» 14.09.2012, 09:56

Notenbank-Hausse mit offenem Ende

Die Geldschleusen der internationalen Notenbanken treiben die Aktienkurse in neue Höhen. Für Anleger hat es wenig Sinn, sich dagegen zu stellen – never fight the Fed.

Im Grunde hat es sich schon mit dem Amtsantritt von Draghi abgezeichnet: Die alte EZB unter dem dominierenden Einfluss der braven Bundesbank ist tot. Trichet war der Mann des Übergangs, Draghi derjenige der neuen Politik, die sich eindeutig am Leitbild der amerikanischen Fed orientiert.

Man muss sich das als deutscher Anleger klarmachen: Die letzten, offiziellen Bastionen haben ihren Widerstand dagegen aufgegeben: Kanzlerin Merkel und das Bundesverfassungsgericht. Wer soll sich jetzt noch gegen die neue Linie stemmen? Da kann auch – last man standing – Bundesbanker Weidmann nichts mehr ausrichten. Ob man es nun aus ordnungspolitischen, stabilitätspolitischen oder einfach historischen Gründen will oder nicht – die alte Ordnung ist Geschichte.

Die Schleusen bleiben offen

Den Märkten gefällt das. Seitdem sich der Wandel abzeichnet, läuft die Hausse. Das jüngste Programm der Fed ist ein weiterer Baustein dafür: Hypotheken werden gekauft, bis der Jobmarkt stabil ist, die Nullzinspolitik bis 2015 fortgesetzt (und man kann sicher sein, wenn es notwendig ist, dann läuft das auch noch bis 2020 usw.), und natürlich Anleihenkäufe nach Bedarf.

Wie schon bei der jüngsten Bewertung des Karlsruher Urteils festgestellt, hat das drei Effekte: die Wirtschaft wird stabilisiert, die Zinsen werden steigen, die große Luft wird aus der Anleihenblase entweichen – und die Aktienkurse weiter anziehen.

Um im großen Bild zu bleiben: Weltweit sind die Zinsen seit mehr als 30 Jahren gesunken. Dieser Prozess hat bei großen und kleinen Anlegern zu immensen Beständen an Anleihen geführt – die in den vergangenen Jahrzehnten auch hervorragend abgeschnitten haben – in vielen Fällen besser als Aktien. Diese „Zinsfall-Profits“ sind Geschichte. Das wissen große Anleiheninvestoren wie Pimco schon lange, deshalb wechseln sie Stück für Stück in Aktien.

Sogar in den Euro kommt wieder Leben

Natürlich, dass die Wirtschaft sich schnell erholt und die Schuldenstaaten durch die Krise kommen, ist weder gewiss noch – im guten Fall – schnell möglich. Aber allein wenn hier zunächst der freie Fall gebremst wird und die Konjunktur sich stabilisiert, ist etwas gewonnen. Immerhin stand und steht vor allem das Finanzsystem in Europa weiter unter höchstem Druck.

Dass der Euro nun sogar wieder auf 1,30 Dollar gestiegen ist, zeigt auch hier Fortschritte. Es ist quasi die positive Nebenwirkung der jüngsten Fed-Maßnahme, dass sie Luft aus dem Dollar lässt (was die Amerikaner ja auch wollen) und dabei gleichzeitig dem Euro Luft verschafft.

An den  langen Zinsmärkten gibt es eine entsprechende Entwicklung: Für Bundesanleihen gehen die Zinsen rauf, für Anleihen der Krisenstaaten gehen sie runter. Beides hat positive Effekte: In Spanien und Italien hilft es der Wirtschaft und der Schuldenbewältigung; in Deutschland kommen wir wieder in die Richtung eines normalen, wirtschaftliche gerechtfertigten Zinsniveaus.

Starke, mittelfristige Kaufsignale

Die Antwort der Märkte ist eindeutig: Alle wichtige Indizes haben nach oben gedreht. Der Dow Jones hat sogar ein neues, starkes und für Monate geltendes Kaufsignal gegeben. Der Dax hat die vor einigen Wochen als entscheidend beschriebene Zone um 7000 deutlich hinter sich gelassen. Dass es dabei nicht mehr zu einem kurzen Rücksetzer auf bis zu 6600 gekommen ist, zeigt nur, wie robust der Markt mittlerweile geworden ist.

Natürlich sind auf dem erreichten Niveau immer wieder kurze Reaktionen möglich – auf die auch zahlreiche Kommentatoren und potenzielle Käufer setzen. Nur ist es gerade das Kennzeichen einer dynamischen Hausse, dass die Notierungen durchziehen und Neu- und Nachkäufer nur schwer in den Markt kommen.

Hausse-Modus auf für Gold

Dass Gold ebenfalls durchzieht, passt dazu: Erstens ist es ein Asset wie eine Aktie (und damit ebenfalls eine Alternative zu Anleihen), zweitens ist es Sammelbecken für Kriseninvestoren, drittens nimmt es die wahrscheinlich ansteigende Inflation vorweg.

Kurz- bis mittelfristig hat es keinen Sinn, sich gegen die Hausse zu stellen. Wer Aktien hat, sollte die Papiere weiter laufen lassen und nicht auf kurzfristige Schwankungen achten. Angesichts der nach wie vor verbreiteten Skepsis und des frühen Stadiums einer möglichen Konjunkturerholung sind die Märkte in ihren großen Schwüngen nicht überhitzt. Die Bewertungsrelationen sind noch moderat, Anleihen nach klassischer Lesart viel viel teurer.

Mit der Überwindung der großen 7000er-Marke hat der Dax den Anstieg auf die alten Höhen eingeleitet. 7400 bis 7500 dürften nur Zwischenstationen sein.

 

 

 

» 14.09.2012, 09:56

    2 Kommentare zu “Notenbank-Hausse mit offenem Ende”


  1. Jens Müller sagt:

    Ja,ja das Märchen von den immer steigenden Kursen,alles schon mal gehört…

  2. anton riedl sagt:

    nein, falsch gelesen – es sind nur die vorübergehend steigenden Kurse – “mittelfristig” – aber auch die können ja märchenhaft ausfallen – 8100 jedenfalls sind durchaus drin

    A.R.