Die Erholung kam schnell und erreichte in der Spitze fast schon 6600. Sie kam für die meisten Anleger unerwartet, deshalb fiel der Anstieg auch so zügig aus. Kurzfristig ist noch etwas Luft.
Fundamental hat sich so viel eigentlich nicht verändert, nur sind die Zwischentöne derzeit etwas heller geworden: In der EU wird immer deutlicher eine Politik wie in Amerika verfolgt – also Geldhilfen um jeden Preis. Personell wird das am Rückzug Angela Merkels festgemacht. Die Märkte jedenfalls betrachten das (kurzfristig) als positiv. Es könnte sogar dazu führen, dass der bisherige Rückstand der europäischen Börsen im Vergleich zu den US-Börsen aufgeholt wird.
Desgleichen wächst die Hoffnung auf weitere Notenbank-Spritzen der Fed. Doch Vorsicht: Die Politik der Fed geht zwar grundsätzlich in die Richtung der von den Märkten geliebten Flutungsmethode, doch willfährig möchte die Fed nicht aussehen; und ihr Pulver vorzeitig verschießen ebenfalls nicht.
Sollte, wie die letzten Daten zur Industrie andeuten, die Konjunktur in den USA nicht noch weiter absinken, könnte sich die Fed mit neuen Spritzen länger Zeit lassen, als von Optimisten gewünscht. Eine solche „Enttäuschung“ könnte schnell zu rückläufigen Kursen führen.
Wichtige Hürden übersprungen
Kurzfristig allerdings ist die Lage an den Aktienmärkten weiter positiv. Die schnellen Kursgewinne der vergangenen Tage sind auch eine Folge von Shorteindeckungen der großen Pessimistenschar. Dabei hat das an fast allen Märkten dazu geführt, dass wichtige Hürden übersprungen wurden: Im Dax hielt nicht nur der untere Bereich um 6100, es wurde sogar fast das Ziel um 6600 erreicht. Der Dow hatte keine Mühe, die Zone um 12500/600 zu verteidigen und strebt nun auf 13000 und mehr.
Besonders robust ist der MDax. Nach einem kurzen Ausrutscher unter die 10000 brach er in einem Zug den Abwärtstrend der vergangenen Monate und gab damit sogar ein mittelfristiges Kaufsignal. Dass vor allem deutsche Neben- und Spezialwerte für Anleger einiges zu bieten haben, konnten Sie in der aktuellen WirtschaftsWoche 27 ausführlich lesen. Die dort vorgestellten Aktien sind auch weiterhin hoch interessant.
Die Rückeroberung der 200-Tage-Linie, der Aufstieg aus einer kleinen Bodenformation bei 6400 und nun sogar der Bruch des Abwärtstrends seit Frühjahr sind eindeutige positive Signale im Dax. Negativ ist, dass der Index immer noch unterhalb des größeren, seit September vergangenen Jahres verlaufenden Trends liegt.
Nach sechs bis acht Wochen Anstieg wird es eng
Bis zum Ende des Zeitfensters Mitte Juli ist noch etwas Spielraum. Insofern hat der Markt auch kurzfristig noch nicht überzogen. Der V-Dax ist auf dem Rückzug, Anleihen dürften weiter im Kurs verlieren. Allerdings, ab der zweiten Juli-Hälfte, spätestens ab Anfang August, wird es kritisch. Immerhin lag der Tiefpunkt der aktuellen Bewegung schon am 5. Juni, der Markt hat also schon eine stramme Bewegung hinter sich.
In der Regel laufen die mittleren Schwünge im Dax nach sechs Wochen, spätestens nach acht Wochen aus. Dann ist zumindest eine Neuorientierung notwendig. Das muss nicht gleich ein Rückgang sein, doch um dann weiter zu kommen, brauchen die Kurse neue Nahrung von der Nachrichtenseite. Und gerade da könnte es im August eher mau aussehen.
Fazit: In den nächsten Tagen sollte der Dax über 6400 bleiben und dann noch einen Anstiegsversuch starten. Sollte der Dax dann sogar die 6600 leichtfüßig nehmen, wäre das eine positive Indikation für die normalerweise schwierigen Monate August und September. Dennoch, bisher sieht es noch eher danach aus, dass um 6600 (oder vielleicht kurzfristig sogar 6800) die aktuelle Erholung um die Juli-Mitte oder in der zweiten Juli-Hälfte ausläuft und dann eine erneute Belastungsprobe ansteht.










