» 30.05.2012, 09:51

Gefährliche Kursklemme

Nur mühsam kann sich der Dax stabilisieren. Gleichzeitig trübt sich das Umfeld wieder ein. Sogar die staatlichen Retter dürften den Aktionären teuer zu stehen kommen.

Hängen im Schacht – so könnte man die aktuelle Situation des Dax beschreiben. Einerseits hat der Index seinen mittelfristigen Aufwärtstrend (bei etwa 6450) nach unten gebrochen – das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen; andererseits verläuft er noch oberhalb wichtiger Unterstützungen bei 6200 (200-Tage-Linie) und 6150,  einer alten Basislinie, die bis ins Jahr 1998 zurückreicht.

 Allzu lange sollte sich der Dax nicht mehr Zeit lassen für eine Erholung. Je länger der Dax zwischen diesen Bandbreiten (6150 bis ca 6450) klemmt, desto größer ist die Gefahr, dass er mittelfristig dann doch noch nach unten herauskippt.

Finanzspritzen und Verstaatlichungen

Das Umfeld ist nicht gerade einladend. Kaum haben sich Börsianer mental darauf eingestellt, dass Griechenland vielleicht aus der EU fliegen könnte (was mittlerweile von einer Mehrheit sogar als Erleichterung aufgefasst wird), schon drohen neue Milliardenabschreibungen bei spanischen Banken. Angesichts der schweren Rezession im Land wird es wohl mittelfristig auf eine Kombination aus EZB-Hilfen und Verstaatlichungen hinauslaufen.

Verstaatlichungen bezahlen übrigens vor allem die Aktionäre. Jeder, der jetzt Anteile von gefährdeten Banken hat- und dazu zählt auch die Commerzbank – sollte sich das Schicksal der HRE vor Augen halten. Egal, wie man zu den Geschäften dieser Bank nun steht, die letztendliche Verstaatlichung war für die Aktionäre einen finanzielle Katastrophe.

 

Aktionäre – die Zahlmeister der Nationen

 

Und sollte die Finanzkrise sich noch weiter zuspitzen und sogar Industriekonzerne gefährdet sein (etwa Versorger wegen hoher Schulden), so wird die Politik auch in Deutschland sicherlich nicht zu lange mit Verstaatlichungen zögern.  Denn so wie es bei den Banken um die Rettung des Finanzsystems und der Einlagen der Kunden und Wähler geht (NICHT um die Rettung der Banken als Unternehmen der Aktionäre!), so ginge es bei Stromproduzenten um die Aufrechterhaltung der Energieversorgung.

Administrative Verstaatlichung statt marktwirtschaftlicher Pleite – diese „ordnungspolitische“ Keule im Hintergrund ist eine weitere Belastung, die sogar langfristigen Investoren das Leben immer schwerer macht.

 

 

 

 

» 30.05.2012, 09:51

    2 Kommentare zu “Gefährliche Kursklemme”


  1. Marc Girrbach sagt:

    Hallo Herr Riedl,

    interessant mit den Energiewerten. Meinen Sie alle europäischen Versorger oder welche im Speziellen ?

    MfG

    Marc Girrbach

  2. Anton Riedl sagt:

    Hallo Herr Girrbach,

    wenn man sich mal die Bilanzen der großen deutschen Versorger anschaut, dann stößt man da auf enorme Schulden. Genau deshalb ist für die auch die Energiewende so brisant: Damit haben sie das alte Geschäft, das ihnen einen stetigen und hohen Geld-Zufluss gesichert hat, verloren. Wenn dann auch noch in den nächsten Jahren die Zinsen steigen sollten, dann wird es immer enger. Aktien deutscher Versorger würden wir derzeit nicht kaufen.

    Viele Grüße

    A.R.