Der Rutsch unter 6600 war ein Alarmsignal. Für eine nachhaltige Stabilisierung im Dax wird es immer knapper.
Die neue Regierung in Frankreich, wenn sie denn demnächst gebildet wird, muss keineswegs schlecht für die Märkte sein. Im Gegenteil, schon die Ankündigung eines Wachstumsprogramms (was immer das dann auch konkret werden wird) zeigt, dass es in Zukunft in Europa noch weiter in Richtung aktiver Konjunkturpolitik und voraussichtlich auch dementsprechend ausgerichteter Notenbankpolitik geht. Das mag man im Sinne einer klassischen Stabilitätspolitik bedauern. Kurzfristig, für die Kurse, ist das ein Vorteil.
Dass sich Kanzlerin Merkel dem mit aller Gewalt entgegenstellt, ist wenig wahrscheinlich. Eher dürfte sie – mehr Taktikerin als Prinzipienreiterin – auch hier der neuen Richtung entgegengehen. Ihre Bemerkung „mit offenen Armen“ bekommt da eine ganz andere Note. Und dass der designierte Präsident der Franzosen auch sogleich in Deutschland seinen ersten Besuch macht, demonstriert, dass er keineswegs die Kernallianz Europas aufs Spiel setzen will. Hollande weiß nur zu gut, dass er die Krise Europas nicht gegen Deutschland sondern nur mit Deutschland in den Griff bekommt.
So gesehen ist die Entwicklung in Griechenland problematischer. Der Ausgleich zwischen den schon ausgehandelten Anforderungen der EU und der Stimmung im Lande wird immer schwieriger. Andererseits sind an den Märkten die Hoffnungen schon weit heruntergeschraubt worden, Szenarien von einer EU ohne Griechenland werden immer realistischer.
Plötzlich wieder Risiko Deflation
Zusätzlich vollzieht sich nun an den Kapitalmärkten eine andere Entwicklung, die man als Anleger nicht aus den Augen verlieren sollte: Der doch ziemlich scharfe Rückgang der Preise für Öl, Rohstoffe und auch Gold. Das mag in der Kostenrechnung vieler Unternehmen zunächst eine Entlastung sein; insgesamt betrachtet deutet es aber eher auf deflationäre Tendenzen – und das wiederum wäre alarmierend, denn wie soll dann die auf maximale Versorgung ausgerichtete Geldpolitik überhaupt noch wirken; schließlich müssen die Pferde immer noch selber saufen.
In den nächsten Wochen wird es darauf ankommen, ob es parallel zu den schwächeren Notierungen für Rohstoffe auch wieder zu schwächeren Zahlen und Indikationen aus der Realwirtschaft kommt. Eine solche Kombination wäre in der Tat gefährlich.
Dax technisch brisant
Gut möglich, dass dies auch der Grund dafür ist, dass der Dax zuletzt tiefer gesunken ist, als erwartet. So ist er nicht nur wieder unter 6600 gerutscht und hat damit den vorangegangenen Anstieg auf 6800 pulverisiert; die gesamte Bandbreite 6600 bis 6200 muss nun abermals verteidigt werden.
Positiv ist, dass die Korrekturbewegung im Dax (mit rund 10 Prozent Abschlag vom Hoch ist es immer noch eine Korrektur!) schon fast zwei Monate dauert und damit ihr durchschnittliches zeitliches Ausmaß ausgeschöpft hat.
Die brisante Situation in Dax zeigt das Kursbild der vergangenen acht Wochen. Zunächst drohte es, eine Kopf-Schulter-Formation zu werden (das war negativ); dann wurde es durch die Erholung auf 6800 ein Abwärtskeil (der war positiv); nun geht die Tendenz wieder in Richtung KS, und das sogar in schwacher, abwärtsgeneigter Form.
Die Chancen für eine Stabilisierung sind nun zwar eindeutig geringer geworden, aber k.o. ist der Dax noch nicht. Bei 6300 verläuft der seit Herbst bestehende Aufwärtstrend, bei 6200 die 200-Tage-Linie in ungewichteter Berechnung. Und die wird (wenn es jetzt nicht zu einem Crash kommt) in den nächsten Tagen nach oben drehen. Die Zone um 6200 ist die entscheidende Untergrenze für die kurzfristigen Schwankungen der nächsten Tage.











3 Kommentare zu “Börse angeschlagen, aber nicht k.o.”
das ist doch alles gaga
Trendline, 200-Tage-Linie, Zone… Die Chartisten sind schon putzig. Wissenschaftlich betrachtet hat all das wortgewaltige Getöse ebenso viel bzw. wenig Substanz, als würde man echt randomisierte Zufallszahlen generieren und daraus die Entwicklung des DAX prognostizieren.
13. Oktober: 18C
15. Oktober: 19C
28 Oktober: 21C
Der Hokuspokus-wissenschafts-gläubige könnte geneigt sein für den 1. November 23C zu prognostizieren. Wenn dann aber zum ersten Wintereinbruch des Herbstes der erste Schnee fällt ist das Erstraunen groß (“…das war jetzt wider Erwarten…”).
Der Kundige hingegen hat gewusst, dass nach dem Herbst der Winter kommt und ist darauf vorbereitet.
Parallel zu Artikeln und “Anlaysen” wie diesen entdeckt?