Der jüngste Kursanstieg signalisiert zwar zunächst eine Entspannung, dennoch bleiben die nächsten Wochen kritisch.
Tatsächlich hat der Dax nicht nur den Wiederanstieg bis auf 6600 geschafft, sondern darüber hinaus sogar bis fast auf 6800. Für die mittelfristige Konstellation an den deutschen Aktienmärkten ist das eine wichtige Zwischenstation, da die Gefahr einer Wende nach unten (die bei einem Hängenbleiben zwischen 6400 und 6600 groß gewesen wäre) zunächst vom Tisch ist.
Der starke Anstieg in den vergangenen Tagen war natürlich vor allem die Folge des neuen Aktivismus von Politikern und Notenbanken. Nun muss natürlich erst einmal abgewartet werden, welche konkreten Maßnahmen es geben wird – am positivsten wären Rückkaufprogramme für Anleihen.
Dass der Dax und die europäischen Aktienmärkte darauf so massiv regiert haben, zeigt deren ursprüngliche Positionierung: die umfassende Spekulation auf ein Ende der EU. Die fast schon aggressive und ziemlich einheitliche Position von Fed, EZB und politischen Hauptakteuren ist so gesehen nichts anderes als eine Demonstration gegen die Europa-Baissiers, seien es direkt Hedgefonds und Kleinspekulanten oder – mental – Untergangspropheten, unbequeme Professoren oder Kommentatoren.
Den Märkten soll das signalisieren: Wer jetzt aktiv auf das Ende Europas wettet (und daran natürlich gut verdienen will), muss sich auf massives Gegenfeuer von Politik und Notenbanken gefasst machen.
Natürlich, ob die jüngste Ankündigung und die Geldmaßnahmen, die folgen müssen, wirklich helfen, die Krise substanziell zu überwinden und die Märkte dauerhaft zu stabilisieren, bleibt abzuwarten. Dennoch hat es kurzfristig die wichtigsten EU-Aktienmärkte in einer wackligen Phase zunächst stabilisiert; in den USA kam es im Dow (und etwas schwächer im S&P) sogar zu einem mittelfristigen Kaufsignal.
In diesem Umfeld ist bei einem Stand um 6750 im Dax zwar keine Euphorie angebracht, dennoch sollte es helfen, dass sich der Markt in dieser Woche zunächst weiter zwischen 6400 und 6800 hält. Eine Basis für breite Investmentkäufe ist das allerdings nicht; eher hilft es, in Kursspitzen sich zumindest etwas Liquidität zu verschaffen.











Ein Kommentar zu “Kampf den Europa-Baissiers”
Es könnte schon sein, dass im DAX die Marke von 6.400 zumindest in d. W. noch halten könnte. Dennoch erscheinen mir, aus der Sicht des Traders, zumindest kurz- bis mittelfristige Gewinnmitnahmen angezeigt. Es verdichten sich Nachrichten über anhaltende Euro-Probleme, die sicherlich nicht nur den deutschen sondern alle europäischen Aktienmärkte belasten könnten. Die erwartete Handlungsweise der einstmals als Bollwerk der Stabilität bekannten EZB (sofern man Herrn Draghi richtig interpretiert) erscheint mir bedenklich. Natürlich wollen die Märkte Erleichterung, doch ist es wirklich a la longue so gut, wenn bewehrte Stabilitätsprinzipien zwecks kurzfristiger Marktberuhigung geopfert werden? Mit Anleihekäufen kann man meines Erachtens nach nur kurzfristige Kursrallys erzeugen, längerfristig betrachtet aber alles vor die Wand fahren. Bedenklich erscheint mir auch die konjunkturelle Lage in den USA und insbesondere die dortigen Staatsfinanzen. Der $ ist zwar derzeit fest, doch glaube ich, dass insgesamt betrachtet die Probleme in den USA keineswegs geringer sind als hier bei uns. Die US-Währung erscheint mir vor diesem Hintergrund als eklatant überbewertet! Japan hat ohnehin bereits die auf das Bruttosozialprodukt bezogene höchste Staatsverschuldung im Kreise der Industriestaaten und die Chinesen,, wie viele andere asiatische Wachstumsnationen auch, hängen am Export in die USA und nach Europa. Langfristig bleibe ich zwar für Aktien, weiterhin positiv (Langzeitanleger können daher drin bleiben), doch könnten bereits kurzfristige Turbulenzen an Bond-, Rohstoff- und Aktienmärkten das Bild nachhaltig trüben. Das Problem sind zudem die Hedgefonds. Die sind schließlich häufig in unterschiedlichsten Märkten engagiert und kippen die Bonds und/oder auch die Rohstoffe, so müssen diese auch im Aktienmarkt verkaufen um ihre Verpflichtungen aus anderweitigen Schieflagen im Derivatebereich zu bedienen. Ist ein solcher Prozess erst einmal entfacht, dann reißen die Stops an den Terminmärkten, lösen eine Kettenreaktion aus und schon findet sich der DAX binnen kürzester Zeit auf einem nachhaltig schwächeren Niveau wieder. Der Markt erscheint mir zudem technisch überkauft! Fazit: Trader sollten meines Erachtens nach auf aktuellem Niveau Gewinne realisieren und mit lediglich maximal 50 % investiert bleiben.