» 21.09.2012, 10:36

Gefahr für Anleihen, Chance für Aktien

Typisch für einen starken Markt klettert der Dax einfach weiter – aufwärts an einer Mauer der Angst. Noch in diesem Jahr sind 8000 Punkte möglich.

Zum zweiten Mal in Folge ist der Einkaufsmanagerindex PMI des verarbeitenden Gewerbes in der Eurozone gestiegen.  Dabei wäre der Anstieg noch deutlicher ausgefallen, wenn der schwache Wert in Frankreich den Durchschnitt nicht gedrückt hätte. (Nebenbei: Das merkliche Abfallen in Frankreich ist auch eine Folge der Politik der neuen Regierung Hollande). Wir gehen davon aus, sagen die Volkswirte der Commerzbank, dass der Index die Trendwende vollzogen hat und die Euro-Wirtschaft zum Jahresende aufhört zu schrumpfen – ein bemerkenswertes Urteil.

Aus der Luft gegriffen ist das freilich nicht. Die aktuelle Wirtschaftskrise hat vor allem drei Gründe: Den Rückgang in den schwachen Staaten Europas, die Pause im globalen Wachstum, und die hohe Unsicherheit durch die Staatsschuldenkrise. Vor allem letztere hat die Stimmung in der Realwirtschaft mächtig gedämpft – und hier hat sich, so die Cobank, die entscheidende Wende vollzogen: Die Risikoaufschläge für Peripherieländer sind gesunken, das Vertrauen kehrt (natürlich nur langsam und schrittweise) zurück, die Realwirtschaft hat eine gute Chance, von niedriger Basis aus wieder zuzulegen.

Es gibt noch genug potenzielle Käufer

All das haben die Aktienmärkte schon zum Teil vorweggenommen – immerhin steigt der Dax seit Juni – und sie werden es auch noch weiter vorwegnehmen. Die Tatsache, dass der Markt eben nicht in seinen lange Zeit üblichen, sechs- bis acht Wochen dauernden Schwüngen auf- und abtaucht, sondern merklich nach oben drückt, ist kennzeichnend für einen Aufwärtstrend mit Angst. Das heißt: Die, die im Markt sind, haben Angst, dass ihnen die schon gemachte Gewinne wieder verloren gehen; und die, die noch nicht drin sind, haben Angst, dass ihnen zukünftige Gewinne entgehen.

Beides führt dazu, dass potenzielle Käufer eben noch nicht über beide Ohren investiert sind. Die Optimisten sind bisher nur zum Teil investiert (weil sie immer wieder Rückschläge fürchten); und die Pessimisten sehen den Markt ohnehin als völlig überbewertet und heiß gelaufen an. Genau deshalb aber gibt es noch genug potenzielle Neukäufer, die immer wieder zulangen, wenn der Dax zu kleinen Korrekturen ansetzt.

Natürlich ist kurzfristig ein Rückschlag auf 7200 möglich, sogar ein abermaliger Test der 7000er-Marke. Beides wäre kein Problem und würde nichts an der mittelfristigen Aufwärtstendenz ändern. Aber es sieht so aus, als ob der Dax den Anlegern selbst diesen Gefallen nicht tun würde.

Aufschwung für Dax, Dow – und sogar Euro Stoxx

Der Börsenaufschwung gewinnt an Breite. Der Dow Jones (den Puristen natürlich nicht als Index, und deshalb per se mit größter Skepsis betrachten) hat mit Bravour seine entscheidende Hürde um 13300 genommen. Solange er bei  seinen kurzfristigen Schwankungen oberhalb dieser Grenze bleibt, solange ist die mittelfristige Hausse intakt.

