Die kurzfristigen Aussichten der wichtigsten Dax-Werte – zwischen Schuldenkrise und robuster Wirtschaft.
Nach seiner kleinen Top-Bildung mit Notierungen von bis zu 7100 hat die erste Phase der Korrektur den Dax von 7000 auf 6600 gedrückt. Danach folgte eine kleine Erholung. Bereinigt ist der Markt erst, wenn er noch einmal einen zweiten Rücksetzer übersteht.
Wie weit die Notierungen dabei nachgeben, dafür gibt es Anhaltspunkte. Wenn er ähnlich wie in der ersten Abwärtsphase 400 Punkte verliert, wäre das eine Zielzone um 6400. Dabei verlaufen im ganzen Bereich zwischen 6600 und 6200 zahlreiche Unterstützungen, die den Markt auffangen sollten. In dieser Zone dürfte sich die kurzfristige Tiefen-Bildung abspielen.
Technischer Support von unten
Interessant wird die Entwicklung um die 200-Tage-Linie, die bei klassischer, ungewichteter Rechung derzeit bei 6230 verläuft. Wie an dieser Stelle vor einigen Wochen ausführlich beschrieben (30. März), wird die 200-Tage-Linie in Kürze nach oben drehen. Genau genommen ist es in sechs Tagen soweit: Dann werden schrittweise niedrigere Kurse aus dem Crash-Sommer herausgerechnet. Sieben Wochen lang wird die 200-Tage-Linie dann einen mächtigen Schub nach oben bekommen. (Der würde nur dann ausfallen, wenn der Dax jetzt massiv, crashartig einbrechen würde.)
Aus dieser Konstellation ließe sich ein kurzfristiges Markttief für die nächsten ein bis zwei Wochen ableiten – und danach eine schnelle und durchaus starke Erholung, also gleichsam die Fortsetzung der übergeordneten mittelfristigen Aufwärtstendenz. Die einzelnen Dax-Werte bestätigen dieses Bild, ihre innere Stärke ist aber unterschiedlich.
Loser, Labile und langfristige Favoriten
Allianz: Ist durchaus angeschlagen. Nach dem Bruch des mehrmonatigen Trends besteht das Risiko bis auf 75 Euro. Hintergrund ist natürlich die für Finanzwerte besonders belastende abermalige Zuspitzung der Schuldenkrise.
BASF: Sieht wesentlich besser aus. Die Aktie ist derzeit einer der Top-Werte im Dax. Natürlich kann auch sie kurzfristig noch etwas nachgeben, eine Korrektur in den Bereich 60 bis 65 Euro ist durchaus drin. Zudem könnte der Dividendenabschlag nach der Hauptversammlung (kommenden Freitag HV; Montag, 30. April, dann der Abschlag) den Kurs kurzfristig drücken. Spätestens dann ist die Aktie für Nachzügler interessant.
Daimler: Dämpfer aus Abu Dhabi. Natürlich werden jetzt nicht Millionen von Aktien auf den freien Markt geworfen. Transaktionen dieser Größenordnung werden in Paketen gehandelt, zwischen großen Verkäufern und großen, institutionellen Käufern. Dennoch, so wie die Aktie damals beim Einstieg lange zu den stärksten Papieren gehörte, wird sie aktuell belastet – es sei denn, es folgt ein neuer für Daimler noch interessanterer Großaktionär. Technisch ist es spannend, ob die kurzfristige Untergrenze bei 40 Euro hält. Wenn nicht, können es schnell 35 Euro werden. Risikolos ist das Papier derzeit nicht.
Deutsche Bank: ebenfalls leicht gedrückt, aber noch voll im mittelfristigen Aufwärtstrend. Auch sie leidet abermals unter der Schuldenkrise, allerdings nicht so existenziell wie die Commerzbank. Das mittlere Risiko sollte maximal bis 30 Euro reichen.
E.On: Einigermaßen gut haben sich in den vergangenen Wochen die Versorger entwickelt – ein Spiegelbild zum Schwanengesang der Solarwerte. Bei E.On dürfte das Rückschlagsrisiko zunächst bis 15/16 Euro reichen. Ein Kauf ist die Aktie allerdings nicht (vor allem wegen der enormen Schulden).
Siemens: Schwächer als erwartet. Dem letzten Anstieg in Richtung 80 Euro folgte die Enttäuschung; das ist klar negativ zu werten. Kurzfristig reicht das Risiko bis etwa 65, auch Notierungen darunter sind möglich.
Telekom: Ihr altes Tiefen-Ziel, acht Euro glatt, könnte die Aktie wieder erreichen. Die Kommunikationswerte gehören derzeit in ganz Europa zu den Schlusslichtern.
SAP: Eine Klasse für sich. Natürlich gibt der Kurs nach der massiven Rally der vergangenen Monate auch etwas nach, kurzfristig könnten es 45 oder 46 Euro werden. Dann aber sollte SAP wieder zu den Spitzenwerten im Dax gehören. Langfristig ist das SAP sowieso: Es gibt kein Unternehmen im Dax, das in den vergangenen 15 Jahren eine so starke Performance hingelegt hat wie die Software-Schmiede (Unternehmen und Kurs). Massive Schwankungen inbegriffen, aber mit sehr starker Grundtendenz. Ein klarer Dauerfavorit.










