Das Bundesverfassungsgericht genehmigt den Rettungsschirm unter Auflagen. Für die Aktienmärkte ist das eine positive Entscheidung.
Das Urteil aus Karlsruhe fällt zwar nicht überraschend aus, jedoch passt es in das stabile Szenario, in dem sich die Märkte seit einigen Monaten nach oben bewegen.
Kernpunkt ist, dass die Rettungsaktionen nicht blockiert werden und nun anlaufen können. Die Einzelheiten, etwa dass Deutschland mit nicht mehr als 190 Milliarden Euro belastet werden darf (es sei denn, der Bundestag genehmigt mehr), spielen an den Börsen zunächst keine Rolle.
Schon vor der Urteilsverkündung wurde auf einen solchen, im Grunde positiven Ausgang spekuliert. Es ist deshalb gut möglich, dass die Notierungen nach einer ersten Erleichterungsrally, die am Mittwoch Vormittag auf gut über 7400 gekommen ist, zunächst etwas Luft ablassen. Immerhin stand der Dax vor fünf Tagen noch bei 6900. Es sind also mächtig kurzfristige Gewinne aufgelaufen.
Neue Notenbankpolitik befeuert die Aktien
Mit der Genehmigung von ESM und vor allem den vergangener Woche angekündigten Anleiherückkäufen ist das Umfeld für die nächsten Monate absehbar: Die Notenbanken haben die Hand frei, können durch Anleihekäufe gleichsam Geld drucken – und wahrscheinlich werden sie im Oktober die Zinsen noch etwas weiter senken, in Europa auf 0,5 Prozent.
Unabhängig von der ordungspolitischen Diskussion kommt die neue, angelsächsisch geprägte Linie der EZB an den Märkten gut an. Das hat im Wesentlichen drei Gründe:
Erstens wächst mit den durch die Geldflut stabilisierten Banken und Staaten die Hoffnung, dass sich auch die Wirtschaft wieder stabilisiert und ab 2013 dann die Konjunktur wieder anzieht; das wird den Unternehmensgewinnen helfen und damit auch den Aktien.
Zweitens dürfte sich, je eher die akute Krise überwunden ist, das Zinsniveau wieder auf ein wirtschaftlich gerechtfertigtes Niveau einpendeln – also wesentlich höher als heute. Das wird Anleihenkurse massiv unter Druck bringen und weiter Geld in Aktien fließen lassen.
Drittens stellt sich angesichts hoher Liquidität ohnehin die Frage nach Anlagemöglichkeiten drängender denn je – und so groß sind die Alternativen zur Aktie ja nicht.
Mittelfristig dynamische Hausse
Der Dax bleibt im Hausse-Modus. Die 200-Tage-Linie verläuft derzeit bei 6560 und ist dynamisch steigend; zwischen 6000 und 6600 verlaufen mehrere Aufwärtstrends, bei 6900/7000 war die entscheidende Basiszone, von der aus der Dax seine jüngste Rally startete. Diese stabile Marktverfassung ist (sentimenttechnisch) umso positiver zu werten, je verbreiteter immer noch Untergangsstimmungen sind: Aufwärts mit Angst ist ein gutes Zeichen für weitere Kursgewinne.
Je weiter der aktuelle Dax von den genannten mittelfristigen Untergrenzen entfernt ist, desto größer ist die Chance, dass diese mittelfristige Aufwärtsbewegung anhält. Ein Überschießen nach oben, also eine grundlegende Überhitzung des Marktes, ist noch nicht zu erkennen.
Neben der mittelfristig intakten Tendenz ist natürlich weiterhin mit kurzfristigen Rücksetzern zu rechnen. Aber so, wie es vor wenigen Wochen eben nicht zu der möglichen kurzen Korrektur auf 6600 kam, könnten auch jetzt und in den nächsten Wochen Käufer, die in Lauerstellung liegen, die Notierungen immer wieder früher abfangen, als erwartet.
Fazit den Dax: Das große Hausse-Szenario läuft, die in WirtschaftsWoche 34/2012 (Seite 91) beschriebene Entscheidung bei 7000 ist gefallen und mit der Überwindung der Marke von 7200 auch bestätigt worden. Wer im Markt ist, kann Gewinne laufen lassen. Neu- und Nachkäufer können Rücksetzer abwarten. Immerhin, im Dow Jones wäre zwischen 13050 und 13200 noch eine riesige Lücke (Gap) zu schließen. Das könnte auch den Dax zumindest kurz noch einmal auf rund 7200 sinken lassen.










