» 31.08.2012, 10:24

Notenbank-Vorlage und Aktienkurse

Die Entscheidung der Fed dürfte kaum etwas an der Grundrichtung im Dax ändern: kurzfristig Korrektur, mittelfristig Stabilisierung – und neuer Anlauf.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Notenbank an diesem Wochenende ihr drittes Gelddruckprogramm ankündigt, ist ziemlich hoch. Bernankes bisherige Äußerungen, dass die US-Wirtschaft nur sehr langsam wieder in Schwung komme, legen das nahe. Unter professionellen Anlegern ist von einer Quote um 80 Prozent die Rede, dass der Startschuss dazu an diesem Wochenende fällt.

Für die Aktienmärkte könnten die Folgen gemischt ausfallen. Zunächst, wenn die Mehrheit an ein positives Ereignis (und das wäre eine neue Geldspritze für die Kurse allemal) glaubt, hat sie ihre Positionen darauf schon ausgerichtet – es ist also in den Kursen durch Käufe vorweggenommen. Wird das Ereignis dann Fakt, ist die Luft raus – die Kurse sinken.

Medizin oder Drogen von Bernanke?

Zweite Möglichkeit: Bernanke ist gar nicht so spendabel, wie sich das die Märkte wünschen. Gründe dafür könnten die zuletzt deutlich gestiegenen Preise für Rohstoffe sein, vor allem für Öl und Getreide. Und selbst wenn, ist es fraglich, dass Bernanke gleich mit der großen Kanne kommt, sondern eher in kleineren Dosen seine Medizin (Skeptiker sagen Drogen) verteilt.

Wenn schon im ersten Fall für die Märkte nichts Gutes folgt, dann sieht es im zweiten Fall noch schlechter aus. Würde sich Bernanke verweigern, wäre das eine herbe Enttäuschung – deutliche Kursverluste wären die Folge.

So oder so – eine grundsätzliche Neuorientierung dürfte das Wochenende wegen der Notenbanken nicht bringen. Die kurzfristigen Aussichten sind eingetrübt, im Dax spiegelt sich das technisch im Scheitern des ersten Anlaufs auf die 7000 wider.

Die steigenden Ölpreise (dieses Mal nicht durch eine Konjunktur bedingt, sondern durch neue Spannungen um den Iran) dürften auch für die nächsten Monaten die empfindliche Stelle der nur fragilen Konjunkturentwicklung sein, in den USA wie in Europa. Kurzfristig (für September) bleibt es bei dem Szenario, dass ein Rückgang auf 6600 drohen könnte, mit Zwischenstation um 6800.

Anlagenotstand wird Kursrückgänge dämpfen

Mittelfristig sieht es dann besser aus. Und dabei dürfte dann wieder die Geldpolitik Bernankes eine wichtige Rolle spielen. Denn selbst wenn die Märkte in einer ersten Reaktion auf eine dritte Flutungsphase eher nachgeben, grundsätzlich sind solche Aktionen für Aktien natürlich ein gutes Umfeld.

In den vergangenen zwei expansiven Phasen kam es an den Aktienmärkten zu deutlichen Kursgewinnen. Wegen des Anlagenotstands (weil Anleihen angesichts der mit ihnen verbundenen Risiken keine angemessenen Renditen mehr bringen) ist und bleibt der Aktienmarkt ein Gewinner extremer Magerzinsen.

 

» 31.08.2012, 10:24

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