» 01.06.2012, 10:28

Brisante Schwäche im Dax

Von Tag zu Tag wird es knapper für den Dax. Wenn er jetzt nicht bald eine deutliche Erholung schafft, sieht es düster aus für den Sommer.

Fast 15 Prozent ist der Dax seit seiner letzten Spitze am 19. März gesunken. Damit ist er in zweifacher Hinsicht an einem wichtigen Punkt angelangt: Zum einen kann am Verluste dieser Höhe noch als Korrektur in einer längeren Aufwärtsbewegung betrachten; zum anderen sind fast zehn Wochen Rückgang ebenfalls noch ein typisches Ausmaß einer klassischen Gegenbewegung. Ginge es also nach den durchschnittlichen Schwüngen, wäre jetzt eigentlich wieder eine Aufwärtsbewegung an der Reihe (deren Ziel dann etwa – ebenfalls klassisch – bei rund 6600 liegen würde; mindestens).

In den einzelnen Aktien zeigt sich ein ähnliches Bild. Allianz von 95 auf 73 gesunken, Daimler von 48 auf 37, Siemens von 80 auf 66, die Deutsche Bank von 40 auf 28 Euro. Alle schweren, taktgebenden Aktien im Index haben damit deutliche Korrekturen ausgebildet, nach denen ebenfalls in der Regel wieder eine Aufwärtsbewegung kommen müsste.

Wichtige Unterstützungen gebrochen

 
Das Problem dabei: Wenn der Dax in dieser angespannten Situation diese eigentlich anstehende Aufwärtsbewegung nicht schafft, ist das ein ernster Hinweis auf seine innere Schwäche – und damit für die nächsten Monate ein Indiz für womöglich sogar deutlich sinkende Kurse.

Mehrmals hat der Dax wichtige Untergrenzen in den vergangenen Wochen nicht gehalten. Erst 6600, dann 6450, jetzt kämpft er um 6200. Bei 6208 verläuft die mittlerweile leicht steigende 200-Tage-Linie, bei 6150 liegt eine alte Unterstützung, die bis in die Zeit der Asienkrise zurückreicht.  Aus technischer Sicht ist die Lage im Dax damit unentschieden.  An der gefährlichen Kursklemme zwischen 6150 und 6450 hat sich bis zur Stunde nichts geändert. (Viele Trendfolger warten nur darauf, bis der Dax nach oben oder unten ausbricht, um dann entsprechend zu disponieren – das könnte dem Markt dann natürlich beschleunigen.)

Warnsignale von den Frühindikatoren

Von der Konjunkturseite hält sich Deutschland bisher wacker. Allerdings, der jüngste Rückgang des Ifo-Index deutet eher darauf hin, dass die Wirtschaft auch hierzulande in den nächsten Monaten weiter abflaut. Da Ifo und Dax in ihren Schwüngen ähnlich verlaufen, spricht das für weiter nachgebende Kurse.

Die Verschärfung der Schuldenkrise – derzeit vor allem um Spanien – bleibt natürlich die große Belastung, die man als Aktienanleger immer mitdenken muss. Wobei der Liquiditätseffekt durchaus positiv ist: Das administrativ niedrige Zinsniveau und die wachsenden Risiken bei Anleihen (bei denen sich langfristig ohne Frage eine gefährliche Blase bildet) sind Vorteile für den Aktienmarkt. Andererseits, über die Gefahren bei den Finanzaktien (bis hin zu möglichen Verstaatlichungen bei Banken) drücken sie den Gesamtmarkt derzeit besonders. Gerade deshalb ist es brisant, dass nun auch die bis Frühjahr hinein stabilen konjunktursensiblen Aktien abdriften.

Fazit: Politisch und konjunkturell überwiegen derzeit die Risiken. Technisch hat der Markt dies zwar schon zu einem Teil vorweggenommen; er hat aber noch nicht die relative Stärke aufgebaut, die eine Basis für einen nachhaltigen Aufschwung wäre. Die nächsten Wochen werden kritisch – und es schadet nicht, einen guten Teil seines Pulvers trocken zu halten.   

 

 

» 01.06.2012, 10:28

    4 Kommentare zu “Brisante Schwäche im Dax”


  1. Anton Riedl sagt:

    So, und kaum schreibt man über die brisante Schwäche, schon schlägts wieder ein. Mit 6135 (am Mittag) setzt der Dax die Abwärtsbewegung dynamisch fort. Zwar kommt es angesichts der augenblicklichen Hektik nicht auf ein paar Punkte mehr oder weniger an, aber die Baisse-Signale sind eben da. Eine deutliche Rally am Nachmittag, also zum Wochenschluss, könnte ihn noch retten – aber danach sieht’s momentan nicht aus.

    Für die nächsten Wochen gilt weiterhin: Vorsicht geht vor und im Zweifel lieber Geld beiseite halten – bei einer möglichst sicheren Bank übrigens.

  2. Michael Wöll sagt:

    Im Sommer wird es einen nie dagewesenen Crash geben.
    Egal wie die Griechen wählen, der Crash kommt.
    Wenn die Demokraten gewinnen wird wieder unsinnig neues Geld nach Griechenland gepumpt. Der Crash tritt dann mit Verzögerung ein.
    Gewinnen die Radikalen tritt Griechenland aus. Die Folge wären Bankencrashs und Dominoeffekte.

  3. Klaus F. sagt:

    Herr Riedl
    “- bei einer möglichst sicheren Bank übrigens.”

    Sorry, musste spontan lachen.
    Die Unsicherheit ist dermaßen groß, dass sich die Banken untereinander nicht mehr trauen. Wie soll denn da bitteschön Ottonormalverbraucher die Sicherheit von Banken erkennen.
    Erst wenn die Ebbe kommt zeigt sich doch wer nackt badet.

    Sachwerte werden die Trümpfe sein, wenn das Geldsystem crasht.

    Gruß :-)

  4. Anton Riedl sagt:

    Hallo Klaus F.,

    klar, absolute Sicherheit gibt es nicht mehr. Aber es gibt schon Möglichkeiten wie CDS-Prämien, die sich in den vergangenen Jahren bewährt haben, die helfen beim Differenzieren. Vorteile haben öffentliche Banken – deshalb auch dort die Magerzinsen.

    Gruß A.R.