Rückläufige Zulassungen von Neuwagen sind ein Warnsignal für den Aktienmarkt, aber kein Zeichen des Untergangs. Mindestens eine Autoaktie im Dax ist weiterhin interessant.
Die Zulassungen von Neufahrzeugen in Europa brechen ein. Angesichts der verbreiteten Unsicherheit war es ohnehin ein Wunder, dass sie so lange so hoch geblieben sind. Das hatte natürlich – wie in vielen Konsumbereichen – einen wichtigen Grund: Wenn das Vertrauen in den Wert des Papiergeldes schwindet, sitzt es lockerer, um Sachwerte (Immobilien) oder sachwert-ähnliche Gegenstände (wie eben Autos) zu kaufen. Doch wenn die Welle abgearbeitet ist, alle, die ein Auto kaufen wollten und konnten dies getan haben, dann wird es kritisch. An diesem Punkt ist der Markt nun angekommen.
Da macht es natürlich Spaß, wie gerade in Paris bei der Neuvorstellung schöner, bunter Karossen, das Hohelied auf die Hersteller anzustimmen – vom neuen Jaguar F-Type bis hinunter zum kleinen Adam von Opel. Fragt sich nur, wer angesichts der fortgeschrittenen Preise das in der gewünschten Breite alles kaufen soll. Denn erstaunlich dabei: Sowohl der genannte Jaguar (Preise bis 100000 Euro) als auch der kleine Adam (ab 11500 Euro) sollen eines bewirken: Sie sollen dank massenhafter Verkäufe das Unternehmen massiv voranbringen: Jaguar (die zum indischen Tata-Konzern gehören) wieder in der sportlichen Oberliga positionieren; Opel aus dem Abgrund ziehen.
Ein Fünftel im Dax und massenhaft Satelliten dahinter
Nun, was haben diese Autos mit dem Dax zu tun? Zum einen zeigen sie, dass die Hersteller nach wie vor im Grunde von einem kaufkräftigen und kaufwilligen Markt ausgehen – und hier stellt sich die Frage, wie breit und nachhaltig der eigentlich ist. Zum anderen machen allein die drei großen Autohersteller derzeit im Dax rund ein Fünftel des Marktwerts aus – von den Zulieferern und deren Satelliten im MDax ganz zu schweigen.
Außerdem ist die Autoindustrie gerade wegen ihrer Schnittstelle zwischen Großkonzernen und privatem Verbraucher ein guter Seismograph für die weitere Entwicklung der Konjunktur. Sie zeigt darüber hinaus, wie sich staatlich gelenkter Einfluss hier bemerkbar macht – man denke nur an das heikle Thema Abwrackprämie. Deren Vorzieheffekte sind zu einem guten Teil dafür verantwortlich, dass viele potenzielle Käufer jetzt weder Geld noch Lust haben, ein neues Auto zu kaufen.
China bleibt der große Joker
Und für noch eine weitere Entwicklung stehen die Autokonzerne: Die große Hoffnung auf das langfristige Wachstum der Schwellenländern. Und hier ist, von kurzen Schwankungen abgesehen, die Welt noch in Ordnung: Vor allem im Wunderland China ist der große Auto-Absatztrend ungebrochen – und gerade für die Dax-Auto-Konzerne mit mehr und nachhaltigeren Wachstumshoffnungen verbunden als der Automarkt in Europa.
Unterm Strich sind, gerade wegen der chinesischen Option, unter den Dax-Autowerten VW interessant. Der Kosmos vom Billigheimer bis zum Bugatti funktioniert besser als von Kritikern erwartet. VW-Aktien sind an der Börse trotz enormer Kursgewinne nicht überteuert. (Welche Chancen BMW bietet, dazu mehr und ausführlicher in WirtschaftsWoche 41.)
Etwas zäher läuft es für Daimler. Hier besteht nicht nur Nachholbedarf in den Schwellenländern; hier besteht auch eine große Abhängigkeit vom konjunkturempfindlichen Lastwagengeschäft. Natürlich, eine stabile Konjunktur in den Schwellenländern würde auch das herausreißen. Nur: Auch dort ist (während Unternehmen mehr in einen klassischen, zyklischen Rhythmus geraten) der Konsument mittlerweile der stabilere Kunde. Und der kauft Autos und keine LKWs.











3 Kommentare zu “Auto-Krise und Aktienkurse”
AHA, und was genau, wollen Sie uns potentiellen Investoren nun eigentlich mitteilen werter Herr Anton Riedl? Einleitung, Hauptteil, pro/contra oder sonstige Varainten und dann hat ein Fazit zu erfolgen. Ihres vermisse ich.
steht unten, VW und BMW kaufen, Daimler noch nicht.
Gruß A.R.
Grade VW profitiert weiterhin von positiven Absatzzahlen aus China, die am Donnerstag vorgelegt wurden. Die VW-Tochter Audi etwa verbuchte im September in China einen Zuwachs von 20 Prozent, das sind defnitiv rosige Aussichten für den VW-Konzern. BMW konnte ebenfalls einen Zuwachs von 60% vermelden…