» 05.09.2012, 10:13

Drei Risiken für die Aktienkurse

Die Korrektur im Dax geht weiter. Erst muss der Markt etwas Optimismus abbauen, dann ist er reif für den nächsten Anstieg.

Die Notenbanken halten ihr Pulver weiter trocken, demonstrieren aber entschieden, dass sie reichlich davon haben. Klar, angesichts der weiterhin sehr müden US-Wirtschaft (die jüngsten Daten waren sogar noch einen Tick schwächer als erwartet) dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die dritte Phase der Geldexpansion startet; angeführt von Amerika, aber flankiert wahrscheinlich von der EZB (das war früher natürlich anders) und, gut möglich, auch von China.

Eigentlich wären das für die Aktienmärkte keine so schlechten Nachrichten. Denn sie signalisieren, dass es auf absehbare Zeit weiterhin den Mix aus extrem niedrigen Zinsen und einer Wirtschaft gibt, die zwar mau läuft, aber nicht abstürzt.

Allerdings, den Börsen machen derzeit drei Probleme zu schaffen:

Erstens, die Unsicherheit in der Euro-Krise ist größer denn je. Bisher gab es zwar neben den Weltuntergangspropheten eine hörbare Schar von Skeptikern, was das Überleben des Euro und der EU betrifft; doch im Kern glaubten die meisten Menschen, irgendwie werde es mit Europa in der bisherigen Form schon weitergehen – ob mit oder ohne Griechenland.

Nun aber hat sich eine neue Dimension des Zweifels eingeschlichen. Die Szenarien, wie ein Europa im allgemeinen und ein Deutschland im besonderen ohne EU und Euro aussehen könnte, werden immer realistischer. Banken spielen das durch, Unternehmen richten ihre möglichen Geld- und Zahlungsströme danach aus; Anleger fragen sich etwa, wie sie wohl eines Tages ihre zwar von deutschen Unternehmen in Euro notierten Anleihen zurückbekommen – die aber z.B. von einer Emissionstochter in den Niederlanden begeben wurden.  Klare Lösungen gibt es keine, die Unsicherheit ist groß – und Unsicherheit ist Gift für die Kurse.

Wacklige Wirtschaftsentwicklung

Zweitens: Die Konjunktur, vor allem die deutsche, hat sich bisher erstaunlich robust gegen die Turbulenzen vor allem in Südeuropa gehalten. Jetzt aber brechen die Auftragseingänge in der Industrie weg. Für die Börse ist das ein schlechtes Zeichen, denn Auftragseingänge werden erst in den nächsten Monaten, zum Teil erst im nächsten Jahr als Umsätze und Erträge gebucht. Die Börse setzt auf die Zukunft  - und die trübt sich nun ein.

Beispielhaft dafür ist derzeit die Schwäche der Autoaktien. Sie sind nicht nur Deutschlands Aushängeschild in der Welt; in ihnen spiegelt sich vor allem die intensive und sensible Verbindung der deutschen Industrie mit der chinesischen wider. Bisher war alles auf endloses Wachstum programmiert, jetzt gibt es Bremsspuren. Gut möglich, dass die bisherigen Rekordzahlen, etwa von VW und BMW, erst einmal die letzten guten Nachrichten dieser Art waren. Deutsche Autoaktien werden deshalb nicht wegbrechen, dazu dürfte das Basisgeschäft insgesamt dann doch zu stabil sein und die Bewertungsrelationen sind ja auch nicht überzogen. Aber reif für eine mittlere Korrektur sind die Papiere allemal.

Mehr Skepsis wäre besser

Drittes Risiko: Der Markt selbst. Von Juni aus sind die Kurse drei Monate lang und mehr als 1000 Punkte im Dax gestiegen. Der Markt hat damit Schritt für Schritt die optimistische Variante gespielt (Schuldenkrise überwindbar, Konjunktur kommt wieder); nun müssen diese frühen Hoffnungen erst einmal wieder gedämpft werden.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die jüngste Schwäche im MDax. Hier sind nicht nur reichlich Autozulieferer versammelt, die von den speziellen Risiken der Branche betroffen sind; es sind überhaupt zahlreiche konjunkturabhängige Werte, die die wirtschaftliche Situation in Deutschland gut widerspiegeln.

Nächste Rally durch Notenbanken?

Für den Dax heisst das:  Die kurzfristige Korrektur, die sich seit Ende August abzeichnet, geht weiter. Bisher hat die Bandbreite 6900 bis knapp über 7000 gehalten. Ein Rückfall unter 6900 würde den Index eine Station tiefer bringen, etwa bis 6800. Von da aus könnte es dann eine Zwischenerholung geben, der noch einmal ein Rücksetzer folgt. Idealtypisch wäre eigentlich eine Korrektur bis etwa 6600, die sich dann in der zweiten Septemberhälfte abspielen könnte.

Man muss jetzt noch nicht vorgreifen, aber von da aus wäre der Markt (wenn die oben geschilderten Risiken nicht überhand nehmen) wieder bereinigt. Gut möglich, dass der Startschuss des nächsten Anstiegs dann von den Notenbanken kommt, denn dass die dann eines Tages doch mit ihrem Füllhorn anrücken, sollte ziemlich sicher sein.

 

 

 

» 05.09.2012, 10:13

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