – Kupfer wieder über 8000 Dollar, Alu über 2000. Ebenfalls, wenn auch nicht ganz so wichtig für die Konjunkturtendenz, Nickel über 18000. Im CRB-Index spiegelt sich das nicht ganz so deutlich wider, da hier Öl sehr stark gewichtet ist und der Ölpreis derzeit eher wieder in eine Seitwärtsphase übergegangen ist.
Der Anstieg der Konjunkturmetalle hat natürlich auch mit der Produktions- und der Lagersituation zu tun und der Entwicklung in den Hauptabnehmerländern. Ausführlich dazu in WirtschaftsWoche 41. Dennoch ändert das nichts an ihrer Funktion, die allgemeine Wirtschaftsentwicklung frühzeitig anzuzeigen.
Bemerkenswert ist dazu auch die Entwicklung der Schwellenländermärkte. Vor allem indische Aktien haben in den vergangenen Monaten wieder Boden gut gemacht und die mittelfristige Wende nach oben geschafft. In China sehen die lokalen Shanghai-Indizes weiter nicht so gut aus, der für die internationale Entwicklung wichtigere HSCEI jedoch dürfte Tritt gefasst haben. Auch das unterstreicht die Einschätzung, dass die Konjunktur in den Schwellenländern weiter unter Dampf steht und der Stabilisierung in den klassischen Volkswirtschaften hilft.
Nebenbei: Wie schon im Zusammenhang mit den Autoaktien erwartet, ist der Absatz-Boom von westlichen Nobelfahrzeugen in China ungebrochen. Und genau die China-Favoriten VW und BMW haben hier die Nase vorne, während sich Daimler schwerer tut.
Ebenfalls unbeirrt auf dem Weg nach oben ist der türkische Aktienmarkt. Das militärisch-politische Machspiel der türkischen Regierung hinterlässt bisher keine negativen Spuren im Index; im Gegenteil, das Muskeln zeigen wird bisher eher positiv interpretiert: Dem starken wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei folgt ohne Frage auch eine politische Aufwertung. Beides zusammen trägt wesentlich dazu bei, die Türkei für Anleger zu einem der interessantesten langfristigen Wachstumsmärkte zu machen. Das gilt für Aktien wie für Anleihen.
Kurze Korrektur und Entscheidung im Dow
Im Dax läuft derzeit die kurzfristige Korrektur. Es gibt hier zwar vorübergehend deutliche Absacker von 50 bis 100 Punkten, doch ebenso schnell erholen sich die Kurse wieder. Das deutet bisher eher darauf hin, dass die laufende Korrektur ihr Maximalpotenzial (also die bisher beschriebenen rund 6900) nicht ausschöpft.
Allerdings, hart am Trend ist der Dax derzeit schon. So hat der Index den seit Juli bestehenden Aufwärtstrend schon leicht geschrammt und zahlreiche Einzelwerte, die den Index in den vergangenen Wochen hochgebracht haben, sind in kurze Korrekturen übergegangen (E.On etwa, BASF). Andererseits ziehen es die defensiven Klassiker wieder heraus: Fresenius, Merck, Beiersdorf und Henkel mit beeindruckender Performance.
Insgesamt ist der mittelfristige Aufwärtstrend im Dax vollkommen intakt, Rückschläge sind insofern weiter Kaufgelegenheiten. Eine kurze Korrektur bis maximal 6900 ist zwar nicht vom Tisch, aber spekulieren muss man darauf nicht. Achten Sie heute (Freitag) genau auf den Dow Jones: Wenn der über 13600 kommt, gäbe er sogar schon wieder ein neues Kaufsignal.











Ein Kommentar zu “Hart am Trend, aber die Richtung stimmt”
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