» 08.08.2012, 10:09

Lieber Aktien als Anleihen

Trotz Wirtschaftsflaute und Eurokrise ist der Dax erstaunlich stabil. Zwar sind kurzfristig immer noch Rückschläge möglich, doch die bieten Einstiegsgelegenheiten.

Es scheint so, dass sich nicht nur ein besserer Herbst ankündigt, sondern sogar der Sommer gar nicht mehr so schlecht wird, seinen Schrecken, den er für Börsianer meist in seinen letzten Wochen bereithält, verliert. Jedenfalls sind die Märkte erstaunlich stabil, trotz Rezession in Europa und unverändert schwerer Schuldenkrise.

Das positive Szenario, das sich für den Dax seit kurzem immer mehr abzeichnet, ging von einer Untergrenze bei 6600, maximal 6400 aus. Nun selbst davon ist der Dax weit entfernt. Werden die nächsten Wochen und Monate wohl sogar noch stärker als bisher (ohnehin schon) angenommen?

An der Hauptantriebskraft für die weltweiten Aktienmärkte hat sich nichts geändert – im Gegenteil. Die enormen Risiken an den Anleihemärkten zwingen Anleger praktisch in Aktien. Spezialmärkte wie Rohstoffe oder – für die meisten Anleger – Immobilien sind gar nicht in der Lage, diese Gelder aufzunehmen. Und da Anleihen (sowohl öffentliche als auch von Unternehmen) auf absehbare Zeit kritisch und wenig rentabel bleiben, wird dem Aktienmarkt die Liquidität nicht ausgehen. Das haben, wer hätte das gedacht, sogar die Deutschen mitbekommen: Die Zahl der Aktionäre hierzulande nimmt wieder zu.

Am positiven Umfeld für Aktien wird sich solange nichts ändern, solange das Zinsniveau niedrig bleibt und die Wirtschaft nicht völlig kollabiert. Ein leichter Wirtschaftsrückgang bis hin zu einer moderaten Rezession ist überhaupt kein Problem, da die Notenbank in diesem Fall die Zinsen am Boden halten werden. Und solange keine echten Inflationsgefahren drohen und die Schuldenkrise auch nicht wirklich überwunden ist, werden die Notenbanken an ihrer Politik nichts ändern.

So gesehen könnten Aktien sogar noch viel länger steigen, als von den meisten Beobachtern erwartet.

Kurzfristig allerdings wäre nach dem ersten Anlauf in Richtung 7000 Punkte eine kleine Pause nicht schlecht. 6700 oder 6600 gelten weiter als mögliche Untergrenze. Bei gut 6400 verläuft die 200-Tage-Linie; deutlich steigend als Zeichen für einen starken Trend.

Bemerkenswert ist, dass derzeit nicht nur die US-Märkte, wie hier immer wieder hervorgehoben, stabil sind. Nun haben sogar die Euro-Börsen Tritt gefasst. Der Euro Stoxx hat seit langem wieder einmal die 200-Tage-Linie deutlich übersprungen.

Auch im Dax erholen sich die Kellerkinder. Siemens, lange Zeit eine Enttäuschung und noch vor kurzem mit einer verhaltenen Prognose bedacht, hat aus dem Stand nach oben gedreht und ist in den nächsten Wochen für einen Anstieg bis auf 80 Euro gut. Richtig spannend wird es bei den Versorgern. Bei E.On haben sich die aktuellen Geschäftsperspektiven aufgehellt, der Kurs gäbe bei einem nachhaltigen Anstieg über die Zone 18/19 Euro ein starkes, mittelfristiges Kaufsignal. Auch die Finanzwerte, wie die Zahlen der Münchener Rück gezeigt haben, können sich besser als erwartet erholen. (Wobei die Deutsche Bank und die Commerzbank derzeit auffallend schwach aussehen. Eine Entspannung zeichnet sich hier nicht ab.)

Fazit: Die Lage ist wesentlich besser als die Stimmung. Die US-Börsen und der Dax verlaufen mittelfristig in soliden Aufwärtstrends, die Euro-Börsen haben die Bodenbildung begonnen. Wer investiert ist, kann dabei bleiben. Wer Liquidität hat, an schwachen Tagen einsteigen oder aufstocken.

 

» 08.08.2012, 10:09

    2 Kommentare zu “Lieber Aktien als Anleihen”


  1. Klaus F. sagt:

    Herr Riedl,

    sorry, wollte ihnen persönlich nicht zu nahe treten.
    Natürlich haben wir eine Pressefreiheit, aber haben wir auch eine freie Presse? Da habe ich halt meine Zweifel.

    Gegenmeinung zu ihrem Artikel:
    Dax nun in der Toppingphase mit einem noch ausstehenden Fishing-Spike über die 7000.
    Dann rund 15% runter innerhalb weniger Wochen. Um dann wieder auf zu neuen Höhen zu steigen, nachdem der ESM im September fix gemacht wird (natürlich mit Banklizens).
    Die Banken können sich endlich ihrer faulen PIGS-Anleihen entledigen, somit ihre Bilanzen retten und mit dem frei werdende Kapital die anderen Assets, wie z.B. den Aktienmarkt, Ölmarkt, Edelmetalle usw. überfluten.
    Übrigens auch die deutschen Anleihen haben ihr Renditetief bereits gesehen. Mit dem ESM werden auch diese eine Zinswende erleben.

    Gruß :-)
    KF

  2. anton.riedl sagt:

    @Klaus F.,

    fein, ich warte im Grunde ja auch auf eine kurze Korrektur, nicht auf 5800, aber wir müssen schon noch etwas runter. Die 7000 heute früh und der schnelle Fall nachher waren schon typisch.

    Wie weit die Korrektur dann geht, das möchte ich abwarten. Es gibt derzeit viele erstaunlich starke Märkte, vor allem der Dow. Das spricht gegen einen massiven Verfall. Ich würde im Augenblick nicht short gehen wollen.

    Zinswende, ja, die sehe ich auch. Aber es wird dauern, immerhin haben wir 30 Jahre Zinsrückgang hinter uns. Und: Wenn sie wirklich kommt, dann wäre das auch ein Zeichen dafür, dass wir die Schuldenkrise überwunden hätten. Das wiederum dürfte nicht so leicht werden…

    Beste Grüße!

    A.R.