» 01.08.2012, 10:01

Vorsicht im August

Nach acht Wochen Kursanstieg ist der Dax anfällig für Korrekturen. Wer kaufen will, sollte günstigere Notierungen abwarten.

Zwei Ikonen des Dax kommen mächtig ins Stocken. Siemens brechen die Auftragseingänge weg, bei der Deutschen Bank zerbröselt das Kerngeschäft. Sicher, es gibt hier hausgemachte Probleme: Bei Siemens vor allem das Hin und Her in der Energietechnik, bei der Deutschen Bank das Geschiebe um das Investmentbanking. Doch auch wer diese Aktien nicht hat, sollte deren Leader-Funktion nicht außer Acht lassen. Wenn zwei so großen Jungs die Luft ausgeht, ist für das gesamte Team Gefahr im Verzug.

Und Siemens und die Deutsche sind ja nicht allein mit ihren Problemen. Thyssen wird es Milliarden kosten, aus seinen amerikanischen Stahlwerkabenteuern zu kommen. Die Metro, Europas größter Konsumkonzern konnte zwar mit den jüngsten Zahlen den Abwärtstrend leicht bremsen, leidet aber weiter unter massivem Preisdruck.  Die Versorger haben noch immer kein Geschäftsmodell für nachhaltige Gewinne gefunden, die Cobank kämpft ums Überleben.

Prominente Enttäuschungen, Impulse fehlen

Natürlich, es gibt die Erfolgsgeschichten im Dax: Fresenius bei seiner internationalen Expansion, SAP mit dem Flug in die Wolke, VW als großer Sieger im internationalen Autowettstreit, BASF mit seiner dauerhaften Gewinnstärke.  Aktien wie diese sind deshalb auch weiterhin langfristig gute Investments.

Kurzfristig aber sieht es kritischer aus. Bei den angeschlagenen Werten sind keine positiven Impulse in Sicht – und die guten Werte sind (gerade in den vergangenen acht Wochen) natürlich auch schon ziemlich gut gelaufen.

Deshalb ist es auch kein Wunder, dass der eigentliche Grund, warum der Dax nach acht Wochen noch nicht schlapp macht, woanders liegt: Bei der Hoffnung auf neue Geldflutungen durch die Notenbanken. Und diese Hoffnung ist ja in der Tat nicht unbegründet – vor allem dann, wenn die Realwirtschaft in den Krisenländern weiterhin nicht auf die Beine kommt.

Mehr noch, auch die große, grundlegende Antriebskraft für Aktien wirkt weiter, wird sogar stärker: der Mangel an interessanten Anlagemöglichkeiten. Er ist der Hauptgrund dafür, dass der Aktienmarkt selbst in Korrekturphasen auf absehbare Zeit nicht ins Leere fallen dürfte.

Kursrisiko zunächst bis 6400

Was heisst das nun konkret für den Dax? Bei 6800 oder maximal 6900 und acht Wochen Anstieg wird die Luft dünn. In dem Moment, in dem absehbar wird, welche Maßnahmen die Notenbanken nun ergreifen, könnte (nach einem kurzen Freudensprung) die Ernüchterung folgen.

Das Risiko im Dax reicht kurzfristig bis etwa 6400. Zwischen dieser Untergrenze und auf der Oberseite bis zu 6900 könnte sich eine mögliche Konsolidierung im August abspielen. Allerdings, da die Märkte derzeit politisch dominiert werden, sind auch höhere Ausschläge nicht ausgeschlossen. Für Investoren ein Grund mehr, derzeit vorsichtig zu sein.

» 01.08.2012, 10:01

Die Kommentare sind geschlossen.