Fast vier Monate steigt der Dax nun schon, dennoch ist kein Ende der Kletterpartie in Sicht. Kurze Rücksetzer ja, aber mittelfristig zeigt der Trend nach oben.
Die Diskussion über die Politik der EZB geht weiter. Indes, unter der derzeitigen Führung dürfte sich am bisherigen Kurs wenig ändern – also, die Schleusen bleiben geöffnet, solange es Bedarf gibt, in Amerika, in Europa – und auch in Asien, wie die jüngste Aktion der japanischen Notenbank zeigt. Der Trend ist international, und er ist damit praktisch unumkehrbar.
Eine andere, für die Märkte wichtigere Seite als die aktuell nachhakende Diskussion ist, wie sich diese Geldpolitik dann wirklich auswirkt. Die vorherrschende Meinung an den Märkten hat sich durch die Reaktionen an den Börsen manifestiert: Sie ist positiv, geht davon aus, dass der Euro gerettet werden kann, Europa überlebt und die Konjunktur sich nach einigen schwachen Monaten wieder fängt.
Das ist auch das Szenario, das an dieser Stelle derzeit als wahrscheinlich eingestuft wird. Immerhin, das ZEW-Konjunkturbarometer ist nach sechs Monaten Talfahrt nun wieder gestiegen – der Optimismus wächst, auch als Folge der Notenbankpolitik.
Indes, die Mühen der Ebene können lang werden und an den Nerven zerren. Beispiel Spanien: Regierungschef Rajoy will schon, dass die EZB spanische Staatsanleihen kauft; der Einfluss auf die eigene Politik aber soll so gering wie möglich sein. In Griechenland, immerhin, ist von Fortschritten bei der Stabilisierung die Rede; sogar Juncker spendet Lob.
Positives Umfeld für die Börsen
Für die nächsten Monate kommt es darauf an, kurze Unsicherheiten oder sogar Enttäuschungen (etwa Meldungen über konjunkturelle Schwächen) von der grundlegenden Aufwärtstendenz zu unterscheiden. Die wird an den großen Aktienmärkten solange anhalten, solange die Wirtschaft nicht wieder zu sehr abstürzt, die Inflation nicht aus dem Ruder läuft und die Zinsen nicht exorbitant steigen. Alle drei Entwicklungen spielen sich derzeit in einer verträglichen Bandbreite ab – und deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der Aufwärtstrend an den Börsen fortsetzt.
Sowohl für die Analyse als auch für die tägliche Umsetzung ist die Unterscheidung zwischen kurz-, mittel-, und langfristig wichtig. Kurzfristig (gemeint ist hier für die nächsten Tage bis zu zwei Wochen) ist nach dem jüngsten Anstieg durchaus ein Rücksetzer möglich. Allerdings könnte das genauso ablaufen wie vor dem Überwinden der 7000/7200. Auch damals gab es eine Zitterpartie, die allerdings nur bis 6900 ging (und nicht bis zum maximalen Spielraum 6600) – und dann ging es mit Tempo weiter, für viele Anleger überraschend.
Kurstechnisch stabile Trends
Aktuell reicht der kurzfristige Spielraum bis 7200, womöglich sogar bis auf gut 7000. Soweit könnten die Notierungen nachgeben, und nichts würde sich am übergeordneten mittelfristigen Aufwärtstrend ändern. Sollten die 7000 nicht halten (wonach es im Augenblick bei knapp 7400 nun nicht aussieht), gibt es eine ganze Reihe von Auffangstationen: Von der 200-Tage-Linie (aktuell 6600, in vier Wochen etwa bei 6700) bis hin zu mittelfristigen Trends und Unterstützungen zwischen 6800 und 6900.
Fazit für den Gesamtmarkt: Liquiditätspolitisch ist das Umfeld optimal, fundamental keineswegs so desaströs wie vielfach angenommen, stimmungstechnisch nicht überzogen, und charttechnisch stimmt der Trend auch. Für die nächsten Monate heißt damit das Ziel 8000 bis 8100, die alten Höhen im Dax.
Neue Favoriten, alte Dauerläufer
Bemerkenswert ist, dass sich in den vergangenen Tagen ein Wechsel der Favoriten vollzogen hat. Die defensiven Dauerbrenner (gut sichtbar an Fresenius) verlieren etwas Boden, dafür legen die Zykliker (besonders stark Thyssen) und natürlich die Banken zu.
Bleibt es bei dem skizzierten Umfeld, werden die Banken weiter vorne dabei sein – aber mit hohen Ausschlägen, da es nicht nur von der Euro-Krisen-Seite Querschüsse geben kann, sondern auch von der Regulierung. Also ein klare Spekulation, die im Fall der Deutschen Bank natürlich eher Investmentcharakter hat als im Fall der Commerzbank.
Ebenfalls mächtig im Kommen sind die Versicherer. Allerdings jetzt kurzfristig noch auf den Zug springen, ist schon mutig. Allianz und Münchener Rück wären ideale Kandidaten bei einer Korrektur des Gesamtmarkts auf 7200 oder 7000.
E.On und Volkswagen für alle, Deutsche Bank und Thyssen für Mutige
Hochspannend sind die Energiekonzerne. Besonders E.On hat nach dem Überwinden der Zone um 18 Euro die Wende geschafft. Unterm Strich dürfte in diesem Jahr ein Nettogewinn von 4 bis 4,5 Millionen Euro bleiben. Das macht die Aktie günstig – und eine gute Dividende ist auch in Sicht.
Bei den Autos sieht es gemischt aus. Daimler und BMW hängen seit Wochen auffallend zurück, obwohl die Unternehmensdaten nicht schlecht sind; das mahnt zumindest zur Vorsicht. Besser sieht VW aus, die Aktie wäre hier erste Wahl, die Bewertung stimmt.
Eine Spekulation bleibt Thyssen. In den vergangenen Wochen gab es reichlich Vorschuss für eine Lösung der Stahlwerksprobleme in Amerka. Gut möglich, dass die Aktie nun erst wieder etwas Luft ablassen muss, etwa in Richtung 15 Euro. Dann aber wäre sei ein spekulativer Kauf.
Spannend wird es auch bei Siemens, die deutsche Industrieaktie schlechthin. Der Durchrutscher vor einigen Wochen entpuppte sich als Bärenfalle, jetzt wieder um 80 Euro. Da Siemens etwa auf dem Feld alternative Energien noch länger für eine Behebung seiner Probleme braucht und der Konzern schon aufgrund seiner Größe nur sehr langsam dreht, sollte es noch Gelegenheit zum günstigeren Kauf geben – womöglich um 75 Euro.










