» 10.05.2012, 17:37

Das Rohstoff-Risiko

Griechenland-Chaos, Euro-Schwäche – und nun auch noch nachgebende Rohstoffpreise. Eine brisante Mischung für den Dax.

Ohne Frage, die weltweiten Aktienmärkte haben durch die Rückschläge der vergangenen Tage wieder eine Schwäche offenbart, die in den vergangen acht Wochen nicht bestand. Das ist umso bedenklicher, da normalerweise im kurz- bis mittelfristigen Zyklus nach einer solchen Korrektur wieder eine Akkumulationsphase anstehen müsste, also eine Basis für einen neuen Aufwärtsswing. Danach sieht es derzeit nicht aus.

Kurzfristig hat sich auch im Dow die Lage verschlechtert. Der seit Oktober laufende Aufwärtstrend ist leicht touchiert, gefährlich wäre ein Rückschlag unter 12700 – dort dürften auch zahlreiche Stopps platziert sein. Allerdings, die mittelfristige Tendenz stimmt hier noch, die 200-Tage-Linie verläuft bei 12200. Tiefer sollte es kurzfristig in den USA nicht gehen.

Auch der Dax tut sich schwer. Nach dem Rutsch unter 6600 ging es in einem Zug sogar kurzzeitig unter 6400. Bis zur Stunde kann der Dax dieses Niveau verteidigen. Je weiter dem Index oberhalb der neuralgischen 6200er-Zone eine merkliche Erholung gelingt, desto besser sind die mittelfristigen Aussichten bis in den Sommer hinein.

Globale Rohstoff-Baisse im Anmarsch?

Dennoch, im Schatten des Aktienmarkts vollzieht sich derzeit eine Entwicklung, auf die Anleger genau achten sollten. An den Rohstoffmärkten drehen immer mehr Kurven nach unten. Das Öl, sämtliche Industriemetalle, die Edelmetalle und schließlich auch die Agrarrohstoffe.

Als alle Welt vor gut einem Jahr die Spekulanten wegen extremer Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen an den Pranger stellte, war das ziemlich genau die bisherige Spitze der Preisentwicklung. Eigentlich müssten sich jetzt die Erzeuger bei den Spekulanten beschweren, dass sie die Preise nun ungebührlich nach unten drückten. Damit dürfte wieder einmal offensichtlich sein, dass Terminspekulationen zwar die Ausschläge an den Rohstoffmärkten verstärken können, einen grundlegenden Trend aber setzen sie nicht.

Wenn Öl, Metalle und Soft Commodities generell und für länger nach unten abkippen würden, wäre das ein ernstes Alarmsignal. Da nützt es wenig, dass der eine oder andere Chemiekonzern etwa weniger für Rohöl bezahlen muss – denn hier haben sich nicht nur einige gegen befürchtete weitere Preissteigerungen mit Derivaten abgesichert  (kostspielig, aber jetzt umsonst!); Konzerne wie BASF profitierten sogar von teurem Öl (hier über die Tochter Wintershall).

Schwäche am Anfang der Produktionskette

Ein globaler Preisrückgang auf den Rohstoffmärkten wäre ein untrügliches Zeichen für ein Nachlassen der effektiven Nachfrage. Das wiederum würde – jenseits kurzfristiger Spekulationseffekte – auf eine mögliche Konjunkturabschwächung hindeuten, die in dieser Form noch nicht in den Gewinnhochrechnungen verarbeitet ist. Bisher gehen Analysten davon aus, dass die Unternehmen in diesem und im nächsten Jahr deutlich mehr verdienen.

Natürlich, noch ist die große Rohstoff-Baisse nicht ausgebrochen; noch wäre es verfrüht, auf globaler Ebene etwa das Aufziehen einer Deflation auszurufen. Dennoch ist es bedenkenswert, dass sich diesseits der vom Endverbraucher gefühlten Inflation (Sprit, Mieten, Immobilien) nun am Anfang der Produktionskette (also bei Roh- und Grundstoffen) eine bisher wenig beachtete Schwäche zeigt.
Kein Wunder, dass es der EZB leicht fällt, kurzfristig eine leichte Erhöhung der Inflation in Kauf zu nehmen – offensichtlich rechnet auch sie mittel- bis langfristig wieder mit sinkenden Preisen.

» 10.05.2012, 17:37

    Ein Kommentar zu “Das Rohstoff-Risiko”


  1. Ulrich sagt:

    Bei vielen Rohstoffen ist der Aufwärtstrend jedoch noch in Takt. Der Sommer wird hier immer schwach. Abwarten. Werde die Rohstoffe-Kurse aber auch im Auge behalten. Guter Artikel.