Schwache Wirtschaftsdaten drücken den Dax, doch die Chance auf eine kurzfristige Stabilisierung besteht weiterhin.
Dass die US-Notenbank nicht gleich wieder die große Keule aus dem Schrank geholt hat, ist gar nicht mal so schlecht. Sicher, einige sind enttäuscht, weil sich jetzt schon wieder auf die neue Geldflut gesetzt haben; doch Bernanke macht damit Zweierlei: Einerseits erhöht er die Liquidität, andererseits hat er noch Reserven in der Hinterhand.
Und das ist gut so, denn die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Amerika wie aus Europa deuten auf eine weitere Abschwächung der Wirtschaft. Ein Absturz wie 2009 ist bisher nicht in Sicht, doch die Schuldenkrise hinterlässt deutliche Spuren, auch in Deutschland.
Hier dürften in den nächsten Wochen die Gewinnprognosen der Unternehmen Schritt für Schritt zurückgenommen werden. Wenn sich das in überschaubarem Maß abspielt, dürfte das an den Märkten zu keiner Neuorientierung führen. Die gesamte Korrektur seit März hat eine moderate Abschwächung vorweggenommen.
Rohstoffe weiter schwach
Die Frage ist natürlich, ob sich hinter den noch leichten Eintrübungen nicht doch etwas Gefährliches zusammenbraut. Denn was sich auf den Rohstoffmärkten abspielt, sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Ölpreis ist fast im freien Fall, konjunktursensible Metalle wie Kupfer sind schwer angeschlagen, Aluminium hat deutlich nach unten gedreht.
Für Anleger bedeutet das: Die substanziellen Warnzeichen für einen Wirtschaftsabschwung werden immer offensichtlicher; andererseits aber nimmt auch die Inflationsgefahr ab – was wiederum den Notenbanken mehr Spielraum gibt, als noch vor wenigen Monaten vermutet.
Die Kursanstiege der vergangenen Woche an den internationalen Märkten waren durchaus ein Signal, dass die seit März anhaltende scharfe Abwärtsbewegung erst einmal zu Ende ist. Danach ist, wie an dieser Stelle geschrieben, nun eine Erholung möglich. Dabei lief die erste Phase planmäßig: Der Dow Jones kam über die wichtige Zone um 12600, der Dax über 6200.
Zugewinne müssen verteidigt werden
Diese erste Erholungsphase ist durch die jüngsten Rückschläge beendet worden. Im Dax wie im Dow Jones kommt es jetzt darauf an, ob rund die Hälfte der Zugewinne verteidigt werden. Das wäre zum einen die Zone um 6200, zum anderen 12600 (wobei es im Tagesverlauf nicht auf einige Punkte mehr oder weniger ankommt.) Wenn das in den nächsten Tagen gelingt, könnte zum Monatesende eine neue, zweite Erholungsphase starten. Deren Ziel läge dann, wie schon beschrieben, in dem Bereich 6500 bis 6600.
Für Anleger, die sich nicht auf kurzfristige Bewegungen einlassen wollen, ist das eine schwierige Situation. Einerseits kommt es bei manchen Aktien (wie zuletzt etwa ThyssenKrupp) hier zu schnellen Zugewinnen; andererseits ist es unterm Strich schwer, die auch wirklich zu realisieren.
Sollte der Dax übrigens kurzfristig in den nächsten Wochen statt der beschriebenen kleinen Erholung nur in einer Querbewegung verhungern (sagen wir einmal zwischen 6000 und 6400), wäre das für die nächste Phase ab August kein gutes Vorzeichen.










