» 27.06.2012, 10:38

Mühsame Stabilisierung im Dax

Trotz des jüngsten Rückschlags ist kurzfristig bis in den Juli hinein noch eine Erholung möglich. Mittelfristig aber wird es kritisch.

Die Stimmung unter den Verbrauchern ist wieder einmal etwas besser – nun, angesichts der mehrjährigen Gewöhnung an die Krise verwundert das nicht. Zudem fällt das Konsumieren leicht, wenn Geldanlegen immer problematischer wird; wenn Aktien weder nachhaltig in die eine noch in die andere Richtung gehen; Anleihen minimale Zinsen abwerfen, dafür enorme Risiken bergen; Gold sich um 1600 schwer tut – und ein Immobilienkauf eine andere Dimension hat.

Unverkennbar ist der langsame konjunkturelle Rückgang. Das zeichnet sich in zentralen Indikatoren wie dem Ifo seit Monaten ab, das wird nun durch die laufenden Geschäfte der meisten Industriewerte bestätigt.

Autoaktien drücken den Markt

Vor allem die Manager aus der bisher erfolgsverwöhnten Autoindustrie mahnen immer mehr zur Vorsicht. Zwar gibt es bei einzelnen Unternehmen wie zuletzt Porsche noch Rekordzahlen, doch die Aussichten für das zweite Halbjahr trüben sich ein. Vor allem der riesige Wachstumsmarkt China legt eine Pause ein.

Die Auto-Aktien im Dax gehören seit einigen Wochen zu den schwächsten Papieren. Nachdem sich hier mittelfristige obere Trendwenden gebildet haben, ist auf absehbare Zeit nicht mit nachhaltig steigenden Kursen zu rechnen. Kurze Erholungen sind möglich, doch hierbei werden immer wieder Verkäufer Papiere abstoßen.

Auch die anderen großen Industriewerte im Dax sind auffallend schwach. Siemens, schon seit Monaten eine Enttäuschung, tut sich schwer, überhaupt das noch niedrige Niveau zu halten. BASF ist etwas standfester im Bereich um 55 Euro, hat aber zuletzt auch deutlicher nachgegeben. ThyssenKrupp ist angesichts der Probleme um das Stahlwerk in Südamerika ein Spezialfall, doch bevor es hier keinen echten Käufer gibt, wird sich die Aktie nicht stabilisieren – Finger weg.

Versorger mit Zwischenspurt


Dass der Dax insgesamt etwas besser aussieht, verdankt er (neben SAP und sogar einmal den Versicherern) sogar den Versorgern (die erholen sich von den vorangegangenen Tiefschlägen, eine Wende ist das noch nicht) und der Telekom. Die T-Aktie bietet zwar keinen Anhaltspunkt für einen nachhaltigen Kursaufschwung, doch wieder einmal erweist sich das Niveau im Bereich um acht Euro als Einstiegsniveau für Dividendenkäufer. Nicht vergessen sollte man aber dabei, dass das Dividendenversprechen von 70 Cent je Aktie nur noch einmal gilt. Für die Zeit danach fehlt eine substanzielle Gewinnstrategie.

Der jüngste Rückschlag im Dax von gut 6400 auf fast 6100 fiel heftiger aus als erwartet. Die 200-Tage-Linie (derzeit bei 6270 und immer noch steigend) wurde wieder nach unten durchschlagen. Damit vollziehen sich die gesamten Kursschwankungen seit Anfang Juni im Dunstkreis dieses mittelfristigen Trendanzeigers. (Die Bedeutung einzelner Schnittpunkte wird damit relativiert.)

Zeitfenster bis Mitte Juli

Am 5. Juni hatte der Dax sein letztes Tief markiert bei 5969. Nimmt man die durchschnittliche Länge mittelfristiger Schwünge, die bei rund 30 Börsentagen liegt, ergäbe das ein Zeitfenster bis Mitte Juli. Bis dahin könnte die Erholung bzw. Gegenreaktion auf den vorangegangenen, seit März dauernden Abwärtstrend laufen. Theoretisch – und das ist immer noch möglich – könnte eine solche Reaktion in den Bereich 6400 bis 6500 gehen.  Der scharfe Rückschlag der letzten Tage macht dieses Szenario schwieriger, aber noch nicht unmöglich.

Kritisch wird es ab Mitte Juli. Dann ist die theoretische Zeitspanne der Erholung vorbei und wiederum eine Gegenbewegung zu erwarten. Die würde dann eher die Richtung des vorangegangenen März-Trends fortsetzen – und der zeigte nach unten.

 

 

» 27.06.2012, 10:38

    Ein Kommentar zu “Mühsame Stabilisierung im Dax”


  1. Anton Riedl sagt:

    Ja, aber Gold sieht kurz- bis mittelfristig auch ziemlich angefressen aus…mehr dazu in der nächsten WirtschaftsWoche.

    A.R.