Sogar der Euro Stoxx kommt wieder in die Gänge – was natürlich derzeit besonders wichtig ist, da es ein Signal für die Überwindung der in vielen Fällen genuin europäischen Krise wäre. Bis 2600 kam er bisher voran, dann folgte ein kleiner Rücksetzer. Ebenso wie in Dax und Dow ist Spielraum für kurzfristiges Luftholen; zuncähst bis 2500 Punkte, wenn es dicker kommt, sogar bis 2400. Dann aber, wenn der Euro Stoxx den Sprung über die 2600 schafft, hätte er eine große untere Wendeformation abgeschlossen. Das wäre dann eine Basis für einen mindestens mittelfristigen Aufwärtstrend.

Der Dax hat bei 7000/7200 seine entscheidenden Kaufsignale gegeben, der Dow bei 13300, und der Euro Stoxx ist ebenfalls in einer guten Startposition. Sogar der Nikkei-Index, der natürlich nicht mehr die Rolle spielt, die er in den Achtziger und Neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte, dreht nach oben. Dieser Gleichlauf der dominierenden Märkte ist eine entscheidende Stütze für das mittelfristige Hausse-Szenario.

Anleihemärkte vor großer Zinswende?

Spiegelbildlich zu den Aktienmärkten verläuft die Entwicklung bei den Anleihen. Hierzulande zeigt sich das besonders gut an der Umlaufrendite. Zweimal kam es hier zu Tiefspitzen von weniger als einem Prozent, dann folgte der Anstieg auf bis zu 1,4 Prozent. Derzeit liegen wir knapp darunter. Innerhalb dieser Schwankungen zeigt sich eine auffällige Häufung eher im oberen Bereich.

Umgekehrt sieht es beim Bund-Future, dem Rex und den Notierungen einzelner Bundesanleihen aus. Sie rutschen Stück für Stück unter wichtige Trendlinien und Unterstützungen. In dem zeitlichen Umfeld, in dem die Umlaufrendite deutlich über 1,4 Prozent steigt, dürften auch sie die mittelfristige Wende vollziehen.

Der wahrscheinliche Kursrückgang an den Anleihemärkten wird – und das kann nach 31 Jahren Anleihenhausse nicht oft genug gesagt werden – eine mächtige Liquiditätswelle in die Aktienmärkte treiben. Erst wenn die Zinsen wieder wesentlich höher sind und solide Anleihen wieder drei, vier oder sogar fünf Prozent bringen, werden sie wieder eine echte Konkurrenz zum Aktienmarkt. Dann gilt wieder die alte, klassische Regel aus der Zeit vor der Finanzkrise: Zinsanstiege sind Gift für Aktien, weil sie Anleihen interessant machen (und nebenbei die Wirtschaft und damit die Unternehmensergebnisse fundamental bremsen.)

Fünf Prozent von der Telekom wären nicht schlecht

Derzeit arbeitet eine ganz besondere Aktie an ihrem Comeback: die Deutsche Telekom. Erstmals seit langer Zeit notiert das Papier wieder zweistellig. Die T-Aktie ist damit zunächst der in den vergangenen Monaten gehegten Erwartung gerecht geworden, als defensives Papier eine solide Anlage zu sein.

Natürlich, die Dividendengarantie (70 Cent je Aktie) gilt nur noch einmal. Ausfallen lassen dürfte die Telekom die Ausschüttung aber auch danach nicht. Für 50 Cent sollte das operative Geschäft auch in Zukunft gut sein. Das wären dann fünf Prozent Rendite von einem Unternehmen, das aller Voraussicht nach nicht in absehbarer Zeit Pleite geht, das als einer der Marktführer im wachsenden Kommunikationsmarkt gut positioniert ist – und dessen Aktie sich so gesehen auch als Ersatz für mager-verzinste Anleihen eignet.

» 21.09.2012, 10:36

    2 Kommentare zu “Gefahr für Anleihen, Chance für Aktien”


  1. reiner tiroch sagt:

    wer nutzlose Anleihen kauft ist selber schuld.

  2. Investor sagt:

    Anleihen, Zertifikate und Termingeschaefte haben uns an den Punkt an dem wir heute stehen gebracht. Wichtig waere zurueck zur Substanz