Die schnelle Erholung auf über 6800 ist ein gutes Vorzeichen für den Mai – in dem man sich keineswegs automatisch von Aktien trennen muss.
Die amerikanische Wirtschaft und die US-Börse sind entscheidende Triebkräfte für den Aufstieg auch der deutschen Aktien. Daran kann selbst der schwache Euro-Stoxx-Index nichts ändern, in dem vor allem Banken, Finanzwerte und staatsnahe Unternehmen angeschlagener Südstaaten nach unten ziehen.
Skeptiker habe in den vergangenen Wochen in Amerika allerdings ebenfalls Schwächen gesehen, in den führenden Indizes sogar obere Wendeformationen mit mächtigem Potenzial nach unten. Nun, danach sieht es derzeit kaum noch aus.
Mehrmals schon wurde auf die Stärke der beiden entscheidenden Teilindizes im Dow hingewiesen, auf die Versorger und die Transportaktien. Und auch aktuell stimmt die Kombination: Die Versorger sind auf neue Hochs, die Transportaktien sind stabil mit Aussicht auf ebenfalls bald wieder steigende Kurse. Schon dieses Doppel legt nahe, dass der US-Markt in den nächsten Wochen eher nach oben zieht als abdreht.
Robuste Hausse in Amerika
Die einzelnen Dow-Werte stützen das robuste Bild. 27 von 30 Dow-Werte verlaufen derzeit oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Das ist klassische Hausse ohne auch nur den Hauch einer Schwäche. Mehr noch: Die beiden Nachzügler Alcoa und HP, die noch unter der 200er-Linie hängen, befinden sich in einer Bodenbildung und können bald hinterherziehen. Und dass Procter einmal dazwischenfunkt, ist kein Problem; die Aktie hat ohnehin ein ausgeprägtes Eigenleben.
Fazit für den US-Markt: Die kurz- bis mittelfristigen Aussichten sind positiv. Das passt nicht nur zum Zyklus vor den Wahlen, das ergänzt sich auch zu den positiven Nachrichten aus der Wirtschaft.
China nicht unterschätzen
Noch eine weitere, wichtige Hilfe für den Dax ist im Entstehen. Zwar noch nicht so ausgeprägt wie die Stärke der US-Titel, aber durchaus vielversprechend: chinesische Aktien. Die Angst vor einem Platzen der Immobilienblase und vor dem Ende der bisher atemberaubenden Wachstumsraten schürt seit Jahren die Angst vor China-Papieren.
In der Tat sind die Inlandswerte, die vor allem in Shanghai gehandelt werden, in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Etwas besser haben sich die in Hongkong gelisteten Titel gehalten. Nun aber – zum ersten Mal seit langer Zeit – stabilisieren sich die Hongkong-Papiere auf mittlerem Niveau, und die Shanghai-Börsen kommen in ihrer Bodenbildung gut voran.
Die chinesischen Aktienmärkte sind damit zwar noch nicht durch das Tal, aber die Chancen, dass sie es in diesem Jahr schaffen, haben sich eindeutig verbessert – sagen wir einmal auf 60 zu 40.
Wenn aber die chinesischen Aktienmärkte wieder kommen, dann ist das auch ein Indikator für die weiterhin robuste chinesische Wirtschaft – und die wiederum ist gerade für führende Dax-Unternehmen als immer wichtigerer Absatzmarkt entscheidend; von BASF bis VW, von Daimler bis Linde.
Wenn die zwei größten Wirtschaftsräume der Welt sich in den nächsten Monaten gut entwickeln, dann wird auch Europa nicht abstürzen. Natürlich, die schwachen Länder im Süden, vor allem Spanien, sind eine ernste Belastung. Doch genau deshalb steht der Dax ja auch nicht bei 8000 (das würde grob gesagt dem Niveau entsprechen, das der Dow aufweist), sondern eben deutlich unter 7000.
Keil statt Kopf-Schulter
Kurzfristig sieht es im Dax ebenfalls nicht schlecht aus. Die schnelle Erholung auf über 6800 hat die von Pessimisten befürchtete Abwärtsformation (Kopf-Schulter) aufgelöst und einen Abwärtskeil daraus werden lassen. Der ist positiv. Selbst wenn der Dax in den nächsten Tagen noch einmal bis 6600 nachgeben würde, wäre das kein Problem.
Insgesamt sollten die bisherigen Unterstützungen halten und dem Dax in den nächsten Wochen einen Anstieg bescheren. Dass die 200er-Linie demnächst (wegen der nun zunehmend herausgerechneten schwächeren Crash-Werte von August und September 2011) zügig nach oben dreht, ist ein weiterer Baustein für einen stabilen Markt.
Der nächste Dax-Radar erscheint wieder in einer Woche.










